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Die Milch macht’s nicht

Preiskrise beschäftigt Bückeburger Landwirte Die Milch macht’s nicht

Kaum 60 Cent kostet der Liter Milch derzeit beim Discounter. Für die Landwirte ist dies ein Grund, Alarm zu schlagen. Denn: Beim Erzeuger kommt davon weniger als die Hälfte an.

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Auf dem Hof von Eckhard Vogt stehen insgesamt etwa 100 Milchkühe.

Quelle: bus

Bückeburg. Ein Thema, das vor allem von betroffenen Bauern derzeit viel diskutiert wird. „Milch ist mitunter günstiger zu haben als Mineralwasser“, sagen Vertreter der Bückeburger Bauernschaft. Eckhard und Carola Ostermeier (Scheie), Eckard Vogt (Evesen) und Dieter Wilharm-Lohmann (Meinsen-Warber) von der Interessengemeinschaft Bäuerliche Landwirtschaft (IBL) zeichnen gemeinsam für das Wohlergehen von rund 270 Milchkühen verantwortlich. „Aktuell erleben wir eine mittlere Katastrophe, einige Kollegen werden das nicht überstehen und ihren Betrieb aufgeben“, meint Wilharm-Lohmann, der ein auskömmliches Einkommen erst bei etwa 40 Cent ausmacht. „Viele stehen mit dem Rücken zur Wand“, ergänzt IBL-Koordinator Werner Dehne.

Dramatische Ausmaße

Die Preiskrise habe mittlerweile dramatische Ausmaße angenommen, heißt es von Verbandsseite. „Wir sehen leider kein Licht am Ende des Tunnels“, unterstreicht Präsident Joachim Rukwied, der auch das Preisniveau von Schweinefleisch und Brotweizen beklagt. Die Weltmarktpreise zahlreicher Produkte befinden sich seit Monaten im Keller. Dabei spielt auch ein von Russland erlassener Importstopp als Reaktion auf EU-Sanktionen wegen der Ukraine-Krise eine Rolle. Der Bauernverband moniert zudem gestiegene Margen bei Handel und Lebensmittelwirtschaft. Rukwied kritisiert überdies die vom Bundeswirtschaftsministerium erlaubte Übernahme von Tengelmann durch Edeka. Diese Entscheidung komme einem „Schlag ins Gesicht der Bauernfamilien“ gleich. Der Präsident misst der Situation eine mit der Finanzkrise der Jahre 2008/2009 vergleichbare Relevanz zu.

Rückgang von Nutzflächen

In Bückeburg kommt der Auffassung der IBL-Vertreter zufolge der stetige Rückgang verfügbarer Weide- und Grasflächen erschwerend hinzu. Dass beispielsweise große Teile der Bückeburger Niederung nicht als Grünland zur Verfügung stehen, stellt für Vogt „ein ziemliches Problem“ dar. Wilharm-Lohmann, der zum Heuholen bis Wülpke respektive Kleinenbremen fährt, führt aus, dass anderenfalls „Sprit und Zeit ohne Ende“ eingespart werden könnten. Früher sei versucht worden, jeden Quadratmeter Fläche zu nutzen. „Das, was wir jetzt machen müssen, hat mit Nachhaltigkeit nicht viel zu tun“, klagt Wilharm-Lohmann an.

Global betrachtet sei der derzeitige Umgang mit Ackerland ein „Blödsinn“, halten die Landwirte fest, die darüber hinaus die Bodenpreisentwicklung gerade in der Niederung kritisch betrachten. „Hier haben sich die Preise in den zurückliegenden Jahren verdoppelt“, konstatieren Carola und Eckhard Ostermeier. Was früher für einen Euro zu haben war, wechsele nun für zwei Euro den Besitzer. Ostermeiers plädieren des Weiteren für einen größeren Zusammenhalt der bäuerlichen Betriebe. „Fürs Überleben wäre es besser, wenn wir alle an einem Strang ziehen.“

40 Stunden gibt es nicht

Generell betrachten die Vertreter der Interessengemeinschaft den familiären Charakter ihrer Betriebe als vorteilhaft. „Die halten mehr aus als industriell organisierte Produktionsfirmen“, merkt Vogt an, der auf den Arbeitsaufwand bei der Milcherzeugung hinweist. „Eine 40-Stunden-Woche oder Tariflohn gibt es für uns nicht“ erklärt der Eveser. „40 Stunden haben wir schon mittwochs auf dem Arbeitszeitkonto.“

Eine Prognose für die Preisentwicklung wollen die Milchlandwirte nicht wagen, „aber ab etwa 35 Cent pro Liter für das hochwertige Nahrungsmittel könnte man etwas ruhiger schlafen“, so die Experten. bus

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