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Die Verdächtigung schwingt mit

Hartz IV. Eine Betroffene erzählt ihre Geschichte Die Verdächtigung schwingt mit

„Am Anfang ist es schwer gewesen“, blickt die 34-jährige Obernkirchenerin Jana L. (Name von der Redaktion geändert) auf die Augusttage des Jahres 2012 zurück. Seit dieser Zeit wird die vierfache Mutter von den Mitarbeitern des Jobcenters in Stadthagen betreut. Sie bekommt Hartz IV.

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Für Obst hat die Hartz-IV-Empfängerin Jana L. am Monatsende oft kein Geld mehr.

Quelle: bes

Stadthagen/Obernkichen. „Ich musste erst mal klären, welche Anträge überhaupt ausgefüllt werden müssen.“ Große Hilfe bei allen Fragen rund ums Geld und Fördermöglichkeiten hätte sie im Jugendamt bekommen, erzählt die 34-Jährige. „Es hat insgesamt drei Monate gedauert, bis das Geld vom Jobcenter geflossen ist“, erinnert sich die Obernkirchenerin. In dieser Zeit habe sie mit ihren vier Kindern allein vom Kindergeld, insgesamt 700 Euro, gelebt. Sie habe Tag für Tag jede einzelne Ausgabe durchrechnen müssen. „Das Jobcenter hat die ausstehende Summe dann ohne Probleme in einem Rutsch nachbezahlt.“ Mittlerweile laufe der Alltag reibungslos, das Geld komme pünktlich.

 Anfangs sei die Betreuung durch die Behörde für sie mit ungewohnten, zum Teil auch negativen Gefühlen verbunden gewesen, erzählt sie. „Es ist eine Mitarbeiterin des Jobcenters zu uns gekommen und hat kontrolliert, wie und wo wir leben. Auch in finanzieller Hinsicht gab es diese Kontrolle. Wir mussten die Kontoauszüge der vergangenen drei Monate einreichen“, schildert die junge Frau. Auch jetzt noch müsse sie diese Prozedur in regelmäßigen Abständen erdulden. „Es schwingt immer eine indirekte Verdächtigung mit.“

 Im Alltag gibt es für die alleinerziehende Mutter immer wieder Hürden zu überwinden. „Als ich ein Darlehen für einen neuen Herd aufnehmen wollte, musste ich erneut alles offenlegen, und es wurde geprüft, ob ich Geld für den Kauf ansparen könnte.“ Zudem prüfte eine Mitarbeiterin des Jobcenters, ob der Herd tatsächlich kaputt war.

 Die 34-Jährige ist gelernte Bäckereifachverkäuferin und hat mehr als 15 Jahre gearbeitet. „Nach der Geburt des vierten Kindes habe ich aufgehört“, erzählt sie. Auch wenn das Nesthäkchen mittlerweile drei Jahre alt ist, gibt es aus Sicht der 34-Jährigen viele Hindernisse auf dem Weg zurück in die Arbeit. „Mein ältester Sohn ist Autist. Er benötigt eine verlässliche Betreuung, und jede neue Person im engeren Umfeld stört den gewohnten Rhythmus“, erklärt die Hartz-IV-Empfängerin. Vor diesem Hintergrund empfindet sie die Vorgabe des Jobcenters, wieder ins Berufsleben einzusteigen, als Druck.

 Selbst wenn es ihr gelänge, die Betreuung entsprechend zu regeln, sei der anvisierte Arbeitszeitraum von 9 bis 13 Uhr werktags für eine Rückkehr in den erlernten Beruf nicht förderlich. „In dieser Branche muss man flexibel sein. Das bin als alleinerziehende Mutter jedoch nicht. Aus diesem Grund habe ich bereits einige Absagen bei Bewerbungen bekommen.“

 Das Leben als Hartz-IV-Empfängerin belastet die 34-Jährige auch in anderer Hinsicht. „Es ist mir unangenehm, wenn meine Kinder gefragt werden, was die Eltern beruflich machen.“ Sie selbst versuche, ihrem Nachwuchs so viele Wünsche wie möglich zu erfüllen. Bei kleineren Summen gelinge ihr dies immer wieder, auch weil die Kosten in vielen Bereichen noch überschaubar seien. „Ich bin mir sicher, dass die Belastungen in den kommenden Jahren zunehmen werden“, auch weil Themen wie Smartphones und Markenklamotten für die Heranwachsenden interessanter werden. bes

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