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Diskussion über Interargem-Anteile

Teurer Müll Diskussion über Interargem-Anteile

Nicht nur in der Samtgemeinde Nienstädt ist die Aufstockung von Unternehmensanteilen an der Bielefelder Interargem GmbH derzeit ein Thema. Auch drei weiteren Gesellschaftern aus dem Landkreis Schaumburg wurde von den Stadtwerken Bielefeld ein Kaufangebot unterbreitet.

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Die Abfallwirtschaftsgesellschaft Schaumburg signalisiert vorsichtiges Interesse an einer Aufstockung der Anteile.

Quelle: Symbolfoto

Landkreis. Eine endgültige Entscheidung steht überall noch aus. Die Stadtwerke Bielefeld, mit knapp 92-prozentiger Beteiligung Hauptanteilseigner an dem auf Müllverbrennung spezialisierten Unternehmen, hatten unlängst allen vier Schaumburger Gesellschaftern Anteile zum Kauf angeboten (die SN berichteten). Nach Nienstädt signalisieren nun auch der Abwasserverband Auetal, die Abfallwirtschaftsgesellschaft Schaumburg (AWS) und die Entwicklungsgesellschaft Samtgemeinde Sachsenhagen mbH Interesse an dem Angebot.

Möglichkeiten sichern

Ähnlich wie in der Samtgemeinde Nienstädt, deren Rat nach Vorstellungen von Bürgermeister Ditmar Köritz am 29. September über das Angebot abstimmen soll, ist das letzte Wort auch beim Abwasserverband Auetal (0,08 Prozent) noch nicht gesprochen. Einer Aufstockung der Anteile scheint man hier jedoch ebenfalls offen gegenüberzustehen.  Grund dafür seien regelmäßig anfallende Abfälle wie Klärschlamm, die belastende Stoffe wie Schwermetalle enthalten könnten. „Die können wir auf rechtlich zulässigem Weg nicht selbst beseitigen. Deshalb wollen wir diese Möglichkeit in der unmittelbaren Nähe sichern“, erklärt Geschäftsführer Heinz Wischnat. Über Tochtergesellschaften betreibt die Interargem GmbH zwei Müllverbrennungsanlagen in Bielefeld und Hameln, die für den Abwasserverband aus logistischer Sicht einen günstigen Abnehmer darstellen.

Vorsichtiges Interesse signalisiert auch die Abfallwirtschaftsgesellschaft Schaumburg (0,21 Prozent), wobei Geschäftsführer Peter Kühn mit Nachdruck die Unterschiede zur Situation in Nienstädt herausstellt. „Wir sind im Gegensatz zur Samtgemeinde im gleichen Markt tätig und wissen, dass die Anlagen gebraucht werden.“ Somit gäbe es aus Marktsicht gute Gründe für eine Aufstockung der Beteiligung, der man durchaus positiv gegenüberstehe.

Wedemeier befürwortet Einstieg

Jörn Wedemeier, Bürgermeister der Samtgemeinde Sachsenhagen und damit verantwortlich für die in ihr begriffene Entwicklungsgesellschaft mbH, befürwortet ebenfalls einen Einstieg bei Interargem. Und zwar auch mit Hinweis auf die sich abzeichnende Klärschlamm-Problematik. Europaweit verschärfe sich der Wettbewerb um freie Kapazitäten in Müllverbrennungsanlagen. Als Anteilseigner an einer solchen Einrichtung werde der Zugang erleichtert, glaubt Wedemeier und spricht vom Status eines „Premiumkunden“, den man erlangen könne.

Allerdings betont auch Wedemeier einen Unterschied zur Situation in der Samtgemeinde Nienstädt. In Sachsenhagen gehe es bei der Investition nur um „etwas mehr als 100 000 Euro. Und wir haben das Geld dafür und müssen keinen Kredit aufnehmen“, sagt er auf SN-Anfrage. Der Aufsichtsrat habe deshalb bereits grünes Licht für eine Verdopplung der bisher 0,05-prozentigen Beteiligung gegeben. Die Gesellschafterversammlung entscheide darüber abschließend „gegen Ende des Jahres“.

Kritiker sprechen von erheblichem Risiko

In Nienstädt hatte der Vorschlag von Köritz, die Anteile an der Interargem GmbH für einen Kaufpreis von knapp 1,3 Millionen Euro auf 1,04 Prozent zu verdoppeln, für Aufregung im Samtgemeinderat gesorgt. Kritiker, insbesondere aus Reihen von CDU und Grünen, sprechen von einem erheblichen wirtschaftlichen Risiko. Die Samtgemeinde müsste dafür einen Kredit mit 20-jähriger Laufzeit aufnehmen.  Für Unmut sorgt zudem, dass die Entscheidung trotz ihrer Tragweite noch in der auslaufenden Legislaturperiode vom praktisch schon in Auflösung begriffenen Rat getroffen werden soll.

Von Lennart Hecht

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