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EWR-Pleite: Nichts mehr zu holen

Insolvenzverfahren abgeschlossen EWR-Pleite: Nichts mehr zu holen

Die traurige Geschichte der Erlebniswelt Renaissance (EWR) ist zu Ende: Das Insolvenzgericht Hameln hat das mehrjährige Insolvenzverfahren der EWR-Projektentwicklungs GmbH jetzt für beendet erklärt. Damit ist die EWR abgewickelt.

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Die Weserrenaissance mit moderner Technik erlebbar machen: Dieses Ziel ist gescheitert.

Quelle: rg

Landkreis. Das hat Insolvenzverwalter Stephan Höltershinken (Minden) am Mittwoch auf Anfrage bestätigt.

 Hauptgläubiger der EWR ist die NBank, die dem Vernehmen nach Forderungen in Höhe von etwas mehr als 13 Millionen Euro hat. Nach SN-Informationen wird die NBank wegen der geringen Insolvenzmasse aber lediglich einen kleinen einstelligen Millionenbetrag erhalten.

 Insgesamt hatte die NBank 14,2 Millionen Euro in das Tourismus-Projekt gesteckt. Der Großteil dieses Fördergeldes kam mit 9,8 Millionen Euro von der EU, und zwar aus dem Europäischen Fonds für Regionale Entwicklung, der Rest von Bund und Land.

 Nach Angaben von Experten haben EWR-Gesellschafter, und zwar die drei Landkreise Schaumburg, Hameln-Pyrmont und Holzminden, Forderungen in Höhe von insgesamt 3,4 Millionen Euro erhoben. Davon entfallen auf den Landkreis Schaumburg rund 600.000 Euro. Die Gesellschafter gehen aber leer aus, weil diese in einem Insolvenzverfahren erst nach den Gläubigern bedient werden.

 Insgesamt betrachtet heißt das, dass durch das gescheiterte EWR-Projekt Steuergeld in zweistelliger Millionenhöhe versenkt worden ist. „Das Ausmaß der Verschwendung ist riesig“, hatte dazu Bernhard Zentgraf vom Bund der Steuerzahler in Niedersachsen gesagt.

 Damit überhaupt eine Insolvenzmasse gebildet werden konnte, mussten laut Höltershinken unter anderem Schadenersatzansprüche gegen einen früheren Geschäftsführer geltend gemacht werden. Diese seien gerichtlich durchgesetzt worden. Dem Vernehmen nach war dies kompliziert. Demnach soll der Geschäftsführer unauffindbar gewesen sein, Detektive mussten auf ihn angesetzt werden.

 Zudem gab es, wie berichtet, Ansprüche gegen Mitglieder des EWR-Aufsichtsrates, darunter – vom Kreistag entsandt – der frühere Schaumburger Landrat Heinz-Gerhard Schöttelndreier (SPD) und der CDU-Fraktionschef Gunter Feuerbach. In dieser Sache ist es zu einem außergerichtlichen Vergleich mit dem Insolvenzverwalter gekommen. Infolge dessen hat der Kommunale Schadensausgleich (KSA) für alle kommunalen EWR-Aufsichtsratsmitglieder eine Summe von 990000 Euro an den Insolvenzverwalter gezahlt, der sie der Insolvenzmasse zuführte. Dies war jüngst im Zuge einer Anfrage des Kreistagsabgeordneten Heinrich Sasse bekannt geworden. Auch beim Geld des Kommunalen Schadensausgleichs handelt es sich um Steuergeld, da diese Einrichtung von Landkreisen und Kommunen finanziert wird.

 Wie Höltershinken berichtete, hat es sich um „ein äußerst komplexes und kompliziertes“ Insolvenzverfahren gehandelt. Dieses beinhaltete einige gerichtliche Auseinandersetzungen. Dazu gehörte unter anderem auch die Aufarbeitung ausstehender Steuerzahlungen der EWR durch ein Finanzgericht. Die Akten waren so umfangreich, dass das Insolvenzgericht laut Höltershinken sogar einen Gutachter eingesetzt hat, um die Schlussrechnung zu prüfen. Die Verfahrenskosten, die von der Insolvenzmasse abgezogen werden mussten, betragen einen nennenswerten sechsstelligen Betrag.

 Die EWR war 2001 als groß angelegtes Projekt der Tourismusförderung gegründet worden. Mittels moderner Medientechnik sollten herausragende Bauwerke der Weserrenaissance touristisch vermarktet werden. Doch schon bald stellten sich grobe Misswirtschaft und Unfähigkeit der Geschäftsführung ein. Im August 2009 schließlich ging die EWR in die Insolvenz. ssr

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