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Ein Jahr und drei Monate für 2500 Joints

Schaumburger verurteilt Ein Jahr und drei Monate für 2500 Joints

Die Menge an Cannabis, die ein 45-jähriger Schaumburger bei sich in der Wohnung angebaut hat, hätte für knapp 2500 Joints gereicht. Die Droge habe er zum Eigengebrauch angebaut, da er unter Depressionen leide. Der Mann wurde zu einem Jahr und vier Monaten Freiheitsstrafe auf Bewährung verurteilt.

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Symbolbild

Quelle: dpa

Landkreis. In der Regel geht die Polizei in solchen Fällen davon aus, dass Handel betrieben wird. Der gelernte Werbekaufmann konnte mit seiner gestrigen Aussage vor dem Amtsgericht Stadthagen jedoch glaubwürdig machen, dass er aufgrund seiner Krankengeschichte die Drogen zum Eigengebrauch angebaut hatte.

Seit mehr als 15 Jahren leidet der Schaumburger unter Depressionen, lebte anfangs noch in Hamburg. Weil er „stark suizidgefährdet“ war, zog er 2006 in sein Elternhaus in Schaumburg zurück, um eine neue Lebensperspektive zu bekommen. Dort habe sich sein Zustand zwar stabilisiert, „aber nicht so, dass ich ein normales Leben hätte führen können“. Er sei eben „über die Tage gekommen“.

Vorrat für den Sommer

Heftige Schlafprobleme habe er versucht, mit Alkohol zu therapieren. Drei bis vier Dosen Bier am Tag hätten langsam zu vier bis fünf Litern geführt. „In der Zeit ging es mir etwas besser, aber weit entfernt von gut“, sagt der 45-Jährige, der bereits seit 2001 arbeitsunfähig und seit fünf Jahren berentet ist. Auch eine stationäre Therapie habe keinen Erfolg gezeigt. Um seine Sucht zu behandeln, sei er von Alkohol auf Cannabis umgestiegen. „Ich habe mich schlaugelesen und auch meinen Hausarzt befragt.“ Daher sein Plan, das große Problem durch ein seiner Meinung nach kleineres zu ersetzen. Das habe auch gut funktioniert, auf Alkohol habe er komplett verzichten können.

Da er mit einer monatlichen Rente von 530 Euro im Monat keine große Sprünge machen könne, habe er die Drogen selbst angebaut. Weil er in einer Dachgeschosswohnung lebt und da die nötige Kühlung der Pflanzen sich schwierig gestaltete, habe er sich im Winter einen Vorrat anlegen wollen, um über den Sommer zu kommen. So erklärt der Ratsherr eines der größeren Schaumburger Gremien die hohe Menge, die bei der Wohnungsdurchsuchung am 1. Dezember 2014 von der Polizei gefunden wurde.

Dazu war es gekommen, weil er Brownies, „die ich etwas gewürzt hatte“, mit auf eine Party („die Einladung war mal eine schöne Ausnahme“) genommen hatte. Er habe die Gäste zwar noch gewarnt, nur ein Mal abzubeißen, denn sie seien sehr stark geworden. Ein Pärchen hielt sich jedoch nicht dran, vertrug die Drogen nicht und musste einen Krankenwagen rufen. So stand plötzlich die Polizei vor seiner Tür – ein Riesenschock. „Nach diesem Erlebnis hatte ich keinerlei Verlangen, mir Cannabis auf anderem Weg zu beschaffen“, sagt der Mann, der bisher keine Vorstrafen hat. „Plötzlich als Krimineller da zu stehen, war unglaublich.“ Allerdings zeigten die Bilder auf einer sichergestellten SD-Karte, dass es nicht seine erste Ernte gewesen sei.

Suizidgedanken nach der Hausdurchsuchung

Die Tage nach der Hausdurchsuchung seien sehr schwer gewesen, „ich war von Suizidgedanken geplagt“. Er habe versucht, sich schnell Hilfe zu holen, eine ambulante Behandlung in der Wunstorfer Klinik habe er verängstigt abgelehnt, im Februar 2015 habe er eine ambulante Therapie bekommen. Sein behandelter Psychiater hat ihm jetzt eine positive Sozialprognose ausgestellt. „Ich bin wieder fähig, an politischen Sitzungen teilzunehmen.“ Bis Mitte des Jahres sei er nicht mal in der Lage gewesen, zum Einkaufen zu gehen, nicht mal in den Garten habe er sich getraut. Gegen seine Schlafprobleme nimmt er Medikamente.

Das Schöffengericht folgte dem Antrag des Staatsanwalts, der ein Jahr und vier Monate Freiheitsstrafe auf Bewährung gefordert hatte. Aufgrund der langen Verfahrensdauer gilt ein Monat als verbüßt, erklärte Richter Kai Oliver Stumpe. Als Bewährungsauflagen muss der Schaumburger 100 Stunden gemeinnützige Arbeit leisten und alle sechs Monate ein Drogenscreening machen. col

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