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Ein „Service“ nur für Kirchensteuerzahler?

Landkreis / Grabreden Ein „Service“ nur für Kirchensteuerzahler?

„Es gibt Pastoren, die sind da knallhart und lehnen es ab, ein solches Begräbnis zu leiten“, sagt Dayana Hawkins, evangelisch-lutherische Pastorin in Weibeck-Krückeberg bei Hessisch Oldendorf.

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Die Kapelle in Weibeck kann inzwischen auch für die Trauerfeier genutzt werden, wenn der Verstorbene konfessionslos gewesen ist – dann allerdings wird eine Gebühr fällig.

Quelle: Wal

Von Cornelia Kurth Weserbergland. . „Doch gibt es die seelsorgerische Freiheit, die es für uns zu einer Gewissensfrage macht, ob wir nicht trotzdem um der Angehörigen willen eine Andacht abhalten und dem Toten das letzte Geleit mit den entsprechenden Gebeten geben.“

 Ähnlich ist auch die Grundhaltung in den evangelisch-reformierten und den katholischen Kirchen: „Für einen Toten können wir nichts mehr tun. Er ist in Gottes Hand übergegangen“, so Pastor Heiko Buitkamp aus Rinteln. „Der Beerdigungsgottesdienst dient den Hinterbliebenen und der Tröstung ihrer Trauer.“ Sicher, man könne pragmatisch sagen: Dieser „Service“ stehe einem Menschen, der keine Kirchensteuer mehr zahlte, nicht zu. „Aber soll die Kirchensteuer eine Art Eintrittsgeld sein, um Trost und Beistand zu erhalten?“

 Matthias Risau-Klöpper, Gemeindereferent in der katholischen Pfarrgemeinde St. Elisabeth in Hameln, sieht es nicht anders als seine evangelischen Kollegen: „Es gibt die rigorose Haltung, die sagt, man könne und dürfe niemanden mit einem Ritual beerdigen, gegen das er sich durch den Kirchenaustritt ausgesprochen hat. Und dann ist da aber die seelsorgerische Freiheit, die es uns freistellt, doch eine kirchliche Beerdigung vorzunehmen, wenn die Angehörigen es dringend wünschen. Im Allgemeinen tun wir das dann.“

 Einfach ist diese Entscheidung trotzdem nicht. Pastor Heiko Buitkamp erzählt, dass es für ihn bisher nur einmal einen solchen Fall gab. „Ich habe viel darüber nachgedacht und es beinahe bereut“, sagt er. „Die Frau des Verstorbenen hatte so sehr um ein christliches Begräbnis gebeten, die Kinder aber sagten mir nachher, dass ihr Vater das sicher nicht gewollt hätte.“ Doch er gehe davon aus, dass der Mensch, auch wenn er sich vom Glauben abgewendet habe, von Gott angenommen werden könne. „Man muss es von Fall zu Fall entscheiden, und ich sehe es so, dass die Angehörigen im Mittelpunkt stehen, dass sie es nun sind, die seelsorgenden Beistand brauchen.“

 Pastorin Dayana Hawkins kam zu einem ähnlichen Schluss, als sie mit einer besonders schwierigen Situation konfrontiert war. Ein aus der Kirche ausgetretener Mann ihrer Gemeinde sollte auf Wunsch seiner Familie kirchlich bestattet werden, mit einer Andacht in der kleinen Dorfkirche, die zugleich die Friedhofskirche ist und, wie auch der Friedhof selbst, der Gemeinde gehört. Ein inzwischen geänderter Beschluss des Kirchenrates verbot es, die Kirche für diese Andacht zu nutzen, ja, es lag in der Luft, auch keine Grabstelle auf dem Friedhof zur Verfügung zu stellen, sondern die Familie an den städtischen Friedhof zu verweisen.

 Schließlich wurde ein Kompromiss gefunden: Hawkins leitete eine Andacht im Haus der Angehörigen und von dort aus machte man sich auf den Weg zum dörflichen Friedhof, wo der Tote einen Platz finden konnte. „Ich fand das in Ordnung so“, sagt die Pastorin. „In früheren Zeiten war es ganz normal, dass man im Haus des Verstorbenen Abschied nahm und nicht in einer Kapelle. Das sieht man noch daran, dass die Weibecker Kirche eine Tür hatte, die viel zu klein war, als dass man einen Sarg hätte hindurchtragen können.“ Inzwischen ist es so, dass die beiden Kirchengebäude in Weibeck und Krückeberg auch für konfessionslose Verstorbene offen stehen, allerdings muss dann eine Nutzungsgebühr von 450 Euro gezahlt werden, die sich an der Gebühr der städtischen Friedhofskapelle orientiert.

 Im Allgemeinen ist eine kirchliche Bestattung finanziell gesehen um einiges günstiger als eine kirchliche Bestattung. In der Rintelner evangelisch-reformierten Jakobi-Kirche, die oft für Begräbnisandachten genutzt wird, da es auf dem reformierten Friedhof keine eigene Kapelle gibt, zahlt man 75 Euro (für die städtische Friedhofskapelle um die 200 Euro). „Und einen Trauerredner braucht man auch nicht zu engagieren, der bin ja ich, und ich mache es umsonst“, so Buitkamp. „Hätten wir das Gefühl, die Menschen wollten bei uns nur Geld sparen, würden wir vielleicht noch anders darüber nachdenken, aber tatsächlich kommt es eben nur sehr selten vor, dass überhaupt der Wunsch an uns herangetragen wird, ein Nicht-Kirchenmitglied christlich zu beerdigen.“

 Gemeindereferent Matthias Risau-Klöpper spricht ebenso gelassen über das Thema: „Wir respektieren Kirchenaustritte und machen gleichwohl keinen Unterschied, falls Angehörige an uns herantreten und unseren Beistand erbitten“, sagt er. „Es geht dabei um die Seelsorge an den Trauernden, und wozu wäre die seelsorgerische Freiheit da, um sie nicht genau hier zu nutzen.“

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