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Ein wenig bekanntes Problem

Landkreis Ein wenig bekanntes Problem

Die Problematik kommt erst allmählich zum Vorschein. Experten sprechen von „stillen Süchten“, da sich die Mehrheit der Betroffenen unbeobachtet ihrer Abhängigkeit hingibt. Allerdings bleiben nicht mehr alle Fälle unbemerkt. Die Zahl der Menschen über 60 Jahre, die sich an die Fachstelle für Sucht und Suchtprävention des Diakonischen Werkes der Landeskirche Schaumburg-Lippe wenden, ist in den vergangenen Jahren gestiegen.

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Bei Suchtkranken im hohen Alter dominieren die Medikamenten- und Alkoholabhängigkeit.

Quelle: pr.

Landkreis. Waren im Jahr 2011 von 849 Hilfesuchenden noch 57 Menschen über 60 Jahre alt, ist die Zahl im Vorjahr auf 62 gestiegen – bei insgesamt 793 Beratungen.

 „In den Gesprächen kristallisiert sich früh heraus, welche Art der Abhängigkeit besteht“, sagt Regina Danowski, Suchtberaterin des Diakonischen Werks. Im Gegensatz zu Suchtproblemen junger Menschen, deren Drogenkonsum sehr vielfältig sein kann – man denke beispielsweise an die Modedroge Crystal Meth – würde bei Suchtkranken im hohen Alter die Medikamenten- und Alkoholabhängigkeit klar dominieren. Bei Letzterer sei noch zu unterscheiden, ob die Alkoholsucht erst im Alter, oder schon in jüngeren Jahren eingesetzt hat.

 Unabhängig davon, wann die Abhängigkeit einsetzt: Die Gründe, warum ältere Menschen Trost im Alkoholkonsum suchen oder ihre psychosomatischen Schmerzen mit Tabletten betäuben wollen, sind meist ähnlich. „Eine monokausale Erklärung gibt es zwar nicht, aber gewisse Parallelen sind vorhanden“, erklärt Ingo Brouwer, Leiter vom Haus Jan, einem „Ex+Job“-Wohnheim für mehrfach beeinträchtigte Abhängigkeitserkrankte in Wölpinghausen, das 16 Bewohner über 60 Jahre zählt.

 Nach Angaben des Heimleiters ist der gefühlte Wertverlust der eigenen Person ein entscheidender Faktor: „Menschen, die ein Leben lang gearbeitet haben, fühlen sich nach dem Renteneintritt nicht mehr gebraucht.“ Weiterhin sei in diesem Zusammenhang der mögliche Tod des Partners oder allgemein das Wegbrechen der Familie aus unterschiedlichen Gründen zu nennen.

 „Soziale Vereinsamung und das Gefühl von Nutzlosigkeit können dazu führen, dass sich der als wertlos empfundene Mensch im Alkohol Trost sucht und dieser Versuch irgendwann völlig entgleist.“ Den Löwenanteil dieser Gruppe würden Männer stellen. Suchtberaterin Danowski erklärt: „Frauen dieser Generation sind damit aufgewachsen, sich selbst in vielen Belangen zurückzuhalten, so auch im Alkoholkonsum.“

 Beim Tablettenmissbrauch hingegen gilt das nicht. „Wir beobachten oft, dass unsere Patienten nicht einsehen wollten, dass ihre körperlichen Schmerzsymptome aus einem psychischen Leiden heraus resultieren“, sagt Dr. Ulrich Diekmann, leitender Arzt der Alterspsychiatrie am Klinikum Region Hannover in Wunstorf. Entsprechend würden die Patienten auf eine pharmazeutische Lösung ihrer Schmerzproblematik setzen und so lange Druck auf den behandelnden Arzt ausüben, „bis dieser irgendwann nachgibt“. Das Denken, dass psychische Erkrankungen nur Einbildung sind, sei oftmals noch weit verbreitet.

 Danowski vom Diakonischen Werk rechnet mit einer deutlichen Zunahme von Suchtberatungen für Menschen jenseits der 60. „Durch die Bevölkerungsverschiebung wird es immer mehr ältere Menschen geben.“ Entsprechend sei die logische Konsequenz, dass auch die Zahl der Suchterkrankungen zunimmt. Die fortschreitende Technisierung ist nach Angaben des Heimleiters Brouwers ebenfalls nicht zu verachten: „Unsere moderne Welt schafft immer größere Hürden, die es älteren Generationen bald unmöglich machen werden, am sozialen Leben teilzunehmen.“

Anzeichen einer Sucht

„Es gibt deutliche Signale, die auf eine Sucht hinweisen können“, erklärt Regina Danowski, Suchtberaterin vom Diakonischem Werk Schaumburg-Lippe. Sobald Freunde oder Familienmitglieder bei ihren älteren Angehörigen vermehrt Interessenlosigkeit, mangelnde Konzentration, Stimmungsschwankungen oder eine eingeschränkte Bewegung feststellen, könnte dies auf eine Sucht zurückzuführen sein. „Jene Symptome können natürlich auch eine andere Ursache haben“, erklärt Danowski. Deswegen sei es notwendig, Rücksprache mit dem behandelten Hausarzt zu halten und so die weiteren Schritte zu erörtern. Hilfesuchende können sich ebenfalls an das Diakonische Werk Schaumburg-Lippe in Stadthagen wenden, Telefon (0 57 21) 99 30 20. js

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