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Ein würdiger Abschluss

Hospizgruppe Stadthagen Ein würdiger Abschluss

„Vor dem Tod hat niemand Angst. Es ist das Sterben, was den Menschen zu schaffen macht“, sagt Christine Göbel. Die Sterbebegleiterin weiß, wovon sie spricht. Seit 1997 koordiniert sie die Hospizgruppe Stadthagen, die Teil der evangelisch-lutherischen Kirchengemeinde Stadthagen ist.

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Christine Göbel koordiniert die Hospizgruppe Stadthagen.

Quelle: js

Landkreis (js). 22 ehrenamtliche Mitarbeiter im Alter von 35 bis 80 Jahren engagieren sich unter ihrer Leitung und versuchen Sterbenden sowie ihren Angehörigen eine Stütze zu sein. „Zu uns kann jeder kommen, der in schweren Stunden Beistand und Hilfe braucht“, sagt die 61-Jährige, „es wird niemand weggeschickt.“
Denn die Hospizgruppe gehört dem Hospiz- und Palliativnetzwerk Schaumburg an, zu dem beispielsweise auch die Ambulante Hospizgruppe der Kirchengemeinde Bückeburg zählt. „So ist ein ständiger Austausch untereinander gewährleistet“, erklärt die Stadthägerin.
Kommunikation ist auch das wichtigste Schlagwort bei der Arbeit der Hospizgruppe. Auch wenn diese anfangs oft einseitig geschehe. „Nachdem wir gerufen werden, hören wir meist erst mal nur zu“, sagt Göbel. „Wir haben keine Erwartungshaltung, wir sind einfach nur da, und die Betroffenen entscheiden, ob wir bleiben oder gehen sollen.“ Meist ergebe sich eine Vertrauensbasis in kurzer Zeit. Gerade ältere Menschen würden dazu neigen, in ihren letzten Tagen viel von ihrer Vergangenheit zu erzählen. „Da gibt es zum Beispiel Geschichten aus dem Krieg, die vorher nie ans Tageslicht kamen“, weiß Göbel.
Ganz im Gegensatz dazu stehen Sterbebegleitungen bei jungen Familien: „Das Hadern mit Gott und dem Leben ist hier natürlich ein ganz anderes“, erklärt Göbel. Die ehrenamtlichen Arbeiter haben keinen „missionarischen Auftrag“. Die Gespräche über Gott und den Sinn des Lebens „ergeben sich einfach“. Aber: „Wir können leider keine Antworten liefern“, gibt Göbel zu bedenken. Es sei aber wichtig, den Zorn, auch gegenüber Gott, zuzulassen. Allerdings versuchen sie zu helfen, wo sie können. „Bei jungen Familien löst ein Todesfall ganz andere Existenzängste aus“, erklärt Göbel. Die Hospizgruppe könne Anlaufstellen vermitteln und sich gegebenenfalls auch zeitweise um betroffene Kinder kümmern.
Auch die Mitarbeiter der Hospizgruppe selbst werden nicht alleine gelassen. Vier Mal im Jahr sind supervisorische Treffen vorgesehen. Bei diesen können die Sterbebegleiter ihre Erlebnisse teilen und aufarbeiten. Göbel selbst zieht die Kraft für ihre Tätigkeit aus der Zeit mit ihrer Familie und langen Spaziergängen. „Wir sind nun einmal geboren, um zu sterben“, ist sich Göbel sicher. „Das, was dazwischen passiert, ist ein Geschenk.“
Und das dieses Präsent nicht immer abrupt endet, wurde Göbel spätestens seit dem Tod ihres Vaters klar, der vor 25 Jahren nach langer Erkrankung starb. „Mir ist die Wichtigkeit eines würdigen Todes bewusster geworden. Das ist eines der Ziele unserer Arbeit“, sagt die gelernte Pflegefachkraft, die berufsbedingt schon vorher mit dem Tod in Berührung kam. Doch mit dem Ableben sei das Ende nicht erreicht: „Es gibt etwas danach. Nur was das ist, muss jeder für sich selbst ausmalen“, betont Göbel.

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