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Eindeutige Entscheidung für Marja-Liisa Völlers

Kandidatenkür der SPD Eindeutige Entscheidung für Marja-Liisa Völlers

Mit einemüberraschenden Votum haben die Delegierten der Wahlkreiskonferenz der SPD-Unterbezirke Nienburg und Schaumburg Marja-Liisa Völlers als gemeinsame Spitzenkandidatin für den Bundestagswahlkreis 40 Nienburg II - Schaumburg nominiert.

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„Sehr überrascht“: Marja-Liisa Völlers freut sich über ihre Nominierung. bus

BÜCKEBURG. Die 31-jährige Studienrätin aus Rehburg-Loccum erhielt 71 von 114 Stimmen, für ihren Gegenkandidaten, den 43-jährigen Bankkaufmann Ralph Tegtmeier aus Bad Nenndorf, sprachen sich 43 Delegierte aus.

Das Resultat überraschte insofern, dass von den 114 Stimmberechtigten 82 dem Unterbezirk Schaumburg und 32 dem Nienburger Bezirk angehörten. 72 Delegierte waren männlichen, 42 weiblichen Geschlechts. Daher war allgemein davon ausgegangen worden, dass Tegtmeier als Vertreter Schaumburgs und als Mann das Rennen machen würde. Das Mitglied der SPD-Kreistagsfraktion hatte sich vor dem Urnengang – „ich bin ziemlich zuversichtlich“ – siegesgewiss geäußert. Später sprach der stellvertretende Unterbezirksvorsitzende von „tiefer Enttäuschung“ und meinte, im Stich gelassen worden zu sein.

Kommentar

Wieder einmal ist es Schaumburg nicht gelungen, sich bei einer anstehenden Kandidatenaufstellung im internen Wahlkreis-Wettbewerb mit dem Nachbarn Nienburg durchzusetzen. Und das trotz deutlicher Übermacht an Delegiertenstimmen. Die SPD hat diese bittere Erfahrung bereits machen müssen, als es 1998 um die Nachfolge des damaligen Bückeburger Abgeordneten Ernst Kastning ging.

Und mindestens genauso schmerzlich ist es für die Schaumburger CDU, die in den vergangenen Jahrzehnten ebenfalls – mit nur einer Ausnahme – gegenüber dem Kreisverband Nienburg stets das Nachsehen in Sachen Bundestagskandidatur hatte. Nicht unbedingt eine Frage der Qualität der aufgebotenen Kandidaten. Eher ein Zeichen dafür, dass die Reihen der großen Parteien in Schaumburg weniger geschlossen sind und die Uneinigkeit zwischen den Gemeindeverbänden größer ist, als dies nach außen den Anschein hat.

Von Marc Fügmann

Der Schaumburger Unterbezirksvorsitzender Karsten Becker sprach von einem „Neuanfang“, Völlers habe ein kräftiges Ergebnis erzielt. Nun gelte es, den Blick nach vorn zu richten. Völlers bekräftigte, eine Kandidatin für beide Bezirke sein zu wollen. „Nur zusammen können wir gewinnen.“

Das deutliche Votum war während der Vorstellungsrunde nicht absehbar. Beide ziemlich selbstbewusst auftretende Bewerber erhielten in etwa gleich kräftigen Beifall. Tegtmeier hatte sich als Realpolitiker mit umfangreichen politischen Erfahrungen präsentiert, der jetzt die Politik zu seinem Beruf machen wolle. „In den gut 27 Jahren, die ich mich für die SPD und ihre Ziele einsetze, habe ich Erfahrungen auf allen Ebenen gesammelt“, unterstrich der Betriebswirt und Jurist. „Mit Klimaschutz die Erde retten, die Menschen schützen und ihnen Arbeit und Sicherheit geben“, gab er als seine politische Forderung aus. „Das sind Investitionen in unsere Zukunft.“

Völlers stellte sich als junge und unerfahrene Frau vor, die der Partei zwar erst seit relativ kurzer Zeit angehöre, aber in der Familie über fünf Generationen zurückreichende sozialdemokratische Wurzeln verfüge. Die Lehrerin an der IGS Schaumburg in Stadthagen legte ihr Hauptaugenmerk auf soziale Gerechtigkeit. „Politik ist ein wichtiger Teil meines Lebens, der mir viel Spaß und Freude bereitet. Da ich mit den Menschen hier vor Ort verbunden und mit den politischen Themen des Wahlkreises vertraut bin, unsere gemeinsamen Interessen in Berlin engagiert vertreten kann und darüber hinaus auch noch in der Mitte unseres Wahlkreises lebe, hoffe ich auf Eure Unterstützung meiner Bewerbung“, gab die gebürtige Bückeburgerin zu verstehen.

Im Anschluss an die Vorstellungen waren kaum konkrete Nachfragen an die Kadidaten zu vernehmen. Was darauf schließen ließ, dass der größte Teil der Delegierten zu diesem Zeitpunkt bereits eine Entscheidung getroffen hatte. Hinter vorgehaltener Hand wurde gemunkelt, dass das Verhältnis zwischen dem Schaumburger Unterbezirksvorstand und der Parteibasis durchaus Optimierungspotenzial aufweise. Mehrere Redner stellten die Wichtigkeit heraus, das Bundestagsmandat im Wahlkreis Nienburg II-Schaumburg direkt zu gewinnen.

Ohne namentlich genannt zu werden, tauchte der frühere Bundestagsabgeordnete Sebastian Edathy in mehreren Wortbeiträgen auf. Der mittlerweile in der Partei zur Unperson degradierte Bad Rehburger hatte den Wahlkreis bis zu seinem Mandatsverzicht im Februar 2014 insgesamt 16 Jahre lang als direkt gewählter Abgeordneter im Bundestag vertreten.

Seit dem Verzicht verfügen die heimischen Sozialdemokraten nicht mehr über einen eigenen Abgeordneten in Berlin. „Der hat uns geschadet bis sonst wo“, erklärte ein Delegierter, der vor dem „Schwiegermuttertypen“ warnte – gemeint war der CDU-Bundestagsabgeordnete Maik Beermann, dessen Name ebenfalls keine Erwähnung fand. bus

Nahles zum Brexit

Unterbrochen worden war die Prüfungs- und Wahlprozedur im Bückeburger Ratskellersaal durch eine Rede von Arbeits- und Sozialministerin Andrea Nahles. Die Bundesministerin als „überzeugte Europäerin“ wertete den Brexit als einen Tag der Enttäuschung: „Der Ärmelkanal ist breiter geworden.“ Sie müsse aber auch klar sagen „out ist out“. Großbritannien müsse mit den Konsequenzen umgehen.

Für sie sei David Cameron der Verantwortliche für die heutige Situation. Er habe zu seinem Vorteil Europa in die Zwickmühle genommen. „So etwas darf nie wieder passieren“, mahnte die Ministerin angesichts von Austrittsforderungen in anderen EU-Ländern. Sie wisse, dass das aktuelle Europa nicht das Ideal ist: „Was aber heißt, dass wir eine besseres und sozialeres Europa brauchen. Die Menschen müssen wieder mehr im Mittelpunkt stehen.“

Eine „Gipfelei“ nach der anderen sei das, was die Menschen derzeit von der EU im Kopf hätten, aber: „Europa sind wir.“
Sie verwies auf die Erfolge der SPD in der Großen Koalition. Mütterrente, Rente mit 63, die Energiewende sowie das „Bürokratiemonster“ Mindestlohn, für das sie monatelang gescholten worden sei. Bis zu 900 000 Arbeitsplätze könnten verloren gehen. Das Ergebnis: Es seien 700 000 neue Jobs entstanden. Sie als Rentenministerin sei froh über die Flüchtlinge. 70 Prozent von ihnen seien unter 30 Jahre: „Eine Riesenchance nicht nur für die Rente, wir müssen sie nur in Arbeit bringen.“ bus

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