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Aus dem Landkreis Eine Kiste voller grünem Gewissen bitte!
Schaumburg Landkreis Aus dem Landkreis Eine Kiste voller grünem Gewissen bitte!
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06:15 17.04.2012
Jens Thieme stellt mit seiner Mitarbeiterin bunte Kisten, je nach Kundenwunsch, zusammen. Quelle: Foto: kil
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Landkreis (kil). Einmal die Woche klingelt es bei Carmen Schulze-Meyer  (43) aus Wendthagen an der Haustür. Ein Lieferservice überbringt ihr eine bunte Kiste mit viel Gemüse und anderen Bioprodukten, die der vierköpfige Haushalt in den kommenden sieben Tagen verspeisen wird, bis es das nächste Mal klingelt. Die 43-Jährige ist überzeugt vom Modell der Biokiste. Kritische Stimmen werfen der breiten Masse der Bio-Anhänger oft  vor, mehr aus Gewissens- als aus Umweltgründen zu handeln. Für die Wendthägerin spielt ganz klar beides eine Rolle. Aber vor allem sagt sie: „Es schmeckt einfach besser“, außerdem hat das „Schleppen der Kartoffeln“ nun ein Ende. Die gesparte Autofahrt zum Wochenmarkt sei ein zusätzlicher Gewinn. Gesundes Gemüse sei zwar teurer, dafür spare sie jetzt einfach an einer anderen, ungesunden Ecke.

In großen Städten ist die Biokiste frei Haus bereits weit verbreitet und zwar unter allen Altersgruppen vom Student bis zum Senior. Das erlebt auch Jens Thieme, der mit seiner Firma „Bio bringt’s“ in Stadthagen bereits vor rund 15 Jahren „auf die Kiste gekommen ist“ und damit der scheinbar einzige Anbieter ist, der seine Kisten mit der „fahrenden Möhre“ in ganz Schaumburg ausliefert. Anders in Hannover: dort hat er auch Kunden, ist aber „nur einer von vielen“. Mit seinen rund 350 Kisten pro Woche, gehört er dort zu den „Kleinen“, wie er berichtet. Die großen Lieferanten bringen ihm zufolge bis zu zweieinhalbtausend Kisten unter die Leute. Der Reiz „der Frische“ von regionalen, gesunden Produkten sei in der Großstadt, wo es keinen Hofladen um die Ecke gebe, eben größer. Aber auch auf dem Dorf nehme die Zahl der Gärten mit Eigenanbau ab, was die Nachfrage wiederum ankurbele. In letzter Zeit sei auch der Kundenkreis der älteren Leute, die nicht mehr so mobil sind, gewachsen. Außerdem stünden viele junge Familien mit kleinen Kindern auf die Kiste. Dabei sei auffallend: Die Kiste gehe „quer durch die Gesellschaft“. Einschränkung: ein gewisses Einkommen, meint Thieme. Gesund ist eben nicht immer günstig.

Die rund 600 Artikel von der Biomilch bis zur Gurke, die zu Thiemes Naturkostsortiment zählen, bezieht er von regionalen Erzeugern, nicht aus eigenem Anbau. Ob seine Kunden eher das grüne Gewissen oder der Umwelt- und Gesundheitsfaktor treibt? Es gebe immer solche und solche Typen. Die Einen fühlten sich gut, zu sagen „ich habe eine grüne Kiste zu Hause“, Andere setzen vor allem auf Geschmack, Frische oder den praktischen Aspekt, nicht erst in den Bioladen fahren zu müssen, Bestellungen gehen hauptsächlich online oder telefonisch ein.

Seit den Anfängen der „bunten Kiste“ sei Thiemes Kundschaft nicht nur gewachsen, auch die Wünsche hätten sich geändert: Statt sich eine „Überraschungskiste“ ins Haus zu holen, wünschten die Leute immer individuellere Kisten, was man in etwa so begründen kann: Bio gut und schön, aber es muss schließlich auch schmecken.

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