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„Einmalige Gelegenheit“

Grundsteinlegung beim Gesamtklinikum „Einmalige Gelegenheit“

Eine Urkunde, eine Bibel, zwei Tageszeitungen, aktuelle Euro-Münzen und -Scheine – wer den Grundstein des neuen Gesamtklinikums Schaumburger Land eines Tages öffnen wird, findet genau das vor. Ministerin Cornelia Rundt (SPD) hat ihn am Donnerstagmittag gemeinsam mit Vertretern der Krankenhausprojektgesellschaft (KPG) und der Schaumburger Politik symbolisch gelegt.

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Festakt zwischen Betonstelen und -wänden: Die Arbeiten am Klinikum Schaumburg in der Feldmark sind bereits weit gediehen.

Quelle: tol

Vehlen. „Eine Reise von 1000 Meilen beginnt mit einem ersten Schritt“, zitierte Dr. Achim Rogge, Sprecher der KPG, zu Beginn den chinesischen Philosophen Laotse. Das neue Klinikum habe schon einige Meilen hinter sich gebracht, und auch dies sei nun ein weiterer Meilenstein.

 Cornelia Rundt, die mit einigen Minuten Verspätung in Vehlen eingetroffen war, zog mit einer kleinen Anekdote die Lacher auf ihre Seite: „Wir haben im Ministerium schon ein bisschen gewitzelt“, sagte sie, „so viel Geld haben wir noch nie bei einem einzelnen Projekt versenkt.“ Rundt betonte das außergewöhnliche Volumen und die Dauer des Klinikneubaus, dessen Notwendigkeit nach ihrer Einschätzung wegen der finanziellen Situation der bestehenden Krankenhäuser allerdings außer Frage steht. Die neue Klinik werde nicht nur wirtschaftlich besser dastehen, sondern durch Spezialisierungen auch neue Ärzte nach Schaumburg locken. Das Land Niedersachsen fördert den Neubau mit 95 Millionen Euro – Rundt zufolge eine der höchsten Förderungen, die es je gegeben hat. Weitere 35 Millionen investiert Agaplesion selbst.

 Die Einmaligkeit des Gesamtklinikums hob auch Dr. Markus Horneber hervor. „Es ist die größte Einzelinvestition in der Geschichte von Agaplesion“, sagte der Vorstandsvorsitzende des künftigen Betreibers. „Die Gelegenheit, einen komplett neuen Klinikbau zu starten – noch dazu in diesem Ausmaß – ist einzigartig.“ Der 20. November sei ein besonderer Tag für die Entwicklung der Gesundheitsversorgung in der Region, auch wenn es schwer fallen werde, von den drei bisherigen Standorten Abschied zu nehmen. Horneber erinnerte auch an die Tradition der Diakonie und betonte, das neue Klinikum werde christlichen Werten verpflichtet sein. „Wir sehen den Patienten immer als Menschen, nicht nur als Fall.“

 Landrat Jörg Farr (SPD) hob hervor, dass auch künftig die Erstversorgung in Notfällen sichergestellt sei. „Die sechs Rettungswachen bleiben im Landkreis dezentral verteilt. Wir werden sie in Zukunft sogar eher noch aufrüsten.“ Das neue Klinikum bietet Farr zufolge auch die Chance, dass die rund 8000 Schaumburger, die Jahr für Jahr zur Behandlung in die Nachbarkreise fahren müssen, künftig vor Ort behandelt werden können.

Ein Neubau mit schwieriger Vorgeschichte

Der Beschluss für den Neubau eines zentralen Schaumburger Klinikums liegt schon einige Zeit zurück: „Repräsentanten des Landkreises, der Stiftung Bethel und pro-Diako haben gestern das Vertragswerk für das neue Zentralklinikum unterschrieben“, haben die Schaumburger Nachrichten am 9. Juni 2009 geschrieben.
Den Weg zur Unterzeichnung des Konsortialvertrages hat der Vorstand der Stiftung Bethel kurz zuvor geebnet. Lob gibt es damals vom pro-Diako-Geschäftsführer Claus Eppmann für den Landkreis, der sich nicht für den Verkauf der kommunalen Häuser entschieden hatte, und für die Stiftung Bethel, weil diese trotz guter Zahlen für das Bückeburger Krankenhaus „Weitsicht“ bewiesen haben.
Der ehemalige Landrat Heinz-Gerhard Schöttelndreier, der das Projekt damals vorantrieb und auch bei der Grundsteinlegung am Donnerstag zu Gast war, hat den Vertrag 2009 als „Aufbruch in ein neues Zeitalter“ gewürdigt.
Fünf Jahre Bauzeit sind damals veranschlagt worden für das Klinikum, das über 437 Betten verfügen sollte. Die geplanten Investitionskosten damals: 100 bis 120 Millionen Euro. Schon zu diesem Zeitpunkt zeichnen sich die personellen Konflikte ab, die die Zusammenführung der drei Klinikstandorte und der damit einhergehende Personalabbau mit sich bringen soll. Auch der Standort Vehlen, der sich im Herbst 2009 herauskristallisiert, sorgt für Unmut, vor allem wegen der Zerstörung der Umwelt und der verkehrstechnischen Anbindung. Der Landesrechnungshof rügt im Februar 2010 den Standort Vehlen. Eine Bürgerinitiative gründet sich und übergibt im Juli 2010 Unterschriften gegen den Bau und stellt im darauf folgenden Jahr ein Gutachten vor. „Sumpfklinik“ nennen die Gegner den Klinikneubau. Nichtsdestotrotz gehen die Vorbereitungen weiter: Im August 2011 genehmigt das Land Niedersachsen die 95-Millionen-Euro-Förderung für das Projekt.
Die Fertigstellung des Bebauungsplans zieht sich hin, die Verhandlungen mit den Grundstücksbesitzern stocken. Ende 2012 wird mit dem Bau einer provisorischen Straße zum geplanten Klinikum begonnen, die bis zur Fertigstellung der Kreisstraße 73 genutzt werden soll. Deren Bau wird auf 6,4 Millionen Euro taxiert.
Der Frankfurter Gesundheitskonzern Agaplesion schluckt 2011 pro-Diako, nachdem die Gesellschaft finanziell ins Straucheln gekommen ist. Im Juni 2012 erhält die Krankenhaus-Projekt-Gesellschaft (KPG) ein neues Management. pro-Diako, bis dahin Hauptgesellschafterin, zieht ihren KPG-Geschäftsführer Christian von der Becke ab. Agaplesion-Mann Ralph von Follenius und Claus Eppmann, damals Geschäftsführer des Krankenhauses Bethel, werden „trägerübergreifend aufgabenfeldbezogen“ tätig.
Im März 2013 schließlich erteilt der Landkreis Schaumburg die Baugenehmigung. Gegen das Planfeststellungsverfahren reicht der Verein „Landschaftsschutz Schaumburg“ Klage beim Verwaltungsgericht Hannover ein. Ende des Jahres gibt Follenius, der als harter Sanierer gilt, seine Stelle auf.
Im August 2014 dann der nächste Paukenschlag: Claus Eppmann, bislang Geschäftsführer der KPG, scheidet aus. Sein Nachfolger wird. Dr. Achim Rogge. Auch die Chefarztposten an den drei bisherigen Standorten in Stadthagen, Bückeburg und Rinteln werden im Frühjahr 2014 neu besetzt.

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