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Einrichtungen befürchten soziales „Desaster“

Landkreis / SPD Einrichtungen befürchten soziales „Desaster“

Die Aussichten für Einrichtungen zur Eingliederung von Langzeitarbeitslosen in den Arbeitsmarkt sind düster. Sollten die Gesetzesüberlegungen, die weitere Kürzungen der finanziellen Mittel vorsehen, in 2012 in Kraft treten, sehen sich viele Einrichtungen in Schaumburg nicht mehr in der Lage, die Qualifizierungsarbeit in der bisherigen Form zu leisten. Entlassungen wurden bereits ausgesprochen.

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„Projekt Vornhagen“: Durch praktische Arbeiten in der Gärtnerei sollen Jugendliche Schlüsselfähigkeiten erlernen. © rg

Landkreis (kil). Deutlich wurde diese Problematik am Mittwoch bei einer Diskussion in der Jugendwerkstatt Hülshagen. Die SPD hatte dazu die betroffenen Einrichtungen und weitere Akteure eingeladen. Hintergrund der Problematik bilden neue Gesetze, die nach Auskunft von Bernd Dittmer, stellvertretender Leiter des Job-Centers, zu scharfen Veränderungen in 2012 führen könnten: Zum einen soll das Budget für Eingliederungsmaßnahmen um nochmals zehn Prozent gekürzt werden. Damit stünden für Eingliederungsmaßnahmen noch etwa sieben Millionen Euro zur Verfügung.

Zum anderen hätte die Instrumentenreform drastische Folgen: Demnach würde die Maßnahmepauschale pro Teilnehmer von 400 auf 30 Euro – in Ausnahmefällen bis 150 Euro – schrumpfen.

„Die Qualität der Qualifizierung wäre damit nicht mehr zu leisten“, kritisierte Karsten Becker, SPD-Fraktionsvorsitzender. Die Änderungen hätten „dramatische Verschlechterungen“ der Perspektiven von den Menschen zur Folge, die sowieso schon die größte Arbeitsmarkt-Ferne aufwiesen.

Evelyn Zumbrägel, Leiterin der Jugendwerkstatt Hülshagen, erzählte: „Bis zum 31. Dezember 2010 haben die Jugendlichen in ganz normalen sozialpflichtigen Jobs gearbeitet.“ Seit 2011 seien die Stellen in Ein-Euro-Jobs umgewandelt worden. „Unter diesen Rahmenbedingungen ist es schwer, den Jugendlichen zu vermitteln, dass wir hier qualifizieren.“ Der soziale Wert der Arbeitsstelle sei verloren. Die Folgen: Die Motivation sei gesunken, sieben Plätze unbesetzt und die Fehlzeitenquote von 35 auf 80 Prozent gestiegen.

Stark betroffen ist auch die Schaumburger Initiative gegen Arbeitslosigkeit (Siga). Geschäftsführer Rudolf Krewer rechnet damit, dass am Ende des Jahres für die meisten Projekte der Siga „die Lichter ausgehen.“ Aufgrund der finanziellen Not sei den Festangestellten zum Jahresende gekündigt worden.

Rainer Zumbrägel, Leiter der Schaumburger Beschäftigungs-Gesellschaft, sprach von einem „Desaster, das sich vor uns aufbaut“, und einem „Kahlschlag in der sozialen Landschaft“. 23 Mitarbeiter verlören ihren Job, wenn man sie nicht noch bei anderen Trägern unterbringen könne.

Mit ähnlichen Problemen hat die Volkshochschule Schaumburg zu kämpfen. Geschäftsführerin Undine Rosenwald-Metz zufolge besteht wenig Hoffnung, dass die Arbeitsgelegenheiten (Agh) unter den drohenden Gegebenheiten in 2012 überleben könnten.

Heidemarie Hanauske, Geschäftsführerin des Awo-Kreisverbands, fürchtet um das „Projekt Vornhagen“. Die Zielgruppe der Eingliederungsmaßnahmen bedürfe einer speziellen Vermittlung von Schlüsselqualifikationen – „Mit einer Maßnahmenpauschale von 30 Euro ist das nicht möglich“, stellte sie heraus.
Was die Zukunft bringt, darüber herrscht Unklarheit. Fest steht für die Betroffenen aber, dass sie sich konzeptionell auf Veränderungen einstellen müssen, um langfristig bestehen zu können.

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