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„Einsparpotenziale heben, Arbeitspakete definieren“

Landkreis / Fusion „Einsparpotenziale heben, Arbeitspakete definieren“

Im August haben „Agaplesion“ und „pro Diako“ sich zur Fusion entschlossen. Im Klartext: Ein starker Großer („Agaplesion“) nimmt einen schwachen Kleinen („pro Diako“) unter den Rettungsschirm. Jetzt müssen die beiden Gesundheitskonzerne daran gehen, den Fusionsvertrag mit Leben zu füllen. Das wird schwierig und anstrengend.

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Landkreis (ab). „pro Diako“ (60 Prozent) will zusammen mit der Stiftung Krankenhaus Bethel (30 Prozent) und dem Landkreis Schaumburg (zehn Prozent) bis 2015 in Vehlen das Gesamtklinikum Schaumburger Land bauen. Als deutlich wurde, dass sich „pro Diako“ aus Rotenburg (Wümme) wirtschaftlich verhoben hatte, suchte das Unternehmen einen starken Partner – und fand ihn in Frankfurt am Main, wo „Agaplesion“ sitzt.

Bei „pro Diako“ handelt es sich um eine gemeinnützige GmbH. „Gemeinnützig“ bedeutet, dass Gewinne nicht an Teilhaber ausgeschüttet, sondern in den Betrieb gesteckt werden. Auch „Agaplesion“ ist gemeinnützig, schüttet also Gewinne nicht als Dividenden aus, sondern reinvestiert sie in das Unternehmen. Der Konzern aus Frankfurt am Main ist als Aktiengesellschaft aufgestellt, die allerdings nicht an der Börse notiert ist.

Wie lief die Fusion von „Agaplesion“ und „pro Diako“ ab? „Agaplesion“ übernahm 60 Prozent an „pro Diako“, „pro Diako“ bekam im Gegenzug Aktien von „Agaplesion“. Der Löwenanteil der 60 Prozent, die nach Frankfurt gingen, kommen von dem Rotenburger Mutterhaus, das mit 52 Prozent an „pro Diako“ beteiligt war. Wie wurde nun aber festgelegt, wie viele Aktien „pro Diako“ von „Agaplesion“ bekommen hat? Auskünfte über den Wert der Aktien, die „pro Diako“ im Gegenzug bekam, gibt es nicht, grundsätzlich sind zwei Faktoren entscheidend: zum einen die Gewinnerwartung aus dem operativen Geschäft von „pro Diako“, zum anderen der Wert der unbeweglichen Güter (wie zum Beispiel der Immobilien). Vor allem der erste Punkt erlaubt die Vermutung: Allzu teuer dürfte „Agaplesion“ die „pro Diako“ nicht geschossen haben. Nicht zuletzt spült die Fusion „Agaplesion“ mit dem Gesamtklinikum Schaumburger Land ein Projekt ins Haus, dessen Bausumme von 130 Millionen Euro mit 95 Millionen Euro vom Land Niedersachsen bezuschusst wird. Letztlich also: vom Steuerzahler.

In dieser Woche stellte sich das Management von „Agaplesion“ den Beschäftigten der Krankenhäuser in Stadthagen, Rinteln und Bückeburg vor. Die Häuser sollen bis 2015 durch das Gesamtklinikum Schaumburger Land ersetzt werden. Stadthagen und Rinteln wurden vom Landkreis Schaumburg betrieben, Bückeburg von der Diakonie. Inzwischen liegt die Geschäftsführung über die Häuser bei der Krankenhausprojektgesellschaft, die den Bau des Gesamtklinikums vorbereitet. Die Gesamtklinikums-Macher müssen eine überaus verzwickte Fusion umsetzen. Der Prozess ähnelt Rubiks „Zauberwürfel“. Die Farben müssen nicht nur in der Senkrechten zusammenpassen, sondern auch in der Waagerechten.

Die Senkrechte: „Agaplesion“ muss die taumelnde „pro Diako“ professionalisieren und integrieren. Einfach ist das nicht. „Agaplesion“ ist ein junger, schnell gewachsener Mitspieler auf dem Markt der Gesundheitswirtschaft. Die Fusion mit „pro Diako“ pumpt den Jahresumsatz um ein Drittel auf. Dieses Wachstum will verarbeitet sein. „Agaplesions“ Grundsatz, sich an Unternehmen zu beteiligen anstatt sie zu kaufen, klingt nach „freundlicher Übernahme“. Gerhard Hallenberger, der im „Agaplesion“-Vorstand sitzt, spricht in diesem Zusammenhang von „integrativen Managementstrukturen“. Die Frage ist: Sind die Probleme im Projekt Gesamtklinikum Schaumburger Land mit Freundlichkeit zu lösen?

Die Waagerechte: Die Kommunal-Krankenhäuser in Stadthagen und Rinteln müssen mit dem Diakonie-Krankenhaus in Bückeburg verschmolzen werden. Dabei geht es zunächst um simple Dinge wie Elektronische Datenverarbeitung und Patientenakten. Das eigentliche Problem umschreiben die Manager gern mit dem Begriff der „unterschiedlichen Kulturen“, die „harmonisiert“ werden müssten.

 4 Beispiel „Dritter Weg“: In Stadthagen und Rinteln gilt der Tarifvertrag des Öffentlichen Dienstes, den die Dienstleistungsgesellschaft ver.di mitaushandelt. In Bückeburg gilt der sogenannte „Dritte Weg“, wie er vielerorts in der Diakonie beschritten wird. Dort verhandeln „Arbeitsrechtliche Kommissionen“ über Entlohnung und Arbeitsbedingungen. Gewerkschaften bleiben außen vor, Streiks erlaubt der „Dritte Weg“ nicht. (Um das Modell wird seit Langem vor Gericht gestritten.)

 4 Beispiel VBL: Steht für „Versorgungsanstalt des Bundes und der Länder“. Darum geht’s: Was wird aus den Zusatzrenten derjenigen, die heute als Angestellte im Öffentlichen Dienst in den Krankenhäusern Stadthagen und Rinteln arbeiten, wenn sie in ein Gesamtklinikum wechseln, das nach den Regeln der Diakonie betrieben wird?

Nebenbei muss die Krankenhausprojektgesellschaft dringend die Defizite in den Krankenhäusern Stadthagen, Rinteln und Bückeburg verringern. Vor allem in Rinteln, aber auch in Stadthagen tut sich das Management damit schwer. Bettina Geißler-Nielsen, die bei „Agaplesion“ das Integrationsmanagement leitet (siehe Porträt unten im Kasten), umreißt die Lage so: „Um Liquidität sicherzustellen, müssen wir Einsparpotenziale heben und Arbeitspakete definieren.“

Man muss kein Prophet sein, um vorauszusagen: Die künftigen Betreiber des Gesamtklinikums Schaumburger Land werden im kommenden Jahr noch viel am „Zauberwürfel“ drehen müssen. „Agaplesion“-Vorstand Gerhard Hallenberger macht klar, dass die Großwetterlage für deutsche Krankenhäuser nicht freundlicher wird: „Das kommende Jahr dürften 50 bis 60 Prozent der Häuser mit einer Unterdeckung abschließen.“

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