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Einst Bäcker, jetzt Rebell

MLPD stellt sich auf Einst Bäcker, jetzt Rebell

Hinter den vier Buchstaben MLPD verbirgt sich die Marxistisch-Leninistische Partei Deutschlands. Wie viele andere Mini-Parteien tritt sie am 24. September zur Bundestagswahl an. Einer ihrer Kandidaten stammt aus Rinteln: Kay Langemeier.

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Kay Langemeier hängt ein Plakat seiner Partei MLPD auf.

Quelle: PR.

RINTELN/GÖTTINGEN. Der jugendlich wirkende Mann mit der angenehm ruhigen Stimme ist 40 Jahre alt, arbeitet als wissenschaftlicher Mitarbeiter an der Universität Göttingen und in Teilzeit als Lehrer an einer Berufsschule. Einen Großteil seiner Freizeit widmet er der Parteiarbeit.

Dass er keine Chance hat, für die MLPD in den Bundestag einzuziehen, weiß er. Aber es macht dem überzeugten Kommunisten nichts aus. Dass seine Partei vom Niedersächsischen Verfassungsschutz beobachtet wird, sollte ihn schon mehr interessieren. Die MLPD kämpft nicht allein an der roten Front. Sie bildet gemeinsam mit verschiedenen anderen Organisationen von Kurden, Palästinensern und Sozialisten die Internationalistische Liste. Auch die PFLP, die Volksfront zur Befreiung Palästinas, soll laut Berliner Morgenpost vertreten sein. Die MLPD selbst spricht lediglich von „Sympathisanten“ der PFLP.

Für Freiheit und das Recht auf Selbstbestimmung

Pikant: Die PFLP ist eine von 21 Organisationen, die auf der Terrorliste der EU stehen. In Deutschland ist die Organisation nicht verboten. Wir erinnern uns: Der PFLP wird die Entführung des Passagierflugzeugs „Landshut“ im Oktober 1977 zugeschrieben, ebenso eine tödliche Attacke in der Altstadt von Jerusalem am 16. Juni 2017. Der Kandidat Kay Langemeier sagt dazu, er kenne sich damit nicht so gut aus. Es komme im Übrigen ja auch darauf an, was man unter Terrorismus verstehe. „Die PFLP ist deswegen im Bündnis, weil sie für die Freiheit und das Recht auf Selbstbestimmung der Palästinenser und Kurden eintritt“, erklärt der gebürtige Rintelner.

Das auch die MLPD selbst vom Verfassungsschutz beobachtet und als linksextremistisch eingestuft wird, stört Langemeier nicht. Ihm geht es um die Sache. Er kämpft gegen "die da oben", will "denen da unten" zu mehr Gerechtigkeit verhelfen. Er will erreichen, dass sich die Menschen mehr selbst organisieren. Er träumt von Revolution und Widerstand. Dann fällt Langemeier doch noch etwas zum Thema Terrorismus ein: Zwei Mitstreiter seien jüngst in München festgenommen worden. Ihnen werde vorgeworfen, so der überzeugte Schaumburger Marxist und Leninist, die kurdische Terrororganisation PKK zu unterstützen.

Kleine Bäckerei musste schließen

Und was Langemeier betrifft: Er wurde am 4. August 1977 in Rinteln geboren. Von 1993 bis 1996 machte er eine Ausbildung zum Brauer. 1996 begann er in Uchtdorf eine Ausbildung zum Bäcker, die er 1999 abschloss. Die kleine Bäckerei habe dem großen Konkurrenzdruck auf Dauer nicht standhalten können, hätte schließen müssen. Er wurde arbeitslos. Im Jahr 2002 legte er in Bielefeld sein Abitur ab, ehe er ein Mathematik-Studium in Hannover begann.

Langemeier würde gern im Bundestag sitzen. Ihm ist aber klar, dass daraus nichts wird. „Da mache ich mir keine Illusionen“, sagt Langemeier. Ihm gehe es vordergründig darum, die Partei bekannt zu machen und für deren Ziele zu werben, erklärt er. Während seines Studiums hat der Rintelner die MLPD kennengelernt. „Die Themen haben mich angesprochen. Mich trieb schon damals die Frage um, welche Mittel man aufbringen muss, um den Kapitalismus zu Fall zu bringen. Bei dieser Partei habe ich mich wiedergefunden.“

Langemeier ist ein Überzeugter, einer, der für die Themen der Partei brennt, der reden kann wie ein Wasserfall, der Veränderung will. Man nimmt ihm ab, das er für das kämpft , was auf einem Wahlplakat der MLPD steht: „Werde Teil der Rebellion.“ leo

Verfassungsschutz beobachtet MLPD

Unsere Redaktion hat die Verfassungsschützer um deren Einschätzung gebeten. Die Antwort lässt darauf schließen, dass der Nachrichtendienst die MLPD als relativ unbedeutend einstuft: „Im Bereich des parteigebundenen Linksextremismus nimmt die politische Bedeutung der orthodox marxistisch-leninistisch ausgerichteten Parteien und somit auch der MLPD weiter ab. Neben kontinuierlich schwachen Wahlergebnissen von deutlich unter einem Prozent – bei den niedersächsischen Kommunalwahlen 2016 ist die MLPD gar nicht erst angetreten – leidet die MLPD unter einer massiven Überalterung ihrer Mitglieder. Vor diesem Hintergrund muss konstatiert werden, dass die MLPD in der niedersächsischen Öffentlichkeit kaum wahrnehmbar ist und sie für die Beurteilung des linksextremistischen Gesamtpotenzials auch künftig nur eine untergeordnete Rolle spielen wird.“ leo

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