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Entwicklung im Zeitraffer

Minderjährige Flüchtlinge in Schaumburg Entwicklung im Zeitraffer

Kreisweit gibt es aktuell 134 unbegleiteten minderjährigen Ausländer (UMA). Das sind junge Flüchtlinge im Alter zwischen acht und 17 Jahren, die ohne ihre Eltern oder andere volljährige Verwandte nach zumeist traumatischen Fluchterfahrungen nach Schaumburg gelangt sind.

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Symbolbild

Quelle: dpa

LANDKREIS. Sie lernen Deutsch, versuchen sich im Schulleben zurechtzufinden und in den Alltag zu integrieren. 95 Prozent der hiesigen betroffenen Jugendlichen sind männlich, wie Silke Lücking vom Ende 2015 neu gebildeten Fachdienst UMA des Kreisjugendamtes berichtet. Syrien, Irak und Afghanistan sind mit Abstand die häufigsten Herkunftsländer. Der Großteil dieser Flüchtlinge ist zwischen 15 und 17 Jahre alt. Die allermeisten sind vor ein- bis eineinhalb Jahren hier eingetroffen, zuletzt waren es nur noch wenige.

Im Herbst 2015 sei es vor allem darum gegangen, sehr schnell ausreichend Unterkünfte zu schaffen, erinnert sich Hans-Ulrich Born, Leiter des Jugendamtes. Erfahrungen im Umgang mit einer solchen Situation habe es damals noch nicht gegeben. Aufgrund „unserer guten Vernetzung mit den Heimen und der großen Hilfsbereitschaft in der Bevölkerung“, so Kreisjugend-Dezernentin Katharina Augath, sei die Situation gut bewältigt worden.

Heute leben 16 der jungen Flüchtlinge in Gastfamilien. 69 sind entweder in Wohnheimen mit ganztägiger sozialpädagogischer Betreuung oder in eher selbstständigen Wohngruppen mit partieller Begleitung untergebracht. Weitere 40 leben mittlerweile bei volljährigen Verwandten im Landkreis, allerdings nicht bei den Eltern. Und nicht zuletzt haben sieben der Jugendlichen inzwischen eigene Wohnungen.

Traumatische Erlebnisse

Neben den oft traumatischen Erlebnissen in den Heimatländern und auf der Flucht komme nach Schilderung von Born für die jungen Leute „die große Unsicherheit, wie es mit ihnen hier weiter geht“, hinzu. Bei Bedarf kümmern sich nach den Worten von Lücking Sozialpädagogen, die Fortbildungen zum Thema Trauma-Folgen durchlaufen haben, um Betroffene. Auch die Vermittlung von Gesprächen mit Psychotherapeuten habe das Jugendamt im Angebot.

Grundsätzlich wird nach Schilderung von Lücking jeder der Jugendlichen vom Fachdienst, der über vier Mitarbeiter verfügt, eng begleitet. Dazu dienen in regelmäßigen Abständen sogenannte Hilfeplan-Gespräche. An diesen sind neben dem jungen Flüchtling in der Regel die Gasteltern oder ein Mitarbeiter des Heims, bei Bedarf auch ein Lehrer der betreffenden Schule oder Vertreter anderer Einrichtungen beteiligt. „Hier wird der Stand der Entwicklung so detailliert wie möglich analysiert und der Bedarf an Unterstützung festgestellt für passgenaue Hilfen“, stellt Lücking dar.

Mit Blick auf die schulische Entwicklung sei bei den meisten jungen Menschen „ein großer Bildungshunger“ festzustellen, berichtet Augath: „Vor allem lernen sie sehr eifrig Deutsch.“ Derzeit wechseln fast alle minderjährigen Flüchtlinge von Sprachlernklassen in den Regelbetrieb der Schulen. Etliche besuchen die Berufsschule, einige absolvieren bereits Praktika in Betrieben.

Angesichts der ungemein schwierigen Lebensumstände handele es sich für jeden Einzelnen der Betroffenen um eine ungeheuere Herausforderung, meint Augath. Expertin Lücking formuliert das so: „Diese jungen Menschen machen eine Entwicklung im Zeitraffer durch.“  ssr

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