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Erpresserin will Tochter rächen

Stadthagen/Landkreis / Urteil gefallen Erpresserin will Tochter rächen

Im Prozess gegen eine 47-Jährige, die einen süddeutschen Anwalt um rund 67 000 Euro erpresst haben soll, hat das Amtsgericht in Stadthagen gestern eine Freiheitsstrafe von zwei Jahren verhängt, ausgesetzt zur Bewährung. Zwischen dem Juristen und der damals 16 Jahre alten Tochter der Schaumburgerin war es am Steinhuder Meer zum Sex gekommen.

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Quelle: pr.

Das Verfahren gegen die junge Frau hat Richter Kai Oliver Stumpe gegen eine Auflage von 50 Stunden gemeinnütziger Arbeit vorläufig eingestellt. Sie ist offenbar von ihrer Mutter in die Sache reingezogen worden und leistete lediglich eine Unterschrift.Ein verheirateter Mann (47) hat Sex mit einer 16-Jährigen. „Moralisch kann man über dieses Verhalten den Stab brechen“, sagt Stumpe. „Aber das ist nicht Aufgabe des Gerichts.“ Strafbar habe sich der Anwalt nicht gemacht. Dazu hätte er entweder eine Zwangslage ausnutzen oder der Schülerin Geld anbieten müssen. Für beides gibt es jedoch keine Hinweise. Kennengelernt hatte sich das Paar im Internet, 2009 kam es zu drei Treffen, eins davon in Steinhude.

Gegen die Mutter fährt Staatsanwalt Wilfried Stahlhut schweres Geschütz auf. „Ihre Taten zeugen von eiskalter Raffinesse, erschreckender Skrupellosigkeit und erheblicher krimineller Energie“, fasst er zusammen. Nachdem die Mutter von dem Schäferstündchen Wind bekommen hatte, witterte sie eine Geldquelle. Vielleicht aus Furcht vor Entdeckung, vielleicht auch aus Angst, das Mädchen könne seelisch Schaden genommen haben, zahlte der Advokat zum Beispiel für einen Treppenlift, den Umbau des Autos sowie eine Delphin-Therapie, unterm Strich etwa 67 000 Euro. „Als findiger Rechtsanwalt“, so Richter Stumpe, setzte er in einem Fall sogar einen Vergleichsvertrag über fast 57 000 Euro auf. Finanziell stieß der Jurist an Grenzen, er musste Rücklagen auflösen. „Auch die Ressourcen eines erfolgreichen Anwalts sind einmal erschöpft“, erklärt Stumpe.

Doch die Gier der Mutter wurde immer größer. Als sie bei der dritten Erpressung bis zu 150 000 Euro verlangte, mit Anwaltskammer und Staatsanwaltschaft drohte, war das Maß voll. Der Anwalt ging zum Anwalt. Wohin das Geld geflossen ist, bleibt teilweise offen, nicht jedoch in Treppenlifte oder Delphin-Therapien. Fest steht, dass die Mutter Behandlungen ihrer Tochter bezahlt hat, die seit dem neunten Lebensjahr krank ist. Dennoch stuft das Gericht die Taten als „im höchsten Maße verwerflich“ ein. Die Mutter habe instrumentalisiert, was der Tochter passiert sei. „Sie ging davon aus, dass die Tochter moralisches Unrecht erlitten hat, schoss aber weit übers Ziel hinaus.“ Verteidiger Lars Hinners könnte sich vorstellen, dass beim Sex im Auto mehr passiert ist als das, was der Anwalt zugibt. „Er hatte ein schlechtes Gewissen“, glaubt Hinners. Hier werde versucht, den Saulus zum Paulus zu machen. „Und die Mutter wird als Persona non grata hingestellt.“ Zugunsten der Angeklagten wertete das Gericht, dass diese nicht vorbestraft sei und die Taten für ihre Tochter begangen habe, nicht für sich.

Gegen das Urteil ist noch Berufung möglich. Zu den Auflagen gehört eine Geldbuße von 1000 Euro.  ly

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