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Aus dem Landkreis Erste Aufnahme-Stopps
Schaumburg Landkreis Aus dem Landkreis Erste Aufnahme-Stopps
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18:40 07.06.2018
Landkreis

„Wir haben vor einer Woche einen Aufnahmestopp verhängt“, sagt Cornelia Frischleder, Pflegedienstleitung vom Rosenblatt Ambulanter Pflegedienst. Grund sei auch hier der Fachkräftemangel. „Allerdings machen uns nicht nur die fehlenden Fachkräfte zu schaffen. Auch die Pflegehelferinnen fehlen.“
Es gebe kaum Bewerbungen und wenn, handle es sich um Quereinsteiger ohne fundierte Ausbildung. „Gerade in der ambulanten Pflege ist das jedoch nicht denkbar“, so Frischleder. Da sei jeder Mitarbeiter auf sich allein gestellt. Den Mitarbeitern müsse sie zu hundert Prozent vertrauen können.

Erstaunt bis verärgert

Anfragen nicht stattgeben zu können, sei natürlich unbefriedigend. Die Reaktionen reichen von erstaunt bis verärgert. „Letztendlich wollen wir eine hoch qualifizierte Pflege leisten“, sagt die Pflegedienstleitung. Da dürfe die Zahl der Mitarbeiter und Patienten nicht zu weit auseinanderklaffen.
Die Bemühungen, neue Mitarbeiter zu gewinnen, seien ernüchternd. „Wir machen auf unseren Autos darauf aufmerksam, auf der Internetseite, sind in Kontakt mit dem Arbeitsamt.“ Aber es gebe schlicht keine Bewerber. Die Erfahrung hat auch Jörg Bodenberger gemacht. Der Einrichtungsleiter des Curanum in Bad Nenndorf inseriert Stellenanzeigen in den Zeitungen – ohne Erfolg. In der ambulanten Pflege möchte kaum jemand arbeiten. Das sei auch kein Wunder. „Man muss den Pflegekräften mehr Geld zahlen.“ Sonst sei es laut Bodenberger verständlich, dass die Menschen sich einen Job suchen, in dem sie weniger Verantwortung, bessere Arbeitszeiten haben – und vor allem ein besseres Gehalt. Um dem Mangel an Arbeitskräften entgegenzuwirken, stelle er natürlich auch ausländische Mitarbeiter ein. Gerade im ambulanten Bereich müsse die deutsche Sprache jedoch gesprochen werden können.

Neben der Pflegeleistung hätten auch die hauswirtschaftlichen Entlastungsleistungen zugenommen, hat Helgrit Kölling, Pflegedienstleitung der DRK Sozialstation Schaumburg, festgestellt. Das neue Pflegestärkungsgesetz sieht für Pflegebedürftige aller Pflegegrade einen Zuschuss von 125 Euro vor. Dazu gehöre etwa die Reinigung des Bads. „Das nehmen viele in Anspruch und melden sich bei uns.“
Auch die Mitarbeiter des Senioren- und Pflegestützpunkts des Landkreises haben regelmäßig Kontakt zu Angehörigen, die eine ambulante Pflege suchen und nicht fündig werden. Außer neue Kontakte zu vermitteln, könnten sie derzeit aber auch nicht viel machen, sagt Claudia Kuhlmann, verwaltungsrechtliche Leiterin des Pflegestützpunkts.