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„Es geht um Sicherheit“

AWS Schaumburg „Es geht um Sicherheit“

Tödliche Unfälle beim Rückwärtsfahren haben Abfallwirtschaftsunternehmen im Oktober 2016 aufhorchen lassen. Passiert sind die Unglücke in engen Gassen.

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Sackgassen oder enge Straßen, wie hier am Amselweg, machen das Rangieren für Müllfahrzeuge schwer.

Quelle: mak

LANDKREIS. Folge: Eine bundesweite Richtlinie, der gemäß Müllwagen nach Möglichkeit nicht mehr rückwärts fahren dürfen. Auch die Abfallwirtschaftsgesellschaft (AWS) Schaumburg ist davon betroffen. Aktuell arbeitet das Unternehmen ein landkreisweites Kataster mit allen Straßen des Landkreises ab, die von der Problematik betroffen sind.

„Die Sicherheit von Mitarbeitern und Anwohnern steht dabei für uns an erster Stelle“, sagen Susanne Rintelen, Leiterin im Bereich Öffentlichkeitsarbeit. Jörg Groß, Geschäftsbereichsleiter Vertrieb und Logistik, stimmt ihr zu.

Unübersichtliche Straßen aufgelistet

Im November vergangenen Jahres erfasste ein Müllwagen beim Zurücksetzen einen Rentner. Der 81-Jährige starb. „So einen Vorfall gab es hier glücklicherweise noch nicht“, sagt Rintelen. Sie erinnert sich lediglich an einen Unfall, bei dem ein Müllwagenfahrer aufgrund des Toten Winkels jemanden übersehen hat. Wer mit einem Pkw unterwegs ist, sagt Groß, könne sich nicht vorstellen, wie wenig ein Müllwagenfahrer beim Rangieren seines Fahrzeuges tatsächlich sieht.

Betroffen sind alle Straßen und Gassen, die nur in eine Richtung befahren werden dürfen, nicht über einen Wendekreis verfügen oder zum sicheren Rangieren beim Rückwärtsfahren schlicht zu eng sind. „Unsere Mitarbeiter haben im ersten Schritt alle Straßen notiert, die ihrer Meinung nach auf die Liste gehören“, sagt Groß. Diese Liste wurde anschließend durch die AWS überprüft – „wir haben beispielsweise kontrolliert, ob es sich tatsächlich um Sackgassen oder Einbahnstraßen handelt“, erklärt Groß.

Stadthagen noch in der Prüfphase

Das dabei entstandene Kataster soll noch bis Herbst 2017 erarbeitet werden. „Wir sind auf einem guten Weg, mit Rinteln sind wir bereits komplett fertig“, sagt Groß.

In Stadthagen sind die Mitarbeiter noch in der Prüfphase. Beispielsweise werden die Straßen St. Annen, Mirabilisweg, Sackstraße, Uhlenbruch und Am Mühlenbach kontrolliert, da sie keinen Wendekreis haben. Zur Lösung des Problems hat die AWS laut Rintelen folgende Möglichkeiten: „Entweder wird im Nachhinein ein Wendekreis gebaut oder die Anwohner müssen ihre Tonnen zur Leerung an einem markierten Sammelplatz abstellen.“

Dass das nicht auf Begeisterung stößt, vor allem, wenn es sich um einen recht langen Weg handelt, weiß Rintelen aus Erfahrung. Vor mehr als zehn Jahren verklagten Anwohner der Bad Nenndorfer Straße Doudeville das Unternehmen, weil sie die geplanten Stellplätze für ihr Wohngebiet nicht akzeptieren wollten. „Es war aber nötig, da alle Gassen viel zu eng waren und es sogar zwei Sackgassen gab“, betont Rintelen.

Schutz für die Anwohner im Vordergrund

Rückwärtsfahren sollen die Müllwagenfahrer der AWS nur noch in absoluten Ausnahmefällen, wenn sich die Problematik auf keinem anderen Weg lösen lässt. „Beschwerden von Anwohnern über einen weiteren Weg zum Sammelplatz gehören aber nicht dazu“, so Rintelen. Die Mitarbeiter der AWS sind diesbezüglich bereits alle geschult worden (siehe Kasten), wie die AWS-Vertreter bestätigen.

Rintelen und Groß ist es wichtig zu kommunizieren, dass die Umsetzung dieser Regelung nicht gegen die Anwohner geht. „Verstehen können wir es, wenn die Anwohner sich bei der Einrichtung eines Sammelplatzes umstellen müssen“, sagt Rintelen. Es geht um die Mitarbeiter-Sicherheit ebenso wie um die der Anwohner. „Spielende Kinder können unberechenbar sein“, sagt Rintelen. „Auch sie sollen durch das Vermeiden des Rückwärtsfahrens geschützt werden.“

Generell würden es sich Groß und Rintelen wünschen, dass Kommunen bei der Planung eines Baugebietes die AWS miteinbinden. „Dann können wir den Planern sagen, welche Dinge sie in Sachen Müllabfuhr berücksichtigen müssen“, so Groß. mak

factbox

Rechtliche Grundlagen und Sicherheitseinweisungen

Bei allen Rückwärtsbewegungen eines Müllwagens können Gefahrensituationen mit hohen Risiken für Beschäftigte und Dritte entstehen. Die Deutsche Gesetzliche Unfallversicherung (DGUV) hat aus diesem Grund eine bundesweite Richtlinie erstellt. Dazu zählen:

  •  Sammelfahrten möglichst ohne Rückwärtsfahren organisieren.
  •  Sollte Rückwärtsfahren trotzdem notwendig sein, muss mittels einer Gefährdungsbeurteilung schriftlich festgehalten werden, wie der Müllfahrer die Fahrt gefahrlos durchführen kann.
  •  Gefährliche Situationen beim Rückwärtsfahren können vermieden werden, indem die Fahrt maximal mit Schrittgeschwindigkeit gemacht wird. Beim Rückwärtsfahren muss ausgeschlossen werden, dass andere Personen gefährdet werden. Kann das nicht ausgeschlossen werden, muss sich der Fahrer einweisen lassen. Für das sichere Einweisen gibt es eine Reihe Handsignale, die jeder Müllfahrer beherrschen muss:
  •  „Achtung“ – gestreckter Arm mit Handfläche nach vorn; „Abstandsanzeige“ – Die Handflächen zeigen zueinander; „Halt“ – Arme seitwärts ausstrecken; „dorthin fahren“ – Der Arm wird abwechselnd gestreckt und angewinkelt (dabei entweder der linke oder der rechte Arm); „Herankommen“ – Zu sehen ist der Handrücken; „Entfernen“ – zu sehen ist die Handfläche. Quelle: DGUV
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