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„Es musste gehandelt werden“

Interview „Es musste gehandelt werden“

Nach der Trennung vom Kirchenamtspräsidenten Sebastian Geisler ist die Landeskirche seit dem 1. November auf der Suche nach einem Nachfolger. Die SN-Redakteure Stefan Rothe und Jan Peter Wiborg
haben Landesbischof Karl-Hinrich Manzke und Synodalpräsident Klaus-Dieter Kiefer gefragt, ob die Landeskirche diesen Wechsel nutzt, um für die Leitungsebene teilweise neue Strukturen zu schaffen.

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Landkreis (ssr,jpw). Die Landessynode hat beschlossen, die Amtszeit des Präsidenten zeitlich zu befristen. Inwieweit stellen die Querelen mit dem bisherigen auf Lebenszeit eingestellt gewesenen Amtsinhaber Sebastian Geisler, die erst nach langjährigen Auseinandersetzungen mit seinem Wechsel in die hannoversche Landeskirche aufgelöst werden konnten, den Anlass für diese Neuerung dar?
Kiefer : Man kann da einen Zusammenhang sehen. Die Dienstzeit des Präsidenten wird nach dem heute beschlossenen Gesetz zunächst acht Jahre sein. Er ist dann ein Kirchenbeamter der Landeskirche auf Zeit.
Manzke : Und es gibt die Möglichkeit der Verlängerung der Dienstzeit nach acht Jahren.
Befürworten Sie eine zeitliche Befristung der Dienstzeit des Präsidenten des Landeskirchenamtes und wenn ja aus welchen Gründen?
Kiefer : Die Erfahrung hat gezeigt, dass es sinnvoll ist, die Dienstzeit des Präsidenten zu begrenzen, um nach Ablauf der Befristung die Arbeitsleistung zu beurteilen. Der Landeskirchenrat als Dienstherr des Präsidenten macht der Synode einen Vorschlag, die dann über eine Verlängerung entscheidet.
Manzke : Ganz ohne Einschränkung Ja. Das ist sinnvoll. Und damit sind wir auch im Konzert der Landeskirchen jetzt aktuell und auf Stand. Die lutherischen Kirchen in Deutschland haben alle eine begrenzte Dienstzeit.
Welche weiteren Konsequenzen sollte die Landeskirche aus den Vorgängen um Geisler ziehen?
Kiefer : Wir haben nun die Möglichkeit, die Qualifikation des Präsidenten nach angemessener Zeit zu überprüfen, um gegebenenfalls Entscheidungen zu korrigieren. Ansonsten keine weiteren Konsequenzen.
Manzke : Ich habe bei meinem Dienstbeginn eine sehr schwierige und extrem verfahrene Situation in der Landeskirche vorgefunden. Darüber bin ich im Nachhinein immer noch erschrocken. Immerhin sind wir nun mit großem Kraftaufwand zu einer einvernehmlichen Regelung gekommen.
Das ist auch der Tatsache zu verdanken, dass wir über viele Jahre sehr sorgfältig mit dem Konflikt umgegangen sind; und wir haben uns von außen beraten lassen. Ohne das wäre es sicherlich nicht gelungen, den Konflikt auf diese einvernehmliche Lösung zuzuführen. Es gibt noch eine weitere Konsequenz: wir brauchen allergrösste Sorgfalt bei der Personalauswahl, da ist eine kleine Landeskirche extrem drauf angewiesen.
Hat die Landeskirche durch die langjährige Auseinandersetzung mit Geisler Schaden genommen oder war das zumindest zwischenzeitlich zu befürchten?
Kiefer : Es war ein unheimlicher Kraftaufwand, das muss man schon sagen. Es musste gehandelt werden. Wir sind ein kleines System, wenige Menschen in der Kirchenleitung. Ein unsere Kirche gefährdender Konflikt konnte nur unter Aufbietung aller Kräfte gelöst werden. Ich bin dankbar, dass wird durch den neuen Landesbischof Dr. Manzke und die fachliche Kompetenz von Herrn Weidenmüller (der Stadthäger hat das Amt des Präsidenten im vergangenen Jahr ehrenamtlich übernommen, Anm. d. Red.) und die Bereitschaft aller Betroffenen zu einvernehmlichen Lösung gekommen sind.
Manzke : Es hat uns viel abverlangt. Aber dadurch, dass wir gemerkt haben, man kann einen Konflikt auch durch große Sorgfalt bearbeiten und zu einem einvernehmlichen Ende führen, bleibt in gewisser Weise auch die Erfahrung, dass bei aller Belastung am Schluss auch ein positives Ende gefunden wurde. Herr Geisler, der in keiner Weise Abstriche machen musste, hat eine neue Perspektive und die Landeskirche kann die Stelle neu besetzen.
Welche Qualifikationen muss ein potenzieller Nachfolger mitbringen?
Kiefer : Wichtige Qualifikation ist die Befähigung zum Richteramt, so wie es im Gesetz steht. Wir wünschen uns für die Zukunft einen Nachfolger, der schon kirchenleitende Erfahrungen mitbringt. Es ist mein Wunsch, dass man nicht bei Null anfangen muss, sondern dass man jemanden findet, der das Spektrum der Anforderungen auch schon an anderer Stelle erfüllt hat.
Manzke : Die Beanspruchung für einen Juristen in unserer Landeskirche ist die: Er muss in sehr vielen Einzelfragen Kenntnis haben, und muss zugleich einen weiten Blick haben, also Generalist sein und Spezialwissen mitbringen; und das bedeutet: ausreichend Lebens- und Berufserfahrung sind unbedingt nötig.
Das bedeutet, der derzeitige Berater der Landeskirche, der frühere Stadthäger Bürgermeister Bernd Hellmann, kommt für das Präsidentenamt nicht in Frage, weil er kein Jurist ist?
Kiefer : Das ist eine Frage, die ich überhaupt nicht verstehe, weil wir das immer gebetsmühlenartig wiederholen: Es ist eindeutig so. Da gibt es überhaupt keine andere Linie und auch keine andere Möglichkeit. Das ist ausgeschlossen.
Manzke : Exakt.
Der Landeskirchenrat hat angeregt, dass sich die Synode auch mit der Frage einer zeitlichen Befristung der Dienstzeit des Landebischofs beschäftigen soll. Wäre das ein Novum innerhalb der lutherischen Landeskirchen?
Kiefer : Nein, das ist kein Novum. Es gibt da unterschiedlichste Beispiele in den niedersächsischen Kirchen und auch in den anderen Landeskirchen der EKD.
Manzke : Und es liegt in der Logik, die Befristung der wenigen anderen Leitungsämter auch zu diskutieren. Das haben wir ja von Seiten des Landeskirchenrates der Synode selber vorgeschlagen.
Wie stehen Sie zu einer Befristung der Dienstzeit des Bischofs und welche Gründe führen Sie dafür an?
Kiefer : Ähnliche Gründe wie bei der ersten Frage. Aber es passt auch in die Zeit, dass man wichtige Leitungsämter befristet, um sich auch mal wieder neu orientieren zu können. Man kann nicht grundsätzlich davon ausgehen, dass man auch als Synode immer die richtige Entscheidung fällt. Deshalb ist es gut, Strukturen zu haben, die neue Entscheidungen ermöglichen.
Manzke : Exakt. Dem ist nichts hinzuzufügen.
Wie schätzen Sie die Stimmung innerhalb der Landeskirche ein, eine solche eventuelle Neuerung mitzutragen?
Kiefer : Die Synode ist offen dafür, keine Frage.
Manzke : Wir sind eine lernende Kirche. Und das ist nicht das Schlechteste, was man über eine Kirche sagen kann, dass wir lernen aus Erfahrungen. Es wäre nur folgerichtig, jetzt auch die anderen Leitungsämter mit einzubeziehen.

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