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Essen aus Wunstorf ist vom Tisch

Landkreis / Catering-Unternehmen gerät in Schieflage Essen aus Wunstorf ist vom Tisch

Das Wunstorfer Catering-Unternehmen „Sonnenblume“ ist in Schieflage geraten. Damit ist die Lieferung warmer Mahlzeiten nach Schaumburg für diesen Anbieter erst einmal vom Tisch.

Landkreis (to). Für einige Schulen und Kindertagesstätten im Landkreis allerdings überhaupt nicht. „Wir liefern ab 18. nicht mehr“, kündigt Monika Brüning, Vorsitzende des Wunstorfer Trägervereins „Altenzentrum“, zu dem die „Sonnenblume“ gehört, an. Jetzt müssen die Schaumburger Einrichtungen rasch nach Alternativen suchen. In Mitleidenschaft werden die IGS Schaumburg und die Schule Am Schlosspark in Stadthagen gezogen, ebenso das Schulzentrum in Helpsen, die Schule Am Deister und die Magister-Nothold-Schule, der Haster Hort und der Kindergarten in Hohnhorst. Rund 250 Kinder sind in Schaumburg nach Brünings Angaben davon betroffen.

Gerüchten, die Firma „Sonnenblume“ sei zahlungsunfähig, tritt Brüning entgegen. Die frühere CDU-Bundestagsabgeordnete, die den Wahlkreis Wunstorf in Berlin vertreten hat und in ihrer Fraktion mangels gewählter Abgeordneter auch für Schaumburg zuständig war, ist als ehrenamtliche Vorsitzende des Vereins „Altenzentrum“ damit beschäftigt, Licht ins Dunkel der unterschiedlichen gemeinnützigen GmbHs zu bringen, die unter dem Dach des Vereins „Altenzentrum“ vereinigt sind. „Wir haben die Reissleine gezogen, damit keine Insolvenz entsteht“, erklärt sie. Zwar endeten die Verträge mit den Beziehern erst zum 31. August, die Lieferungen endeten jedoch bereits am 18. dieses Monats. Die Betriebsstätte am Düendorfer Weg in Wunstorf sei geschlossen worden, und noch sei fraglich, wie viele Mitarbeiter in welchem Maße letztlich davon betroffen seien. Verträge über die Lieferung von Mahlzeiten hatte der inzwischen entlassene Altenheim- und „Sonnenblume“-Geschäftsführer Harald Brandes mit Schulen und Kindergärten nicht nur in Wunstorf, sondern auch in Hannover und Schaumburg geschlossen. Nun arbeiteten Vorstand und Unternehmensleitung an einem Sozialplan. Auch die bisherigen Vertragspartner will Brüning nicht einfach hängen lassen. Ein Mitarbeiter versuche, den Schulen und Kindertagesstätten bei der Suche nach Alternativangeboten behilflich zu sein. „Wir geben unser Bestes“, fasst Brüning das Bestreben nach Erhalt von Arbeitsplätzen und Unterstützung der bisherigen Kunden zusammen.

Von der Diakonie zum Firmenkonstrukt
Wunstorf (to). Die Entlassung war ein Paukenschlag. Für Wunstorfer Verhältnisse allemal. Viele Jahre war Harald Brandes Geschäftsführer des Wunstorfer Vereins Altenzentrum, darüber hinaus Jahrzehnte lang dessen treibende Kraft und auch der eigentliche Initiator. Zudem ist er in seiner Heimatstadt Ratsherr, war einige Jahre Vorsitzender der SPD-Ratsfraktion und zeitweilig auch Bürgermeister der Stadt Wunstorf. Am 27. Juli nun hat der ehrenamtliche Vorstand des Altenzentrumsvereins den hauptamtlichen Geschäftsführer Brandes fristlos entlassen.
Was als diakonische Idee begonnen hatte, wurde zu einem offenbar nur schwer zu kontrollierenden Firmenkonstrukt. Den Anfang machte in der zweiten Hälfte der siebziger Jahre Brandes’ Idee, gegenüber dem gerade in Betrieb genommenen St.-Johannes-Gemeindezentrum, wo Brandes als Pastor tätig war, ein Altenheim zu bauen. Das wurde vom 1979 gegründeten Verein Altenzentrum getragen. 1993 wurde Brandes hauptamtlicher Geschäftsführer des Vereins, der inzwischen mehrere Senioreneinrichtungen betreut und unter seinem Dach auch die Wunstorfer Sozialstation führt. Darüber hinaus betreibt der Verein unter der Marke „Sonneblume“ ein Bistro am Burgmannshof in der Wunstorfer Innenstadt und hat eine Großküche am Düendorfer Weg in Wunstorf errichtet.
Beide Catering-Einrichtungen macht der ehrenamtliche Vereinsvorstand unter der Leitung der früheren Bundestagsabgeordneten Monika Brüning für die Schieflage verantwortlich, in die der Verein geraten ist. Dem Vernehmen nach sind auf diesem Geschäftsfeld allein in diesem Jahr bislang rund 650.000 Euro Verlust aufgelaufen. Gesund, heißt es, seien allerdings die Kernbereiche des Vereins – die Altenheime und andere Senioreneinrichtungen. Etwa 30 Schulen in der Region Hannover und im Kreis Schaumburg hat die „Sonnenblume“ bislang mit Mahlzeiten beliefert, dazu kommen noch etliche Kindertagesstätten, heißt es. Damit ist zum 18. August allerdings Schluss. Im Zusammenhang mit dem Catering-Engagement hat Brandes inzwischen eigenes Versagen eingeräumt. Bei der Belieferung von Schulen mit Essen habe er eine unternehmerische Fehlentscheidung getroffen, zitiert ihn die „Leine-Zeitung“.
Aber auch mit dem Ende des Gastro-Abenteuers ist der Verein „Altenzentrum“ finanziell noch nicht aus dem Schneider. Grund dafür ist ein weitere ambitioniertes Projekt: Erwerb und Umbau des Kirchengemeindezentrums St. Johannes in der Wunstorfer Südstadt. Das aus der Mitte der Siebziger stammende Gebäude – ganz im damaligen Zeitgeist mit unglaublich viel Beton errichtet – gilt inzwischen unter energetischen Gesichtspunkten als Katastrophe erster Güte. In einer Mitgliederversammlung des Trägervereins im November 2010 hatte sich Geschäftsführer Brandes gegen seinen Vorstand durchgesetzt, und der Verein hat den Sanierungsfall erworben. Allerdings hat die Hannoversche Volksbank eine Kreditzusage zwischenzeitlich wieder zurückgezogen, was Brandes dem Vorstand jedoch erst mit erheblicher Verzögerung mitgeteilt haben soll. Dies gilt als Grundlage dafür, dem Geschäftsführer von Seiten des Vereinsvorstandes ein zerrüttetes Vertrauensverhältnis vorzuwerfen und den Arbeitsvertrag fristlos kündigen zu können.

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