Volltextsuche über das Angebot:

5 ° / -3 ° Regenschauer

Navigation:
Ex-Steuerberater auf Abwegen

Landkreis / Prozess Ex-Steuerberater auf Abwegen

Manchmal muss Richter Kai Oliver Stumpe gleichzeitig Anwalt spielen. „Aus gerichtlicher Fürsorge“ warnt er an diesem Vormittag einen 51-Jährigen, der ohne Rechtsbeistand zur Verhandlung erschienen ist, dass die Sanktion im Fall eines Schuldspruchs höher ausfallen kann als in jenem Strafbefehl, gegen den der Schaumburger Einspruch eingelegt hat.

Voriger Artikel
Mit Eiswasser gegen ALS
Nächster Artikel
Tiertrainerin für einen Tag

Landkreis. Gut sieht es nicht aus nach der Beweisaufnahme, die Zeichen stehen eher auf schuldig. „Einen Anwalt kann ich mir nicht leisten“, bekennt der frühere Steuerberater vor dem Amtsgericht Stadthagen, hält an seinem Einspruch fest und lässt es drauf ankommen. Das Urteil fällt ernüchternd aus: 2000 Euro Geldstrafe wegen Missbrauchs von Berufsbezeichnungen, in diesem Fall 100 Tagessätze. Damit würde die Strafe im polizeilichen Führungszeugnis auftauchen. Das wäre nicht passiert, wenn der Angeklagte den Strafbefehl akzeptiert hätte. Noch ist jedoch Berufung möglich.

 Nach Überzeugung Stumpes hat sich der 51-Jährige in sechs Fällen als Steuerberater ausgegeben, obwohl die Steuerberaterkammer ihm die Ausübung dieses Berufes untersagt hatte. Viermal schickte er unbefugt Rechnungen an eine Baufirma, zweimal wirkte der Diplom-Betriebswirt an Steuererklärungen mit.

 „Schlicht dickfellig“ nennt Richter Stumpe dieses Gebaren. Der Angeklagte habe es „so lange ausgereizt, bis es nicht mehr ging“. Etwa zehn Monate lang führte dieser die Berufsbezeichnung nach der offiziellen Aberkennung des Titels ungerührt weiter. Aufgeflogen ist der ehemalige Steuerberater unter anderem durch eine Betriebsprüfung bei dem Bauunternehmen, dessen Geschäftsführer offenbar ahnungslos war.

 An ein Versehen glaubt Stumpe nicht. Der Angeklagte („Ich habe das mit Sicherheit nicht vorsätzlich gemacht“) hatte behauptet, vor dem Hintergrund seines eigenen Insolvenzverfahrens lediglich „Leistungen liquidiert“ zu haben. In zwei weiteren Fällen will er „einfach versäumt“ haben, ein Häkchen aus seinem Computerprogramm zu nehmen, sodass im Briefkopf weiterhin der Titel Steuerberater auftauchte.

 „Ich hab’ überhaupt nicht an Straftaten gedacht“, versichert der 51-Jährige. „Ich musste sehen, dass ich über die Runden komme.“ Die Strafe findet er „ein bisschen übertrieben“. Fest steht, dass der Steuerberater auf Abwege geraten ist. Sein Vorstrafenregister weist vier Verurteilungen wegen Verkehrsdelikten auf. Der 51-Jährige steht deshalb sogar unter Bewährung. Einschlägig vorbestraft ist er nicht. Warum der Schaumburger nicht mehr als Steuerberater arbeiten darf, blieb offen.

 Bei Missbrauch von Berufsbezeichnungen können Gerichte bis zu einem Jahr Haft verhängen. Geschützt ist nach dem Strafgesetzbuch eine Reihe von Berufsbezeichnungen, zum Beispiel Arzt, Apotheker, Rechtsanwalt. Gleiches gilt für akademische Grade, außerdem für Amtsbezeichnungen wie Landrat, Bürgermeister und Polizist. Dienen soll das Gesetz dem Schutz der Allgemeinheit vor Menschen, die durch falsche Titel den Anschein besonderer Fähigkeiten und Vertrauenswürdigkeit erwecken. ly

Voriger Artikel
Nächster Artikel

Möchten Sie uns zu diesem Artikel Ihre Meinung sagen? Dann schicken Sie uns einen Leserbrief.

Leserbrief schreiben

Unternehmen quer durch alle Branchen haben sich auch in diesem Jahr wieder an der Aktion der Lions Clubs beteiligt, deren Erlös auch der „Weihnachtshilfe“ der Schaumburger Nachrichten zugute kommt. Hier finden Sie ab dem 1. Dezember die täglich aktuellen Gewinnnummern. mehr

In Ruhe einkaufen, erholsam Urlaub machen, in die Stadtgeschichte eintauchen oder einfach mal in einem der vielen Restaurants und Kneipen die Seele baumeln lassen. Lernen Sie Stadthagen von einer ganz anderen Seite und auf ganz besondere Weise kennen. mehr

Schaumburg