Menü
Schaumburger Nachrichten | Ihre Zeitung aus Schaumburg
Anmelden
Aus dem Landkreis Falsche Stelle?
Schaumburg Landkreis Aus dem Landkreis Falsche Stelle?
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
17:40 04.10.2017
Anzeige
LANDKREIS

Entscheider war die sogenannte Lokale Aktionsgruppe, in der unter anderem Vertreter von Städten und Gemeinden sitzen. Das Gremium winkte die von den Nenndorfern beantragte „Koordinationsstelle Umwelt- und Klimaschutz“, ein 60000-Euro-Job inklusive Arbeitgeber- und Sozialversicherungsanteil, bei zwei Gegenstimmen und acht Enthaltungen durch. Weitere zwei Gegenstimmen und fünf Enthaltungen gab es für das „Familien-/Bildungsbüro Samtgemeinde Nenndorf“, für das eine einjährige Anschubfinanzierung für eine Vollzeitstelle (50000 Euro) und weitere 26000 Euro für die Software „Littlebird“ gezahlt werden sollen.

 In der Mehrzahl stimmten die Bürgermeister anderer Schaumburger Städte und Samtgemeinden dagegen beziehungsweise enthielten sich. Andreas Günther (Samtgemeinde Lindhorst) etwa sagte zu beiden Förderanträgen Nein, will sich aber auf Anfrage nicht zu seinen Beweggründen äußern. Dagegen ergriff bereits in der Sitzung der Stadthäger Bürgermeister Oliver Theiß das Wort. Er kritisierte, der Nenndorfer Amtskollege Mike Schmidt wolle Aufgaben fördern lassen, die alle Kommunen haben, auch wenn es sich um freiwillige Leistungen handelt.

Falsche Richtung

 „Die Anträge sind in Ordnung“, konkretisierte Theiß später gegenüber den SN. „Ich habe nur die Befürchtung, dass sich das Programm so in eine falsche Richtung entwickelt und bald nur noch jeder guckt, welche Stelle er da drin unterbringen kann.“ Den Regeln zufolge können durchaus Jobs mit Leader finanziert werden – solange es sich um freiwillige, zusätzliche Leistungen handelt. Theiß stimmte gegen das Familienbüro und enthielt sich bei der Koordinierungsstelle Umwelt.

 Ähnlich wie Theiß begründet der Rodenberger Samtgemeindebürgermeister Georg Hudalla seine Enthaltung bei den beiden Nenndorfer Anträgen. Zwar habe er in derselben Sitzung „ohne zu zögern“ der Unterstützung hauptamtlicher Stellen für den Hospiz- und Palliativstützpunkt zugestimmt. „Aber es sollte kontrolliert bleiben“, sagt Hudalla. Gehälter und Mitarbeiter sollten nicht zur Regel in Förderanträgen werden.

 Zumindest teilweise äußert der Obernkirchener Verwaltungschef Oliver Schäfer Verständnis für die Nenndorfer Anträge. Mit der wachsenden Stadt Bad Nenndorf stehe Mike Schmidt als Stadtdirektor und Samtgemeindebürgermeister „vor anderen Herausforderungen als viele andere“. Darum hat Schäfer nach eigenen Angaben für das Bildungsbüro gestimmt und sich bei der Umweltstelle enthalten. Auch er sehe aber die Gefahr, „dass die Leute in diesem Bereich zunehmend ihre Personaldinge regeln“.

Reine Anschubfinanzierung

 Das Nenndorfer Verwaltungsoberhaupt Schmidt hält die Bedenken für unbegründet und sieht sich durch das positive Abstimmungsergebnis bestätigt. „Die Leute werden bei Stellenfragen automatisch kritischer, als wenn es um die Sanierung einer alten Brücke geht“, sagt der Samtgemeindebürgermeister. Zudem handele sich in beiden Fällen nur um eine Anschubfinanzierung.

 Dem Antrag zufolge deckt das Bildungsbüro den „erheblichen Informationsbedarf“, der sich in Nenndorf durch ein Zusammenspiel aus Familienzuzügen und einem Ausbau des Betreuungsangebotes für Kinder ergebe. Die Koordinierungsstelle Umwelt soll sich vor allem um den Kurpark kümmern. Dazu heißt es: „Nur mit einer zusätzlichen Personalstelle kann sich die Samtgemeinde umwelt- und klimaschutzorientiert aufstellen und den Erhalt des Kulturerbes sicherstellen.“ jcp

Anzeige