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Aus dem Landkreis Farr: "Ich stehe für pragmatische Arbeit"
Schaumburg Landkreis Aus dem Landkreis Farr: "Ich stehe für pragmatische Arbeit"
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00:20 30.08.2018
Jörg Farr ist einziger Kandidat bei der Schaumburger Landratswahl. Quelle: rg
Landkreis

Als „Schaumburger mit Leib und Seele“ bezeichnet sich der amtierende Landrat Jörg Farr. Geboren und aufgewachsen in Kathrinhagen, wohnt der verheiratete Vater von zwei Söhnen heute in Obernkirchen. Der 55-jährige Verwaltungschef im Kreishaus tritt am 9. September als einziger Kandidat zur Landratswahl an.

Groß geworden ist Farr in einem Tischler-Haushalt. „Ich war als Kind oft in der Werkstatt meines Vaters, noch heute mache ich gerne Holzarbeiten“, erzählt er. Später wechselte sein Vater als Arbeiter zu VW. Seine Mutter war als Verkäuferin im örtlichen Spar-Laden tätig. Farr absolvierte an der Rintelner Hildburg-Schule den Realschulabschluss.

Nach der Ausbildung zum Verwaltungsangestellten bei der Stadt Obernkirchen machte er sein Fachabitur. Im Anschluss an den Grunddienst bei der Bundeswehr stieg Farr bei der Kreisverwaltung ein, absolvierte gleichzeitig ein Fachhochschulstudium, das er als Diplom-Verwaltungswirt abschloss. „Ich habe mir meinen Weg Schritt für Schritt erarbeitet“, blickt Farr zurück.

In jungen Jahren Amtsleiter

In für damalige Verhältnisse jungem Alter, mit 28 Jahren, avancierte Farr zum Leiter des Naturschutzamtes. „Schon da begann meine Arbeit mit der Politik“, erinnert er sich: „Vor großen Gruppen reden, Konzepte entwickeln, argumentieren.“ Bereits damals seien die Grundlagen für seine jetzige Tätigkeit gelegt worden, meint der Landrat.

Im Jahr 2004 wurde Farr die Kreiskämmerei übertragen. „Ich habe den Haushalt nie als Buchhaltung verstanden, sondern immer als Handwerkszeug, Dinge zu gestalten“, hebt er mit Nachdruck in der Stimme hervor. Als Kämmerer hatte er mit sämtlichen Ämtern der Kreisverwaltung zu tun – ebenfalls eine gute Vorbereitung für die spätere Rolle als Verwaltungschef.

Diese nahm er 2010 nach erfolgreicher Direktwahl ein: Der damals noch parteilose Farr setzte sich als Kandidat der SPD mit 60,4 Prozent gegen den CDU-Kandidaten Klaus-Dieter Drewes durch.

„Die meiste Zeit bin ich als Landrat sieben Tage in der Woche unterwegs“, schildert der Amtsinhaber seinen beruflichen Alltag. „Aber ich habe gelernt, schneller zwischen Dienst und knapper Freizeit umzuschalten.“ Letztere ist zuallererst der Familie gewidmet, seiner Frau Kerstin, die als Fachbereichsleiterin in der Obernkirchener Stadtverwaltung tätig ist, und den zwei Söhnen, beides Studenten. Liebstes Hobby ist Tischtennis, Farr spielt in der 1. Kreisklasse. Geht es auf Reisen, war in den vergangenen Jahren mehrfach Andalusien das Ziel, Farr schwärmt von „einer wunderschönen Landschaft und fantastischen alten Städten“.

Amt politisch interpretieren

Nach Pausen in Freizeit und Urlaub taucht Farr jeweils wieder in die Rolle des Landrats ein, die er „auf keinen Fall auf eine reine Verwaltungstätigkeit reduziert“. Im Gegenteil: Er interpretiert das Amt bewusst politisch gestaltend in dem Sinne, dass er sich „als Motor und Ideengeber für Konzepte und Projekte, die den Landkreis weiterbringen“ sieht.

Einige Zeit nach seiner ersten Wahl war Farr der SPD beigetreten. „Das ist für mich eine Frage von Grundlagen und Werten der Sozialdemokratie, denen ich mich verpflichtet fühle.“ Hinzu komme, dass die SPD „gerade in Schaumburg für pragmatische Arbeit steht und das ist auch mein Stil“. Sein Amt als Landrat übe er zudem überparteilich aus, betont Farr, „und das zieht Zurückhaltung in der Parteiarbeit nach sich“.

Wie sieht sein Verhältnis zu den Fraktionen im Kreistag aus? Es sei Tradition in Schaumburg, antwortet Farr, dass zwischen Kreistag und Landrat „sehr offen und sachbezogen und jenseits aller Ideologien gearbeitet wird“. Der Amtsinhaber fügt hinzu: „Diese Kultur pflege ich weiter.“ Das fordere freilich viel Zeiteinsatz ab, eine starke Präsenz etwa in Fraktionssitzungen und Klausurtagungen.

Nach der größten Herausforderung seiner ersten Amtszeit gefragt, nennt Farr „die Bewältigung der ersten Phase der Flüchtlingswelle im Jahr 2015“– vor allem die rasend schnelle Suche nach ausreichend Unterkünften. Das habe zahllosen Mitarbeitern der Verwaltung „alles abgefordert“. Mehr noch: „Das hat uns zeitweise an den Rand gebracht.“ Zu danken sei neben den Mitarbeitern auch den vielen ehrenamtlich Engagierten, setzt der Landrat hinzu.

Wirtschaftsförderung wichtigstes Thema

Die wichtigsten Dauerthemen seiner bisherigen acht Amtsjahre seien die Wirtschaftsförderung („spielt sich viel unbemerkt von der Öffentlichkeit ab“), der Breitband-Ausbau („da sind wir extrem frühzeitig dran“) und die Orientierung der Kreisverwaltung noch stärker als Dienstleister („da machen wir viel über die Pflichtaufgaben hinaus, etwa das Bildungs- und das Klimaschutzbüro“). Als wesentlichste Aufgaben für die kommenden Jahre erachtet der Kandidat eine aktive Wirtschaftsförderung vor allem mit Blick auf den Standort Stadthagen, die Überführung des Breitband-Ausbaus in den Gigabit-Bereich, den Aufbau einer Gesundheitsregion Schaumburg und das Angebot von mehr digitalen Leistungen durch die Kreisverwaltung.

Hätte Farr bei der anstehenden Landratswahl lieber einen oder mehrere Gegenbewerber gehabt anstatt als einziger Kandidat dazustehen? Es sei müßig, diese Frage zu stellen, reagiert Farr. Es habe nun mal kein anderer seinen Hut in den Ring geworfen. Und: „Es ist nicht meine Aufgabe, andere zu motivieren, einen Kandidaten aufzustellen.“ ssr