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Fern der Heimat und doch nicht alleine

Erstes Weihnachtsfest in Schaumburg Fern der Heimat und doch nicht alleine

Gemeinsam um den geschmückten Tannenbaum sitzen, Lieder singen, Geschenke auspacken und sich Braten und Stollen schmecken lassen – Weihnachten ist für viele Menschen ein Familienfest, eine Zeit, in der man innehält und mit Verwandten und Freunden ein paar schöne Stunden genießt. Wenig weihnachtlich hingegen ist es Sabia K. (Namen von der Redaktion geändert), ihrem Mann Mario (36) und ihrem elfjährigen Sohn Thomas zumute.

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Mit einer Mischung aus Englisch und Deutsch gelingt die Verständigung am Kaffeetisch. tbh

Landkreis. Die Flüchtlingsfamilie lebt seit drei Monaten in Schaumburg. Eltern Großeltern, Geschwister, Freunde und – was am schwersten wiegt – ihr ältester Sohn Marcel (17) sind in Georgien geblieben. Und dennoch sind Sabia und Mario auch froh: „Wir sind hier sehr freundlich und warmherzig empfangen worden“, sagt die 33-Jährige. „Die Menschen in Schaumburg sind sehr hilfsbereit.“

 Weihnachten fern der Heimat ist für die Familie aus Georgien dennoch eine schwere Zeit. Thomas vermisst seinen großen Bruder und auch Sabia und ihr Mann leiden sehr unter der Trennung. Die Gedanken kreisen vor allem jetzt um die Lieben, die sie zurücklassen mussten. Ganz auf das Fest verzichten möchten sie aber nicht.

 Familie K. wurde von einem Ehepaar aus dem Landkreis aufgenommen. Der 70-jährige Wilfried B. und seine Frau Herta (67) engagieren sich im sozialen Bereich. So seien sie auch zu dem Entschluss gekommen, Flüchtlinge in ihrem Haus aufzunehmen, nachdem die Tochter Marlene (33) ausgezogen war. „Berührungsängste kennen wir nicht“, betont die Rentnerin. Inzwischen gehören die Georgier sogar fast schon zur Familie.

 Gemeinsam wurde das Haus mit Tannenzweigen, Lichterketten und Kerzen geschmückt. Die Vorbereitungen laufen, auch wenn der Hausherr über die Festtage mit seiner Tochter und ihrem Verlobten im Urlaub ist. Anfang des Jahres besteht nach georgischem Kalender immer noch Grund zu feiern.

 In Georgien beginnt das Weihnachtsfest traditionell nämlich erst am 25. Dezember, dafür wird aber bis zum 7. Januar gefeiert. „Die Feiertage richten sich bei uns nach zwei Kalendern“, erklärt die 33-jährige Georgierin. „Und jeder Tag ist ein Fest“, ergänzt sie wehmütig. Freunde und Verwandte treffen sich an einer üppigen Festtafel, es wird gesungen und getanzt.

 An die deutsche „Zurückhaltung“ musste sich die Familie erst gewöhnen. Wie auch an so manche Spezialität. Sonderbar finden Sabia und Mario zum Beispiel Glühwein. Auf den Geschmack gekommen ist der 36-Jährige dennoch: „Bei uns wäre keiner auf den Gedanken gekommen, Wein warm zu machen, aber es schmeckt ganz gut.“ Zur Freude von Nussliebhaber Wilfried B. besteht das traditionelle georgische Weihnachtsgebäck aus Wallnüssen und Honig. Im Allgemeinen kommen die Backkünste von Sabia bei den Schaumburgern gut an.

 Sprachbarrieren sind ebenfalls keine unüberwindbaren Hürden. „Wir sitzen oft zusammen, beim Frühstück oder zum Kaffeetrinken, und verständigen uns mit einer Mischung aus Englisch und Deutsch, zur Not auch mit Händen und Füßen“, erklärt Herta. Und auch an Weihnachten wird sie mit ihrer erweiterten Familie zusammensitzen und gemeinsam ein paar schöne Stunden genießen.

 Eine Gemeinsamkeit verbindet die Familien sogar: Auch für die 67-jährige Schaumburgerin ist es das erste Weihnachtsfest ohne ihren Mann und ihre Tochter. Alleine muss dennoch keiner bleiben. So unterschiedlich die Kulturen und Traditionen auch sind – gefeiert wird überall. Und nicht nur kulinarisch profitieren die beiden Kulturen voneinander: Herta freut sich über den Familienzuwachs: „Es ist schön, dass sie da sind und wieder Leben im Haus ist.“ tbh

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