Volltextsuche über das Angebot:

12 ° / 9 ° Regenschauer

Navigation:
Fingerspitzengefühl ist gefragt

Landkreis / Schiedsleute in Schaumburg Fingerspitzengefühl ist gefragt

Streit im Mehrfamilienhaus, eine Ohrfeige in der Kneipe, das Laub und Obst aus dem Nachbarsgarten oder die geöffnete Post – es gibt viele Streitigkeiten, bei denen man zur Durchsetzung des eigenen Rechts nicht zur Polizei oder zu einem Anwalt gehen müsste.

Voriger Artikel
Unterschiedliche Charaktere – ein gemeinsamer Traum
Nächster Artikel
Land genehmigt 95 Millionen Euro für das Klinikum

Günther Stahlhut, Schiedsmann in Stadthagen, übt seine ehrenamtliche Tätigkeit bereits seit 14 Jahren aus. Ihm macht seine Aufgabe nach wie vor Spaß.

Quelle: par

Landkreis (par). Doch die meisten Bürger tun dieses und werden dann an Schiedsleute verwiesen, die sich den Problemen annehmen und versuchen, zu schlichten. Oft bringt die Vermittlung durch eine Schiedsperson schon die Lösung in einem Konflikt.

Günther Stahlhut ist seit mittlerweile 14 Jahren als Schiedsmann für den Bezirk Stadthagen tätig und hat in dieser Zeit eine Menge erlebt. „Ich wurde damals von einem Bekannten gefragt, ob ich mir vorstellen könnte, so eine Aufgabe zu übernehmen. Ich wollte für die Allgemeinheit etwas tun“, gibt er rückblickend als Grund an, wie er im Jahr 1997 zu seinem Ehrenamt gekommen ist. 22 Jahre war er als Rechtsanwalts- und Notargehilfe tätig – somit war eine gewisse Affinität schon immer vorhanden.

Wenn jemand die gerichtliche Anweisung erhalten hat, zunächst einen Schiedsmann zu kontaktieren, dann treten in Stadthagen die Antragssteller an Günther Stahlhut oder seinen Stellvertreter heran. „In den meisten Fällen handelt es sich um einen klassischen

Nachbarschaftsstreit. Ich mache mir immer ein Bild vor Ort, bevor wir uns zum Schlichtungstermin in meinem Büro treffen“, erklärt er. Der erfahrene Schiedsmann, der mittlerweile in seiner dritten Amtsperiode aktiv ist, gewährt einen kleinen Einblick in seine Arbeit. „Man muss die Geschichte dahinter rausbekommen. Viele Streitigkeiten unter Nachbarn basieren auf Missverständnissen, die länger zurückliegen“, berichtet er aus seinem Erfahrungsschatz. Auch ein angemessenes Maß an Fingerspitzengefühl sei unverzichtbar.

Mit zwei Schlichtungsfällen musste er sich dieses Jahr auseinandersetzen. Zum Vergleich: 2010 waren es sechs Fälle, 2009 hingegen nur einer und 2008 drei. „Seit dem 1. Januar 2010 gibt es ein obligatorisches Schiedsverfahren bei bestimmten Fällen, bevor geklagt werden darf.“ Von den letzten acht Fällen konnten drei von Stahlhut geschlichtet werden. „Da waren wirklich schwere Fälle dabei“, sagt er schmunzelnd.

Auch die Richter der Amtsgerichte in Schaumburg sind froh, dass ehrenamtlich tätige Schiedsleute sie bei ihrer Arbeit unterstützen und das Bestreben haben, Streitigkeiten zu schlichten, bevor diese in einer Anklageschrift verlesen werden müssen. „Toll, dass sich Personen dafür engagieren“, merkte Gudrun van Lessen, Direktorin des Amtsgerichts Stadthagen, an. Etwa bei leichten Fällen von Körperverletzung, Beleidigung, Verletzung des Briefgeheimnisses, Hausfriedensbruch, Bedrohung oder Sachbeschädigung kommen die Schiedspersonen zum Einsatz. „Es gibt zudem ständig Fortbildungsangebote. Gerade die mediatorischen Fähigkeiten werden geschult“, so van Lessen.

Insgesamt sind dem Stadthäger Amtsgericht sechs Schiedsleute unterstellt. Jede Person bereut eine Gemeinde und verfügt zusätzlich über einen Stellvertreter. Beim Bückeburger Amtsgericht sind es fünf Schiedsleute, in Rinteln drei. Dazu kommen jeweils noch die Stellvertreter.

„Wer Interesse an einem derartigen Posten hat, der bewirbt sich bei seiner Gemeinde. In einer Ratssitzung wird darüber entschieden, wer die Stelle bekommt“, erklärt Bettina Burger, Pressesprecherin der Stadt Stadthagen. Eine Amtsperiode erstreckt sich über fünf Jahre. Ende Februar 2012 ist die Stelle des Stadthäger Schiedsmannes wieder vakant.

Was viele nicht wissen, ist, dass ein Schiedsverfahren gar nicht viel kostet: Ohne erfolgreiche Vereinbarung kostet ein Schlichtungsversuch 15 Euro plus Auslagen, bei einer Vereinbarung kommen auf die Beteiligten Kosten in Höhe von 25 bis 50 Euro zu (exklusive der Auslagen). Unbürokratischer und kostengünstiger als jedes Gerichtsverfahren ist diese Methode allemal.

Voriger Artikel
Nächster Artikel

Möchten Sie uns zu diesem Artikel Ihre Meinung sagen? Dann schicken Sie uns einen Leserbrief.

Leserbrief schreiben

Online suchen, Angebot finden, einkaufen gehen: Das steckt in Kurzform hinter „Kauf hier – lokal & digital“. Eine Auswahl aktueller und preislich besonders attraktiver Produkte finden Interessierte stets auf unserer Homepage... mehr

Schaumburg