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Freie Schule in Wendthagen?

Zweites Treffen Freie Schule in Wendthagen?

Eine Schule zu gründen steht laut Grundgesetz jedem Bürger zu. Doch so einfach wie das klingen mag, ist es nicht. Dies ist bei dem zweiten Treffen von Initiatoren, Unterstützern und Interessierten an einer Freien Schule in Schaumburg deutlich geworden. Vor allem der Finanzplan weist noch Lücken auf.

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An der Freien Schule in Schaumburg sollen Kindern sich ihren Interessen widmen dürfen.

Quelle: dpa

LANDKREIS. Aufgrund von vielen Unbekannten muss  noch mit fiktiven Zahlen gerechnet werden. Dazu gehört etwa der Preis für das Schulgebäude. Muss ein Grundstück gekauft werden, steht dort bereits ein Gebäude oder muss dieses erst errichtet werden? Dahinter stehen noch viele Fragezeichen. Aber das schreckt die beiden Initiatorinnen Franziska Hautau und Karin Gümmer nicht ab. Zumal die beiden schon ein Grundstück in Aussicht haben. Und zwar in Wendthagen, wie von ihnen erträumt am Waldrand. „Allerdings müssen wir erst schauen, ob wir dort bauen dürfen“, schränkt Hautau ein. Dies soll ein Gespräch mit dem Stadthäger Stadtplaner Gerrit Schwalbach klären.

Theiß begrüßt Vielfalt in der Bildung

Die Verwaltung hatte den beiden Frauen während eines Treffens mit Bürgermeister Oliver Theiß Unterstützung zugesagt. „Grundsätzlich sehen wir Vielfalt in der Bildung positiv und begrüßen es, wenn Alternativen zum staatlichen Bildungsangebot vorhanden sind“, erklärt Stadtsprecher Marco Cordes. Das stärke die Wahlmöglichkeiten der Eltern und Familien – „und ist als weicher Standortfaktor sicherlich für die Stadt von Vorteil“. Eine Konkurrenzsituation sehe die Verwaltung „derzeit nicht“.

Der nächste wichtige Schritt auf dem Weg zur Freien Schule ist die Vereinsgründung. „Ohne diese sind wir praktisch handlungsunfähig“, erklärt Hautau. Nur ein Verein könne sich beispielsweise um Kredite bemühen und Spendengelder einwerben. Denn wie offenbar nicht allen bewusst ist – das wurde auf dem Treffen in Helpsen deutlich – müsste sich die Schule die ersten drei Jahre komplett ohne Mittel des Landes finanzieren. Und auch danach wird es nicht wirklich leicht.

Einer Studie des Instituts der deutschen Wirtschaft Köln (IW) zufolge erhalten Schulen in freier Trägerschaft deutlich weniger öffentliche Mittel als staatliche Schulen. Demnach deckten die staatlichen Zuschüsse im Schnitt nur etwa 50 bis 60 Prozent der tatsächlichen Kosten des Privatschulbetriebs.

„Wir wollen keine elitäre Schule gründen“

Der Beitrag, den Eltern leisten müssen, wird sich nach aktuellem Stand in Schaumburg voraussichtlich zwischen 100 bis 500 Euro belaufen – je nach Einkommen. Denn die Schule ist gesetzlich verpflichtet, das „Sonderungsverbot“ einzuhalten. Dieses besagt, dass auch private Schulen allen Schülern offen stehen müssen und kein Kind über die Höhe des Schulgeldes vom Besuch einer solchen Schule ausgeschlossen werden darf. Damit soll verhindert werden, dass Schulen für eine Geldelite entstehen. „Wir wollen keine elitäre Schule gründen“, betont auch Gümmer. Deswegen soll beispielsweise ein Sozialfonds gegründet werden, um etwa Kinder von HartzIV-Empfängern zu unterstützen. Auch ein Förderverein könne angegliedert werden. Private Schulen sind also dauerhaft auf Sponsoren und Spenden angewiesen.

Kredite oder Stiftungszuschüsse möglich

Dabei müssen die freien Schulen in Erziehungs- und Bildungszielen, Ausstattung und Lehrerqualifikation den Standards der öffentlichen Schulen im jeweiligen Bundesland entsprechen. Starten will die Schaumburger Initiative mit der Primaria (Klasse 1 bis 4) und Sekundaria (5 bis 10). Für beide Bereiche müssen jeweils mindestens zwölf Kinder angemeldet sein und zwei Lehrer mit dem zweiten Staatsexamen angestellt werden. „Und wer bezahlt die?“, fragte ein Vater aus der Runde, der sich offenbar nicht vorstellen kann, wie die Schule das alles wuppen soll. Hautau wies auf verschiedene Möglichkeiten hin, etwa Kredite von der GLS-Bank oder Stiftungszuschüsse. Aber für all dies werde eben der Verein benötigt.

Parallel zu diesem Schritt geht die Arbeit an anderer Stelle weiter. Das reformpädagogische Konzept sieht Kinder, Eltern und Lehrer – hier Lernbegleiter genannt – als gleichgestellte Partner an. Diese sollen den Schülern motivierend zur Seite stehen.

Die Sorgen mancher Eltern, dass die Schüler bei so vielen Freiheiten doch lieber nur spielten als zu lernen, versuchte Birgit Schrader zu zerstreuen. Schrader hat vor sieben Jahren selbst die Freie Schule Mittelweser mitgegründet. „Die Regelschulen, die die Prüfungen abnehmen, sind häufig überrascht über die guten Ergebnisse der Prüflinge von Freien Schulen.“

Jedes Kind hat seinen eigenen Entwicklungsrhythmus

Auch Gümmer betont, dass jedes Kind seinen eigenen Entwicklungsrhythmus habe, „nicht jedes Kind muss mit sechs Jahren lesen und mit sieben rechnen können. Hinter den Erwartungen stecken meist Ängste, ‚Aus meinem Kind soll doch mal was werden‘“. Deswegen könne sie nur immer wieder betonen, dass sie niemandem überzeugen wolle, sondern die Eltern hinter dem Konzept stehen müssen.

Über die Aufnahme eines Kindes entscheidet die Elternauswahlgruppe, die die Interessierten zu Hause besucht. Gümmer möchte nicht von „Tauglichkeit“ sprechen. „Es geht darum, ob die Eltern hinter dem Konzept stehen, schließlich müssen sie sich auch einbringen und mit anpacken.“

Kontakt: Franziska Hautau, (0171)6833546, E-Mail: f.hautau@googlemail.com und Karin Gümmer, (0178) 3567254, E-Mail: k.guemmer@gmx.net.  col

Antragsunterlagen

Spätestens bis zum 28. Dezember müssen die Unterlagen für die Schulgründung zur Prüfung bei der Landesschulbehörde eingegangen sein, um im Sommer 2018 eröffnen zu können:

Trägerschaft inklusive Vereinssatzung, Nachweis über die Zahl der Schüler, Schuleinrichtung (Eigentumsnachweis oder Mietvertrag), Benennung des Schulleiters, Arbeitsverträge für Leiter und Lehrkräfte, Pädagogisches Konzept, Finanzierungsplan für mindestens die ersten drei Jahre.

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