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Für Neuneinhalb Jahre hinter Gittern

Sexuelle Nötigung Für Neuneinhalb Jahre hinter Gittern

Mit gerötetem Gesicht und verkrampfter linker Faust hört der Handelsvertreter (54) aus Springe nach zehn Verhandlungstagen das Urteil der Dritten Großen Strafkammer des Landgerichts Hannover: neuneinhalb Jahre Haft wegen schwerer sexueller Nötigung in drei Fällen und einer versuchten schweren sexuellen Nötigung.

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Quelle: dpa/Symbolbild

Hannover/Springe. Zwei Stunden lang begründete die Vorsitzende Richterin Renata Bürgel das Urteil ihrer Strafkammer. Ausführlich schilderte sie die einzelnen Straftaten des verheirateten Familienvaters, der zwölf Jahre unerkannt Sexualstraftaten beging, um „seine eigene Lust zu befriedigen“.

 Im Juni 2002 habe der Angeklagte als angeblicher Mitarbeiter der Stadtwerke in Bückeburg eine 14-jährige Gymnasiastin, die zur Tatzeit allein im Haus war, mit einem Schraubenzieher bedroht und im Keller missbraucht. Die heutige Wissenschaftlerin sei immer noch traumatisiert. Als sie in Brüssel erfuhr, dass sie als Zeugin in Hannover aussagen sollte, erlitt sie einen Weinkrampf. Die Richterin: „Dass wir dieses aktenmäßig bereits vernichtete Verfahren aufgeklärt und ausgeurteilt haben, verdanken wir letztendlich der akribischen Ermittlungsarbeit eines Kripokommissars.“

 Im November 2006 hatte der gelernte Tischler in einem Wald bei Sehnde eine Sechzehnjährige gebeten, ihm bei der Suche nach einem angefahrenen Reh zu helfen. Stattdessen bedrohte er die Schülerin mit einem Messer; sie musste ihn in einem Dickicht befriedigen. Todesangst stand eine Schülerin (16) aus Springe aus, die im Oktober 2009 vom Angeklagten auf dem nächtlichen Heimweg überfallen und missbraucht wurde. Und im April 2014 überfiel der 54-Jährige nachts eine 18-jährige Egestorferin und versuchte, sie zu missbrauchen. Tage später wurde der Täter in seiner Springer Wohnung verhaftet.

 Seinem letzten Opfer muss der Mann 2500 Euro Schmerzensgeld zahlen. Aus mehreren Einzelstrafen von insgesamt 23,5 Jahren bildete die Strafkammer schließlich eine Gesamtstrafe von neuneinhalb Jahren. Diese Milderung ist vorgeschrieben, weil es bei Straftaten laut eines Bundesgerichtshofs-Urteils keinen sogenannten Fortsetzungs-Zusammenhang mehr gibt. Die Einzelstrafen werden deshalb nicht zusammengezählt – sondern nur die höchste Einzelstrafe (hier sieben Jahre) leicht erhöht. Deshalb kommen Mehrfachtäter meist billiger weg als Einzeltäter.

 Die Kammervorsitzende erinnerte auch an vier weitere Taten, die allerdings nicht angeklagt worden waren – darunter zwei weitere Fälle aus Springe. So hatte der Handelsvertreter nachts eine junge Frau verfolgt und war ein weiteres Mal nur durch einen Taxifahrer von einer Nötigung abgehalten worden.

 Die Kammer habe lange darüber beraten, ob gegen den Angeklagten Sicherungsverwahrung verhängt werden sollte, so die Richterin. Doch laut Gutachter sei er voll schuldfähig gewesen: „Zugunsten des Angeklagten haben wir auch berücksichtigt, dass er alles verloren hat, was er in seinem Leben aufgebaut hat: Haus, Frau, Tochter, Freunde und Beruf.“ Wahrscheinlich wird das Urteil rechtskräftig. Bei einer Revision und erneuter Hauptverhandlung könnte es möglicherweise Sicherungsverwahrung geben.

Von Axel Sturm

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