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Fürchtet euch nicht!

Weihnachtskolumne Fürchtet euch nicht!

Fürchte dich nicht! – das muss dem gesagt werden, der in Furcht und in Ängsten lebt. Fürchtet euch nicht! Das sind auch die ersten Worte des Engels in der Weihnachtsgeschichte, wie sie in der Bibel erzählt wird. Ein Jahr geht zu Ende, in dem es viele Gründe gibt, das Fürchten neu zu lernen. 

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Landkreis. Da diese Zeilen geschrieben werden, befinden sich Tausende von beinahe verhungerten Zivilisten in den Ruinen von Aleppo. In den Straßen liegen Leichen, die niemand mehr zu bergen gewagt hat. In Aleppo, so ein UN-Sprecher, zeige sich „ein kompletter Kollaps der Menschlichkeit“. Nein, es ist nicht der erste Kollaps der Menschlichkeit in der jüngeren Geschichte – wo wüsste man das besser als in Deutschland. Aber es ist der erste, der sich in den sozialen Netzen gleichsam live verfolgen lässt. 

Die kulturellen Brüche und politischen Gegensätze in der Welt rücken auch uns in Mitteleuropa auf den Leib! Fürchtet euch nicht – das sind Worte, die angebracht zu sein scheinen am Ende des Jahres 2016. Man könnte, wenn man Kirche und Welt kritisch mustert, jedem einigermaßen sensiblen Menschen die Freude am Weihnachtsgeschenk und den Appetit auf das Weihnachtsessen gründlich verderben.  Doch davor steht der Engel! Gott sei Dank!

Die Heilige Nacht, die die biblische Weihnachtsgeschichte erzählt und besingt, ist  bemerkenswert! Sie ist bemerkenswert, weil sie unglaublich menschlich, geradezu schlicht in ihrer Aussage ist. Sie erzählt von der Geburt eines Kindes, das unterwegs auf der Flucht zur Welt kommt. Das Kind kommt eher zu früh und in eine sehr unbehauste Umgebung. Und doch kommen zu diesem Kind in Bethlehem Menschen noch in der Nacht seiner Geburt, um es anzubeten und darüber Gott zu loben.

Sie ahnen, höher als in dieser Erzählung kann man nicht vom Leben und von der Welt denken. Denn die Geburt von Bethlehem erzählt davon, dass Gott, der Schöpfer dieser Welt, sich in Windeln wickeln lässt und in einer Krippe zu liegen kommt. Eine tiefe Menschlichkeit und Zugewandtheit zum begrenzten Leben zeigt sich hier. Von der Würde des Lebens kann nicht schöner erzählt werden. Die Würde und Bedeutung des Lebens wird hier nicht über glänzende Erfolge und über großes Ansehen beschrieben. Sondern gerade das bedürftige und gefährdete Leben hat eine unendliche Würde! Auf das Leben mit seinen engen Grenzen und Gefahren fällt ein wunderbares Licht – eben das Licht des Himmels! Und dieses Licht verdeutlicht: die Bedürftigkeit ist und bleibt der Grundzug des menschlichen Lebens.  

Das Bild auf dieser Zeitungsseite ist aus der Weihnachtskirche in Bethlehem genommen. Es zeigt Maria und Josef mit dem Kind – sie sind auf der Flucht. In diesem Jahr hatte ich Gelegenheit, die sehr kleine Christengemeinde in Bethlehem zu besuchen. Sie steht wie andere Gemeinden im Westjordanland unter großem Druck; ihr Leben und Überleben als Gemeinde ist gefährdet. Mit welcher Herzlichkeit und Fröhlichkeit die kleine Christenschar in Bethlehem und im Westjordanland ihren Glauben lebt und feiert, das hat mich beeindruckt. Ebenso der herzliche Gruß des Pastors von Bethlehem an das Schaumburger Land, den ich hiermit an Sie weitergebe!

Die Erzählung von der Geburt in Bethlehem, die zu unserer Kultur unbedingt gehört, räumt mit dem Wahn auf, nur das erfolgreiche und vollständige Leben habe seinen Wert. Was lehrt diese Geschichte? Sie lehrt Liebe zum begrenzten Leben! Für alle, die Trost brauchen, hat diese Erzählung eine tröstliche Kraft. Und sie hat in einer zunehmend friedlosen Welt eine politische Dimension. Sie entkleidet alle Machenschaften von Diktatoren, die vor Kriegsverbrechen gegen die Menschlichkeit nicht zurückschrecken als menschenverachtend! Wohin will die Geschichte uns führen? Zur furchtlosen Zuversicht! Komme, was mag, Gott ist mächtig! Wenn unsere Tage verdunkelt sind und unsere Nächte finsterer als tausend Winternächte, so wollen wir stets daran denken, dass es in der Welt eine große, segnende Kraft gibt, die Gott heißt. Er wird und will das dunkle Gestern in ein helles Morgen verwandeln. Zuletzt in den leuchtenden Morgen der Ewigkeit. 

Die ersten Menschen, die 1968 vom Mond aus die Erde sahen, staunten über die Schönheit der Erde und lasen die Schöpfungsgeschichte aus der Bibel. Und dann funkten sie dieses Gebet zur Erde: „Gibt uns, oh Gott, die Erleuchtung, dass wir die Liebe in der Welt sehen können. Gib uns den Glauben, dass wir ungeachtet unserer Unwissenheit und Schwäche, vertrauen können und Furchtlosigkeit lernen. Zeige uns, was jeder tun kann, um das Kommen des Tages des universellen Friedens zu beschleunigen!“ Ich wünsche Ihnen und allen, die zu Ihnen gehören, in diesem Sinne frohe und gesegnete Weihnachtstage.

  Dr. Karl-Hinrich Manzke

Landesbischof

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