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Fürstliches Forstamt versteigert Holz

Landkreis Fürstliches Forstamt versteigert Holz

Aufgereiht wie zur Parade liegen derzeit mächtige Eichenstämme rechts und links einer Betonstraße im Wald bei Rusbend, im fürstlichen Forstamt „Meinser Kämpen“. Das Wertholz, angeliefert von Forstbetrieben aus der Region, wird „schick gemacht“ zur Auktion, genauer zur großen Wertholz-Submission im Februar.

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Für die Optik und zur genauen Holzbegutachtung: Kai Gerulat schneidet eine schmale Scheibe vom Eichenstamm ab.

Quelle: sk

Landkreis. Die Veräußerung erfolgt hierbei nicht in Form einer öffentlichen Versteigerung sondern ausschließlich über schriftliche Angebote.

Der Stärkste mit einem Durchmesser von einem Meter und neun Metern Länge: In den Verkauf kommen 180 bis 220 Jahre alte Eichenstämme. Vor 200 Jahren regierte Georg Wilhelm das Fürstentum Schaumburg-Lippe, Wilhelm Busch war noch nicht geboren, das Telefon noch nicht erfunden, und ein badischer Forstmeister stellte die unerhörte Erfindung eines Laufrades vor, genannt Draisine. Autos, Motoren, Weltkriege – das alles lag im fernen Zukunftsnebel, als die Eichensprösslinge in die Erde kamen. Das Alter der Bäume, abzulesen an den dicht an dicht liegenden Jahresringen, macht ehrfürchtig. „Wenn du die ersten Bäume im Jahr fällst, ist das schon beeindruckend“, sagt Forstwirt Karsten Dorenburg. Mit seinem Kollegen Kai Gerulat, beide angestellt beim Kreisforstamt Spießingshol, putzt Dorenburg die Eichenstämme für die anstehende Submission heraus. Präzise in einer Flucht ausgerichtet liegen die Riesen – erhöht auf Unterlegern. Die Kunden, sprich Sägewerksbesitzer, sollen die Stämme in ihrer ganzen Pracht begutachten können. Außerdem schneiden die Forstwirte mit der Kettensäge vom unteren Ende der Stämme eine schmale Scheibe ab, um Dreck und Fällspuren zu beseitigen. Vom Schnee befreit werden die Stämme auch.

Ab Mitte Januar können Kaufinteressenten das gesamte Holz auf dem Lagerplatz in Augenschein nehmen und bei der Schleswig-Holsteinischen Holzagentur GmbH schriftlich ihr Gebot für die einzelnen Stämme einreichen. Die Gesellschaft wertet die Gebote am 17. Februar aus – im Auftrag des Fürstlichen Forstamtes Bückeburg, des Kreisforstamtes Spießingshol und weiteren Forstbetrieben aus der Region, die ihr Holz über die Submission veräußern.

Im vergangenen Jahr konnten die hiesigen Anbieter einen Gesamtverkauferlös von 300000 Euro erzielen. Die Summe kam nicht nur durch den Verkauf von Eichenholz zustande; andere Laubhölzer waren und sind ebenfalls im Angebot. „Die Eiche ist allerdings das Kerngeschäft“, sagt Kreisforstamtsleiter Lothar Seidel. Eiche aus Schaumburg, als Spießingsholer Eiche bekannt, besitze großes Renommee bei den Holzkäufern aus ganz Deutschland. Etwa 500 Euro pro Festmeter (das entspricht etwa einem Kubikmeter) lasse sich mit der Eiche erzielen. „Die Spitze der hiesigen Holzproduktion“, so Seidel, kann auf dem Holzlagerplatz „Meinsen Kämpen“ betrachtet werden. sk

Nachhaltig

Dass mehrere hundert Jahre alte Eichen gefällt werden, findet nicht immer die Zustimmung des Waldspaziergängers, der im Winter – jetzt stehen die Bäume nicht im Saft und liefern das hochwertigere Holz – das Kreischen der Kettensägen hört. Lothar Seidel aber kann Naturliebhaber beruhigen: Die gefällten Eichen stammen nicht aus Urwäldern. Die Bäume, die heute geerntet werden, sind bereits vor 200 Jahren von Forstwirten zur Holzproduktion gepflanzt worden, „nicht etwa aus landschaftsästhetischen Gründen“, erklärt Seidel. Es sei vorausschauend gepflanzt worden.
Die Idee der nachhaltigen Forstwirtschaft sei hierzulande bereits 300 Jahre alt. Die Planung in langen Zeitintervallen, die für ein langfristiges Ziel mehrere Generationen übergreift, fasziniert Seidel. In früheren Zeiten sei bei der Holzernte allerdings mit dem Kahlschlag ganzer Areale gearbeitet worden, die dann wieder aufgeforstet wurden. Heute verzichtet man laut Seidel auf totale Rodungen, nimmt vielmehr einzelne ausgewählte Eichen aus Beständen heraus und pflanzt an der Stelle eine neue Eiche oder setzt auf Naturverjüngung. Naturgemäßer Waldbau heißt das Prinzip, in dem Ökologie und Ökonomie nicht gegeneinander ausgespielt werden. sk

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