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Geld ist nicht alles

LANDKREIS Geld ist nicht alles

Ende vergangenen Jahres haben die Schaumburger Nachrichten und die Fachhochschule des Mittelstands in Hannover eine Kooperation vereinbart. In einer kleinen Serie stellen Journalistik-Studierende mithilfe der Redaktion vier Schaumburger Unternehmer vor. Dritter Teil: Dieter Stansch.

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Dieter Stansch ist schon lange im Finanzgeschäft tätig. Hier mit Ehefrau Bettina zu sehen.

Quelle: rg

LANDKREIS (Von Von Aileen Noeske, Laura Willig und Vivian Thürnau). Es ist Mittwochabend, 19 Uhr. Wir, drei Journalismus-Studentinnen, warten gespannt in den Redaktionsräumen der Schaumburger Nachrichten.

Unser Puls rast, die Hände sind feucht, und die Blicke wandern nervös durch den Raum. Dabei geht es eigentlich nur um eine Auslosung. Um die Frage, welchen Schaumburger Unternehmer wir kennenlernen und anschließend porträtieren dürfen. Die Wahl fällt auf Dieter Stansch, Vermögensverwalter aus Rinteln.

Ausgerechnet.

Schließlich sind wir drei Großstadt-Mädels von der komplexen Finanzwelt so weit entfernt wie Hannover 96 von der Champions League. Wir wissen, wer sich den jüngsten großen Fauxpas auf dem roten Teppich geleistet hat, oder auch, mit welcher Frisur Frau 2016 total im Trend liegt. Aber wo der Dax momentan steht? Fehlanzeige.

Doch schon der erste Wortwechsel mit dem 59-jährigen Diplomkaufmann lässt vermuten, dass viele unserer Vorurteile gegenüber einem erfolgreichen Unternehmer aus der Finanzbranche bei ihm nicht zutreffen. Vor uns sitzt offenkundig ein sympathischer, aufgeschlossener und herzlicher Geschäftsmann, der uns auch gleich auf einen Tag in sein Unternehmen einlädt.

Seit 30 Jahren haben sich Dieter Stansch und seine Ehefrau Bettina der Anlageberatung und Vermittlung mit dem Schwerpunkt privater Vermögensaufbau und -sicherung über Investmentfonds verschrieben. Das hört sich viel komplizierter an, als es ist. Kurz gesagt: Hier lassen sich bundesweit rund 3000 Kunden beraten, wie sie ihr Geld sinnvoll investieren, um unabhängig von staatlichen Zuwendungen und der Rentenkasse im Alter davon leben zu können. Ein wichtiges Thema, denn aufgrund des demografischen Wandels – so alle Prognosen – wird die staatliche Rentenversorgung für künftige Generationen nicht mehr ausreichen.

Immer am Puls der Zeit

Mit diesem Recherchewissen im Gepäck machen wir uns auf den Weg. Unterwegs geht uns noch der Achtzigerjahre-Hollywood-Film „Wall Street“ mit Michael Douglas durch den Kopf. Protzige Autos, dicke Geldbündel auf den Schreibtischen, hektisches Treiben zwischen riesigen Wolkenkratzern. Wer nach diesen klischeehaften Bildern im beschaulichen Rintelner Ortsteil Steinbergen Ausschau hält, rauscht glatt an der Firma Stansch vorbei. Genau wie wir zunächst. Der Unternehmenssitz, eine alte Fachwerkvilla, thront auf einer kleinen Anhöhe und versprüht ihren ganz eigenen Charme. Vor und hinter der schmucken Fassade trifft hier Modernität auf Tradition: massive Holzmöbel in Kombination mit stylischer Inneneinrichtung.

„Für mich ist es wichtig, immer am Puls der Zeit zu bleiben und mich stetig weiterzuentwickeln“, sagt Dieter Stansch nach der Begrüßung. Diese Einstellung spiegelt sich auch im neuesten Unternehmensprojekt wider. Anfang nächsten Jahres wird das Unternehmen in einen hochmodernen Neubau im Herzen von Bückeburg umziehen.

Zahlen hatten es Dieter Stansch schon im zarten Alter von acht Jahren angetan, wie er schmunzelnd erzählt. „Da habe ich angefangen, mit meinen Eltern Lotto zu spielen und mir Gedanken gemacht, wie man mit dem Gewinn von einer halben Million sein Leben lang von den Zinsen leben kann.“

Bei einer Tasse Kaffee im großzügigen Büro erfahren wir, dass der passionierte Golfspieler während seines Wirtschaftsstudiums an der Uni Bielefeld das Buch „Search of Templeton“ in die Hände bekam. Darin geht es ums sinnvolle Sparen fürs Alter. Diese Lektüre gab Stansch den Anstoß für seinen beruflichen Werdegang. Noch während des Studiums begann er, in einem Finanzunternehmen zu arbeiten, das er später selbst einmal übernehmen sollte. Gemeinsam mit seiner Frau Bettina wagte er 1995 den Schritt in die Selbstständigkeit, ehe im Jahr 2004 mit der Stansch Vermögensverwaltung ein zweites eigenständiges Unternehmen gegründet wurde.

„Meine Frau ist für mich eine große Stütze. Sie hält mir immer den Rücken frei“, sagt er geradezu schwärmerisch. Neben der Arbeit im eigenen Unternehmen engagiert sich Bettina Stansch ehrenamtlich im Kinderschutzbund – für sie eine Herzensangelegenheit.

Selbst sonntags am Frühstückstisch ist die Arbeit oft ein notwendiges, aber auch beliebtes Gesprächsthema zwischen den Eheleuten. Denn: Eine ständige Weiterentwicklung des Betriebs sei ihnen ganz wichtig, sagen sie.

Auf das Team ist Verlass

Um den Fortbestand seines Lebenswerks macht sich Dieter Stansch keine Sorgen. Er könne sich auf sein heute 14-köpfiges Team ganz verlassen. „Wenn ich morgen gegen einen Baum fahre, würde im Unternehmen trotzdem alles reibungslos weiterlaufen“, erklärt der Unternehmer und fügt anerkennend hinzu: „Ohne mein Team bin ich nichts.“

So kann das Paar unbesorgt auch mal loslassen – etwa, um gemeinsam im Urlaub zu entspannen. Gern reisen Bettina und Dieter Stansch dazu an die portugiesische Algarve-Küste.

Wer mit dem taffen Finanzexperten spricht, merkt sehr schnell, dass er nicht gerne selbst im Mittelpunkt steht. Stansch betont immer wieder, dass für ihn die Belegschaft als Ganzes der Schlüssel allen unternehmerischen Erfolgs ist. Dazu passen auch die regelmäßig gemeinsamen Mittagessen. Auch hier herrscht eine lockere Atmosphäre. Es wird viel erzählt und gelacht, und auch wir bekommen schnell das Gefühl, unter Freunden zu sitzen. Petra Sennholz-Jansohn, die rechte Hand des Firmeninhabers, bescheinigt: „Die Firma ist für uns wie eine kleine zweite Familie.“

Beim Rundgang durchs Haus fallen die zahlreichen Bilder ins Auge, die das Berater-Team bei gemeinsamen Freizeitaktivitäten und Feierlichkeiten zeigen. Ist in der Branche häufig von nicht enden wollenden Arbeitstagen und eine Austauschbarkeit der Belegschaft der Rede – so gilt das hier offenbar nicht.

„Uns ist es wichtig, unsere Mitarbeiter nicht zu verschleißen. Wir wollen ihnen genug Freiraum für Familie und Freizeit lassen. Nur so können kontinuierlich Höchstleistungen erbracht werden“, ist sich Dieter Stansch sicher.

Seiner Verantwortung sei er sich aber auch gegenüber den Kunden jederzeit bewusst, betont der 59-Jährige. Finanzprodukte um jeden Preis zu verkaufen, um das schnelle Provisionsgeld zu machen – das könne sich ein kleines, regional verortetes Unternehmen nicht leisten. Der gute Ruf sei gerade in dieser Branche überlebenswichtig. Nicht zuletzt als Abgrenzung gegenüber dem einen oder anderen schwarzen Schaf.

Jedes Produkt wird geprüft

So lasse er sich nicht durch Erfolgszahlen in Hochglanzbroschüren blenden, versichert Stansch, sondern prüfe jedes Produkt persönlich auf Herz und Nieren, bevor er es den Kunden anbiete. Dabei helfe ihm nicht zuletzt seine langjährige Berufserfahrung und ein daraus resultierendes Bauchgefühl.

Was lernen wir nach diesem Tag? Man muss nicht immer mit dem Strom schwimmen, um in seinem Metier erfolgreich zu sein. Die Basis für eine langfristige Karriere im Finanzbusiness bilden eine solide Ausbildung, ein dauerhaft hohes Maß an Motivation sowie ein analytischer und scharfer Verstand.

Das mag nun wie ein Werbetext für Dieter Stansch und sein Unternehmen klingen. Aber ganz ehrlich: Wir können nichts anderes sagen, nachdem wir einen Tag lang kritisch, mit offenen Augen und gespitzten Ohren, an unsere Aufgabe herangegangen sind. Ins Grübeln sind wir dennoch gekommen: Wäre es nicht vielleicht doch ratsam, mit Blick auf die Altersversorgung einen Millionär zu heiraten? Wieso um Himmels willen haben wir mit Anfang 20 noch keinen Sparplan angelegt?

Klar ist nur: Der Finanzwelt sind wir drei Studentinnen nach unserem Besuch nun doch ein Stückchen näher gekommen. Das macht Hoffnung, dass es irgendwann in ferner Zukunft auch mit Hannover 96 und der Champions League noch mal klappen könnte.

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