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Geld oder Land: Feilschen im Feld

Landkreis / Klinikum Geld oder Land: Feilschen im Feld

9,9 Hektar umfasst das Gelände in der Vehlener Feldmark, auf dem das Gesamtklinikum Schaumburg hochgezogen werden soll; dazu kommt ein halber Hektar für die Anfahrt. Für den „Landschaftsschutz Schaumburg“ ist die Vehlener Feldmark ökologisch wertvoll und wichtig als Naherholungsgebiet. Deswegen kämpfen die „Landschaftsschützer“ gegen ein Klinikum an dieser Stelle. Der Landschaftsrahmenplan umschreibt die Feldmark dagegen als „gehölzarme Kulturlandschaft, Ackernutzung vorherrschend“.

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Von Arne Boecker

Landkreis. Das Gelände, auf dem das Gesamtklinikum aufragen soll, umfasst die Flurstücke 23 bis 27 der Gemarkung Vehlen. Wie eine Liegenschaftskarte des „Landesamtes für Geoinformation und Landentwicklung Niedersachsen“ in Rinteln (besser bekannt als „Katasteramt“) verrät, gehört das größte Stück vom Kuchen einem Obernkirchener Landwirt (siehe Karte: „Landwirt“). Danach folgen eine Bückeburgerin („Bürgerin“) und die Evangelische Kirchengemeinde Vehlen („Kirchengemeinde“), ein Obernkirchener Ehepaar („Ehepaar“) und ein Obernkirchener („Bürger“). Der Großteil der Flächen ist an Landwirte verpachtet.

Wie kommen die Klinikums-Betreiber an das Land? Den Preis pro Quadratmeter gibt der „Bodenrichtwert“ an. Er wird jährlich vom „Gutachterausschuss für Grundstückswerte“ festgesetzt. Das Gremium sitzt im Katasteramt, entscheidet aber unabhängig. Bevor die Idee in die Welt kam, ein Gesamtklinikum in die Vehlener Feldmark zu klotzen, hatte der Quadratmeter dort einen Wert von etwa zwei Euro. Die Grundstücksbesitzer verlangten zwölf Euro. Das ist nicht unverschämt, sondern der übliche Preis für Ackerland, das zur gewerblichen Nutzung umgewidmet werden soll. Wie zu hören ist, hatten die Grundstücksbesitzer Erfolg, alle haben Vorverträge abgeschlossen. Der Ton bei den Verhandlungen war allerdings wohl nicht immer freundlich. „Da wurde durchaus mal scharf geschossen“, sagt einer der Grundstücksbesitzer.

Die Besitzer konnten in aller Ruhe pokern, weil den Klinikums-Betreibern ein Ass fehlte, das in solchen Verhandlungen gern auf den Tisch gelegt wird. Sie konnten nicht mit Enteignung drohen. Hintergrund: Derartige Verfahren ziehen sich mitunter wie Kaugummi. Das aber können sich „pro Diako“, Stiftung Krankenhaus Bethel und Landkreis Schaumburg finanziell nicht leisten, die das Klinikum betreiben wollen. Schließlich teilen sie sich das Defizit, das bis zur Eröffnung des neuen Klinikums an den Altstandorten in Stadthagen und Rinteln aufläuft. Mit satten 265 000 Euro sollen die Planer angeblich kalkulieren – pro Monat.

Die Grundstücksbesitzer haben zwei Möglichkeiten, sich für einen Verkauf bezahlen zu lassen. Zum einen mit Geld, zum anderen mit Land. Für die Land-Option spricht, dass ertragreiche Flächen derzeit extrem begehrt sind. Außerdem: Wer sich für das Geld entscheidet, muss die Summe innerhalb von zwei Jahren wieder in den Kauf von Land stecken, sonst werden hohe Steuern fällig.

Der Hamelner Landschaftsplaner Georg von Luckwald führt für die künftigen Klinikums-Betreiber die Verhandlungen. Für von Luckwald muss die Vehlener Feldmark wie ein riesiges Puzzle wirken: Wie kommt er an Flächen? Wo kann er Flächen tauschen?

Die wirtschaftlich angeschlagene „pro Diako“, eigentlich vorgesehen als Hauptbetreiber des Gesamtklinikums, ist gerade auf der Suche nach einem starken Partner. Verhandlungen mit dem „Agaplesion“-Konzern laufen.
Wie sehr das Projekt „Gesamtklinikum“ derzeit wackelt, zeigt eine Episode, die einer der Grundstückbesitzer erzählt. Im Herbst des vergangenen Jahres habe Planer von Luckwald Landwirte aufgesucht, die ihre Felder bestellten. „Das lohnt sich doch gar nicht mehr“, habe er gesagt, schließlich wolle man bald mit dem Bau des Klinikums beginnen. Die selbstbewussten Bauern befolgten diesen Rat nicht. Im März dieses Jahres, als sie ihre Pflüge anspannen wollten, fragten sie sicherheitshalber aber doch bei von Luckwald an: Ob sie denn loslegen könnten? Jaja, soll ihnen der Planer geantwortet haben, das mit dem Baubeginn ziehe sich hin – die Ernte dieses Jahres sei jedenfalls sicher.

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