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Aus dem Landkreis Geschäftsführung arbeitet an Sparpaket
Schaumburg Landkreis Aus dem Landkreis Geschäftsführung arbeitet an Sparpaket
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21:05 14.09.2018
Auf Bilder will das Krankenhaus aus Kostengründen vorläufig verzichten. Quelle: Archiv
Landkreis

Nach internen Berechnungen geht die Geschäftsführung von einem Defizit in Höhe von 3,9 Millionen Euro zum Jahresende aus. Auch wenn sich die Unternehmensleitung nach eigenen Worten trotz allem auf dem richtigen Weg sieht (s. Kasten), steht doch fest: Das Klinikum in Vehlen muss sparen, wie auch Sprecherin Nina Bernard offen einräumt.

Derzeit werde deshalb in verschiedenen Gremien an Konzepten und Szenarien gearbeitet. Herauskommen soll ein Katalog von „Maßnahmen, die zu einer Verbesserung der Kostensituation beitragen könnten“, sagt Bernard – bei gleichzeitiger Verbesserung der Einnahmesituation.

Welche Maßnahmen das konkret sind, will das Unternehmen zum jetzigen Zeitpunkt nicht umfassend preisgeben, zumal nichts entschieden sei. Laut Bernard gehört aber die weitere Absenkung von Kosten für Leihärzte dazu, von denen momentan noch viele per Arbeitnehmerüberlassung befristet beschäftigt würden.

Widerstand gegen 5,5 Tage-Woche

Ziel sei es stattdessen, Mediziner „für eine Festanstellung zu gewinnen, die sich ganz anders mit unserem neuen Klinikum identifizieren können“. Das sei nicht einfach, weil es insbesondere ländlichen Kliniken schwerfalle, ausreichend qualifizierte Ärzte an sich zu binden. „Eine bundesweite Herausforderung, die nicht nur uns betrifft“, so Bernard. Dennoch habe es die Geschäftsführung geschafft, bis Ende des Jahres mehrere neue Assistenz- und Fachärzte für unser Haus unter Vertrag zu nehmen.“

Nach unserer Zeitung vorliegenden, internen Papieren beträgt das Einsparziel unterm Strich drei Millionen Euro. Die oben skizzierte Reduzierung von Honorarkräften soll dabei 700.000 Euro bringen – der größte Einzelposten im Paket.

Offenbar vom Tisch ist der Plan, Jahressonderzahlungen und damit das Weihnachtsgeld zu streichen, was ein Einsparvolumen von 600.000 Euro hätte ausmachen sollen.

Auf Widerstand sollen bei der Mitarbeitervertretung Überlegungen gestoßen sein, eine 5,5 Tage-Woche für die Pflegekräfte einzuführen, insbesondere, weil die Geschäftsführung diese Maßnahme mit der Weihnachtsgeldfrage habe verknüpfen wollen.

Aufenthaltsdauer von Patienten verkürzen

Laut Bernard wird über die Einrichtung einer „Kurzliegerstation“ nachgedacht. Dadurch soll einerseits die Aufenthaltsdauer von Patienten verkürzt werden. Gleichzeitig „könnten wir Überstunden abbauen und noch offene Urlaubstage gewähren, da diese Station dann am Wochenende geschlossen ist“. Einsparpotenzial: 550.000 Euro.

Unter den insgesamt 28 Punkten finden sich auch viele kleinere Positionen. So könne man Entsorgungskosten durch das Trennen von Wertstoff und Glas um 1500 Euro reduzieren. 6900 Euro ließen sich bei der Werkfeuerwehr einsparen, indem Ausbildungskosten reduziert und ein Aufnahmestopp verhängt würden.

Schon beschlossene Sache ist nach Worten der Sprecherin der vorläufige Verzicht auf die Bebilderung im Krankenhaus, für die 50.000 Euro veranschlagt waren. „Das wäre ganz sicher sehr schön gewesen, ist aber weder lebensnotwendig noch nützlich. jak/mf

„Noch nicht dort angekommen, wo wir hinwollen“

„Wir stehen schon deutlich besser da als im vergangenen Jahr“, sagt Diana Fortmann. „Trotzdem sind wir noch nicht dort angekommen, wo wir hinwollen“, so die Geschäftsführerin des Agaplesion Klinikums Schaumburg. Die in der jüngsten Berichterstattung genannte Zahl von 3,9 Millionen Euro als erwartetes Defizit für 2018 dementiert sie nicht. Besser als dargestellt sei es aber um die sogenannte Case-Mix-Bewertung bestellt. Weil „per Hochrechnung Juli 2018 bereits 19.440 Case-Mix-Punkte zum Jahresende prognostiziert“ würden, seien lediglich „Mindereinnahmen von weniger als zwei Millionen Euro“ zu erwarten.

Für den sogenannten Case-Mix wird nicht nur die Zahl der durchgeführten Behandlungen berücksichtigt, sondern auch die Fallschwere. Hier wirkt sich laut Fortmann positiv aus, dass das neue Klinikum in der Lage sei, aufwendigere Eingriffe vorzunehmen und diese auch nachgefragt würden, so die Managerin. Das sei eine Verbesserung gegenüber der alten Krankenhaus-Situation und sorge für dauerhaft höhere Einnahmen.