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Gesellen fehlen an allen Ecken und Enden

Fachkräftemangel im Handwerk Gesellen fehlen an allen Ecken und Enden

Unter dem Fachkräftemangel haben derzeit nach eigenen Angaben zahlreiche Schaumburger Handwerksbetriebe zu leiden. Das könnte sich bald verstärkt auf die Preise auswirken.

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Quelle: Symbolfoto

Nicht nur der Bereich Heizung und Sanitär ist betroffen, auch Elektriker müssen immer häufiger Aufträge ablehnen, weil ihre Mitarbeiter überlastet sind.

Bei vielen Betrieben lautet die Antwort gleich: „Wir suchen dringend nach Fachpersonal“, heißt es etwa von der Forstner-Hupe GmbH für Heizung und Sanitär. „Ich suche händeringend“, antwortet Thomas Zimmermann vom gleichnamigen Betrieb für Sanitär- und Heizungstechnik. „Ich nehme schon gar keine Aufträge mehr an, weil mir Heizungsbauer fehlen.“

Martin Wanjura von der gleichnamigen Elektro GmbH in Stadthagen rechnet entgegen der Aussage des Geschäftsführers der Kreishandwerkerschaft nicht damit, dass die Auftragslage bald einbrechen könnte. „Und die Situation ist schon seit Langem so, dass wir gerade in Stoßzeiten geballt Aufträge ablehnen müssen“, berichtet der Lehrlingswart der Innung Elektrotechnik.

An gute Gesellen zu kommen, sei schon seit längerer Zeit nahezu unmöglich. „Gute Handwerker sind derzeit nicht auf dem Markt. Die stehen alle in Lohn und Brot. Eine Möglichkeit sind Zeitarbeitsfirmen. Aber da landet man nicht ohne Grund“, meint Wanjura.

Hinzu komme, dass auch die Zahl der Auszubildenden einbreche. Zwar sei die Resonanz auf Berufsinformationsveranstaltungen wie der Regionalschau oder den Ausbildertagen an Schulen berauschend, wenn es aber um die konkrete Berufswahl gehe, haben nach Erfahrung von Wanjura die Handwerksbetriebe häufig das Nachsehen. „Spätestens, wenn sie ihren Gesellenbrief haben, lockt die Industrie. Und wenn sie erst mal Industrieluft geschnuppert haben, ist es vorbei.“

Auch Zimmermann berichtet von guten Auszubildenden, die es auf der Suche nach einfacherer Arbeit und einem besseren Verdienst weiterziehe. Kerstin Becker von der Firma Konrad Becker Elektro, Heizung und Sanitär in Hohnhorst hat festgestellt: „Bei der Bezahlung können wir mit der Industrie nicht mithalten.“ Erst kürzlich habe sie eine sehr gute Bewerbung auf dem Tisch gehabt – der Jugendliche entschied sich dann jedoch für die Industrie, „wegen der Bezahlung“, wie sie betont. Bereits jetzt müssten die Kunden Geduld mitbringen, so Becker, „und es könnte noch schlimmer werden“.

Nach Einschätzung von Lehrlingswart Wanjura stehe bald ein Zeitenwandel bevor. „Die ,Geiz ist geil‘-Mentalität geht vorbei. Wer noch vernünftige Handwerker engagieren möchte, muss das in Zukunft auch entsprechend bezahlen. Die Mitarbeiter wissen, was sie wert sind, und können dementsprechende Ansprüche stellen.“

Der Lehrlingswart sieht in den Flüchtlingen ein „Riesenpotenzial, das es zu nutzen gelte. „Sonst wären wir ja bekloppt. Wir können nicht von Fachkräftemangel reden und gleichzeitig auf diese Menschen verzichten. Alle, die hierherkommen, brauchen nicht ,bitte, bitte‘ zu sagen. Ihnen stehen die Türen offen.“ ber

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