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Gesucht: Flüchtlings-Vormunde

Schaumburg Gesucht: Flüchtlings-Vormunde

Gesucht werden ehrenamtliche Vormunde. Ein leichter Job ist das nicht, wie Michael Koller vom Jugendamt anhand eines Beispiels durchblicken lässt.

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„Klar, dass er aus den eigenen Reihen kommt“

LANDKREIS. In einem Schaumburger Dorf leben zwei Flüchtlinge, 23 und elf Jahre alt. Jetzt will der Ältere zurück in sein Land, nach Kurdistan, wo Krieg ist. Der Grund: Sein Vater ist schwer krank geworden. Darf der jüngere Bruder mit, zu seinem Vater? Oder ist er hier besser aufgehoben? Was ist das Beste für ihn, wenn das Kindeswohl zugrunde gelegt wird? Letztendlich, so Koller, gibt man den Jungen ja somit in die Verantwortung der Eltern zurück.

Vor dem Jugendhilfeausschuss sprach Koller in dessen jüngster Sitzung über die UMA, die unbegleiteten minderjährigen Ausländer, von denen zurzeit im Landkreis 121 leben. Es sind minderjährige Flüchtlinge, die ohne Begleitung eines verantwortlichen Erwachsenen aus dem Ausland eingereist oder im Inland ohne Begleitung zurückgelassen wurden. 58 stammen aus Afghanistan, 14 aus dem Irak, 30 aus Syrien, fünf aus Eritrea und jeweils ein Flüchtling kommt aus Albanien, Ägypten, Gambia, Guinea, Kamerun, Marokko und Sierra-Leone. Bei einem ist die Nationalität unbekannt. Dreiviertel von ihnen seien zwischen 16 und 18 Jahren alt, so Koller. Zum Teil seien sie allein auf der Flucht.

Zur Unterstützung stünden fünf Amtsvormunde zur Verfügung, davon vier praktizierende Ehrenamtliche. Es gebe 22 Bewerber, Angehörige der Mündel und noch 17 praktizierende Berufsvormunde, vor allem Rechtsanwälte. Selbst wenn die Jugendlichen über Facebook noch mit ihren Eltern in Kontakt stünden, könnten sie nicht einfach Anträge stellen. Also Ehrenamt.

„Vielleicht besser als der Beamte am Schreibtisch“, so Koller. Der Ehrenamtliche könne vielleicht „mehr Wärme geben“.

Vormunde müssen spezielle Kriterien erfüllen

Ein Stück weit seien die Minderjährigen auch traumatisiert. Der ehrenamtliche Vormund hat rein rechtlich Vorrang vor dem Berufs- und dem Amtsvormund, bei den Auswahlkriterien muss die grundsätzliche Eignung betrachtet werden, die Religion, der Wunsch des Mündels, der mutmaßliche Wille der Eltern, persönliche Bindungen des Mündels und die Verwandtschaft.

Spezielle Kriterien für die ehrenamtlichen Vormunde seien dabei Fremdsprachen- und Rechtskenntnisse, speziell im Asyl- oder Ausländerrecht, und gerne auch eine sozialpädagogische oder ähnliche Ausbildung. Wer keines dieser Kriterien erfülle, so Koller, sei aber nicht automatisch ausgeschlossen. Es gehe stets darum, „die Vormundschaft zu wählen, die dem Wohl des Mündels am besten dient“.

Weil der Großteil der unbegleiteten minderjährigen Flüchtlinge zwischen 16 und 18 Jahre jung ist, dauere eine Vormundschaft rund anderthalb Jahre, rechnet Koller vor.

Bei den Kriterien für die Ehrenamtlichen wird ein Führungszeugnis verlangt, auch auf die wirtschaftlichen Verhältnisse werde ein Blick geworfen. „Und wir gucken nach sonstigem ehrenamtlichen Engagement“, sagt Koller. „Das ist nichts für jemanden, der bei Null beginnt.“

Jugendamts-Leiter Hans-Ulrich Born erklärt: Natürlich werde der eine oder andere der ehrenamtlichen Vormunde irgendwann an einem Punkt sein, an dem er überlege, die Sache an den Landkreis zurückzugeben. Aber vielleicht sei es wie mit einer pubertierenden Tochter: Die nerve meistens auch, aber man gebe sie deshalb nicht einfach zurück.

Bei einer Infoveranstaltung im Kreishaus seien im vergangenen Monat Vormunde vernetzt und geschult worden, so Koller. Es gibt zudem einen Newsletter und eine offene Sprechstunde: Jeden zweiten Montag im Monat von 15.30 bis 17 Uhr im Kreishaus, Raum 211. Wer Interesse an der ehrenamtlichen Vormundschaft hat, kann dort vorsprechen und sich informieren. rnk

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