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Handwerk lockt mit Prämien

Fachkräftemangel Handwerk lockt mit Prämien

Der Fachkräftemangel im Handwerk treibt bunte Blüte. Nach Informationen der SN haben einzelne Betriebe bereits Prämien in Höhe von bis zu 5000 Euro für Mitarbeiter ausgelobt, die einen guten Gesellen anwerben.

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Im Bereich Heizung und Sanitär lässt sich derzeit gut verdienen. Einige Betriebe such mit Prämien und Zusatzzahlungen nach Gesellen.

Quelle: Montage Harmening

Landkreis. Der Fachkräftemangel im Handwerk spitzt sich weiter zu. Nach Informationen der SN haben einzelne Betriebe bereits Prämien in Höhe von bis zu 5000 Euro für Mitarbeiter ausgelobt, die einen guten Gesellen anwerben.
Fritz Pape, Geschäftsführer der Kreishandwerkerschaft, hält eine solche Praxis für „unkollegial“. Zumal die Situation in Schaumburg längst nicht so dramatisch sei. „Momentan gibt es zwar einige Betriebe, die einen großen Bedarf an Fachkräften haben. Das kann im nächsten Jahr aber schon wieder ganz anders aussehen“, betont Pape. „Ich rate deshalb Gesellen, die einen Festvertrag haben, nicht auf diese Lockangebote einzugehen. Sie haben dann erst mal keinen Kündigungsschutz.“
Wie sehr jedoch einige Handwerksbetriebe in Schaumburg unter dem Fachkräftemangel leiden, wird am Beispiel der Franke Sanitär- und Heizungsbau GmbH deutlich. Inhaberin Gabriele Franke: „Ich muss jeden zweiten Auftrag ablehnen, weil meine Mitarbeiter bereits an der Grenze sind. Dadurch geht uns sehr viel Umsatz verloren.“ Ihrer Ansicht nach hätte man mehr für den Handwerksberuf werben und Jugendlichen begreifbar machen müssen, „dass sie dabei nicht nur mit Gas-Wasser-Scheiße zu tun haben“.
Pape verweist dagegen darauf, dass die Handwerkskammer extra einen Mitarbeiter abgestellt habe, der in Schulen für den Handwerksberuf wirbt. „Und das fruchtet auch.“ Auch der Wirtschaftsförderer des Landkreises, Ludwig Schätzl, sieht Schaumburg diesbezüglich auf einem guten Weg. Durch spezielle Berufsschulklassen im Bereich Elektro sowie Heizung und Sanitär habe die Schaumburger Bildungslandschaft auf die Situation reagiert. Auch sei die Zusammenarbeit zwischen allgemein- und berufsbildenden Schulen intensiviert worden. Frühzeitig sammeln Ober- und Gesamtschüler an den BBS Erfahrungen im fachbezogenen Unterricht, so Schätzl.
Allerdings entscheiden sich bisher offenbar trotzdem nur wenige für eine Ausbildung im Bereich Heizung und Sanitär, wie Franke festgestellt hat. „Wenn wir Bewerber haben, sind es leider oft Jugendliche, bei denen wir froh sind, wenn die Ausbildung vorbei ist.“
Hinzu komme das Problem, dass die guten Auszubildenden meist den Betrieb schnell Richtung Hochschule verlassen. „Wir investieren die Zeit in die Ausbildung, ohne am Ende durch einen guten Gesellen belohnt zu werden“, klagt Franke. Jüngst seien zwei Auszubildende nach dem Ende ihrer Lehre zum Studium nach Berlin abgewandert. „Die meisten suchen einen trockenen Bürojob und wollen sich nicht dreckig machen.“
In ihrer Verzweiflung habe sie auch über das Internet nach Gesellen gesucht. „Dabei habe ich ein Vermögen investiert, gefruchtet hat es aber nicht.“ Trotz versprochener übertariflicher Leistungen wie Zusatzrente und Überstundenzuschlag. Auch die Arbeitsagentur wisse seit Jahren, dass sie Mitarbeiter suche, habe aber niemanden vermitteln können, so Franke. „Es hat sich schon eine Menge Frust aufgebaut.“
Erster Kreisrat Klaus Heimann sieht beim Kampf gegen den Fachkräftemangel ein großes Pozial in den Flüchtlingen. „Das müssen wir nutzen.“ Franke kann sich das durchaus vorstellen. Gibt allerdings zu bedenken, dass die Sprachprobleme eine große Hürden darstellen. „Dann muss man den fachlich begabten Migranten durch fachspezifische Sprachkurse helfen.“ Allerdings gebe es Kunden, die gegenüber Mitarbeitern mit Migrationshintergrund Vorbehalte hätten. ber

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