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Hauptamtliche sollen mehr in die Gesellschaft

Landeskirche übt Selbstkritik Hauptamtliche sollen mehr in die Gesellschaft

Das 500-jährige Reformationsjubiläum nutzt die Schaumburg-Lippische Landeskirche auch für Selbstkritik. So hat Landesbischof Karl-Hinrich Manzk die hauptamtlichen Mitarbeiter aufgefordert, ihre Kirche häufiger zu verlassen, um dorthin zu gehen, wo die Menschen sich gesellschaftlich engagieren.

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Landkreis. Die Hauptamtlichen sollten beispielsweise in Vereine oder Feuerwehren gehen. „Dort sind wir noch nicht gut genug“, so Manzke.

Im Gegensatz zur Zeit der Reformation, als Staat und Kirche als die tragenden Säulen der Gesellschaft galten, sei die „Wirklichkeit heute viel pluraler geworden“. Darum müsse sich die Kirche darauf einstellen, diese gesellschaftliche Kontaktfläche konsequenter zu nutzen, denn „alle institutionelle Selbstgewissheit ist schädlich“. Manzke verdeutlicht: „Der Pastor sollte nicht nur zur Jahresversammlung der Feuerwehr gehen, sondern im besten Fall selbst Mitglied sein.“

Dafür biete das Schaumburger Land die besten Voraussetzungen, denn es gebe – anders als im städtischen Bereich – ein gutes Netzwerk, „man kennt sich“. Zudem seien auch die Kapazitäten gegeben, weil es im Landkreis auf 1500 Gemeindemitglieder eine volle Pfarrstelle gebe – in Hannover liege dieses Verhältnis bei 1:3500. Dadurch seien, so Manzke, die Pflichtbeanspruchungen der Pastoren geringer.
Kritik an seinen Äußerungen habe er nicht erfahren: „Ich sehe es als Landesbischof als meine Aufgabe an, solche Dinge anzusprechen und Debatten anzuschieben. Bisher habe ich nur Zustimmung erfahren.“

Sein Standpunkt sei auch nicht völlig neu. In der Ausbildung der Pastoren spiele dieses differenzierte gesellschaftliche Bild bereits seit Jahren eine Rolle. „Pastoren werden heute bei den Predigerseminaren rhetorisch geschult, wie sie ein kurzes Grußwort halten. Das war vor einer Generation noch undenkbar.“

Kirche lebt vom Kontakt mit Menschen

Zudem gebe es seit nunmehr 15 Jahren ein Projekt, bei dem Vikare ein Praktikum in einem Betrieb absolvieren und dort Erfahrungen sammeln, wie sich das Handeln der Kirche auf die Gesellschaft auswirkt. Profitiert habe die Schaumburg-Lippische Landeskirche davon noch nicht in großem Ausmaß, „da bisher wenig junge Leute eingestellt wurden“. Das soll sich im nächsten Jahr ändern. Drei Diakone und ein Pop-Kantor werden in Schaumburg eingestellt.

Zu den „jungen Wilden“ zählt sich Hans Angelus Meyer. Der 37-Jährige ist seit einem Jahr Pastor in Seggebruch. Für ihn seien Manzkes Worte „Anspruch und Ansporn“. Bereits während der Ausbildung sei jedoch vermittelt worden, nicht „in seinen Klostermauern zu bleiben“. So beteilige er sich auch aktiv an einem Feuerwehr-Zeltlager in Rinteln.
Für Pastor Wolf-Peter Koech (Stadthagen) gehört der Besuch öffentlicher Veranstaltung bereits jetzt zu seinem Alltag: „Wir leben schließlich von den Kontakten zu den Menschen – und die organisieren sich eben nicht nur in der Kirche.“ Es sei aber auch eine Frage der Zeit, was man alles bewältigen könne und wo man Schwerpunkte setze. So überlässt Koech das Historische Schützenfest seinen Pastorenkollegen.  col

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