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Aus dem Landkreis Hauptproblem: Fehlende Akzeptanz
Schaumburg Landkreis Aus dem Landkreis Hauptproblem: Fehlende Akzeptanz
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00:17 17.06.2018
Unter der Moderation von Marc Fügmann (von links) diskutieren Jörg Farr, Walter Hardekopf, Marlies Hasemann, Karl-Hinrich Manzke und Dieter Wilharm-Lohmann. Quelle: ssr
Landkreis

Die Veranstaltung stand unter dem Motto „Landwirtschaft 2025 in Schaumburg: Einblick, Ausblick, Weitblick“. Im Mittelpunkt stand eine Podiumsdiskussion zur aktuellen Situation und den Perspektiven der hiesigen Landwirtschaft. SN-Chefredakteur Marc Fügmann als Moderator sprach gleich das eingangs genannte Thema an, „dass die Landwirtschaft zunehmend um ihren Ruf, ja sogar um ihre Existenz bangen muss“.

Kreislandwirt Dieter Wilharm-Lohmann berichtete von seiner Erfahrung, immer wenn Menschen auf Bauernhöfe kämen und direkt vor Ort Eindrücke sammelten: „Dann haben sie zumeist eine viel positivere Meinung als wenn sie sich nur in den Medien informieren“. Daher sei eine aktive Öffentlichkeitsarbeit der Landwirtschaft wie etwa der „Tag des offenen Hofes“ wichtig: „Wir brauchen einfach mehr Akzeptanz.“

Mehr Transparenz schaffen

In dasselbe Horn stieß Marlies Hasemann, Kreisvorsitzende der Landfrauen. Diese seien durch vielerlei Projekte und Veranstaltungen – gezielt auch in Kitas und Schulen – bemüht, „Transparenz und ein angemessenes Bild von der Landwirtschaft zu schaffen“. Großes Thema sei dabei die gesunde Ernährung. Notwendig sei auch ein intensiver Dialog „auf Augenhöhe“ mit anderen gesellschaftlichen Gruppen. Landrat Jörg Farr betrachtete es als Notwendigkeit, „dass die Entfremdung zwischen Verbrauchern und Landwirten abgebaut wird“. Der schaumburg-lippische Landesbischof Karl-Hinrich Manzke warb für die Überzeugung, „dass die Landwirte ihren Boden sorgfältig bewirtschaften, denn sie sägen doch nicht den Ast ab, auf dem sie sitzen“.

Wilharm-Lohmann bezeichnete es als „schlimm, dass etliche junge Leute mit Begeisterung Landwirte werden, aber später resignieren“. Gleichwohl gelte es, den Nachwuchs zu ermutigen. Er wünsche sich, „dass der rasante Strukturwandel aufhört und es ein organisches Wachstum von Betrieben gibt“.

Walter Hardekopf, Vorsitzender der Fleischer- und Bäckerinnung, wies darauf hin, dass über die Hälfte der Verbraucher bei Nahrungsmitteln ausschließlich auf den Preis schaue. Das führe zwangsläufig zu Preisen, die für Landwirte oft nicht rentierlich seien. Die anderen, die zumindest hin und wieder auf die Qualität achteten, müssten in die Fachgeschäfte gezogen werden.

Wichtige soziale Funktion

Die landwirtschaftlichen Flächen machten genau die Hälfte des Landkreises aus, rechnete Landrat Farr vor. Das gelte es auch zu erhalten. „Die Landwirtschaft macht aber nur zehn Prozent der Bruttowirtschaftskraft Schaumburgs aus, und das macht mich schon erschrocken“, bekannte er.

Manzke betonte, die Landwirte erfüllten in den Dörfern eine wichtige soziale Funktion und sorgten für den Erhalt der Kulturlandschaft. Auch deswegen setze er sich für den Erhalt der bäuerlichen Landwirtschaft ein. Von der Politik erwarte er, dass diese Land- und Ernährungswirtschaft sowie den Handel an einen Tisch hole, um eine Strategie zu entwickeln, wie das Höfe-Sterben aufgehalten werden kann.

Trotz aller kritischen Punkte sagte Landfrau Hasemann auf die abschließende Frage von Moderator Fügmann, sie würde einer Frau, die einen Landwirt heiraten wollen, zuraten, „denn es ist einfach ein sehr schöner Beruf“. ssr

Rasantes Höfesterben

Mit ernüchternden Zahlen hat Achim Pohl, Vorsitzender des Landvolkes Weserbergland im Landkreis Schaumburg, beim „Grünen Abend“ aufgewartet: Gab es 1979 in Schaumburg noch 2155 landwirtschaftliche Betriebe, sind es derzeit lediglich noch 470. Bevölkerten vor 40 Jahren noch mehr als 30 000 Rinder die heimischen Ställe, seien es heute nur noch rund 1000.
Drei Landwirte gaben Einblicke in ihre derzeitige Lage: Der Probsthäger Landwirt Christian Schweer plädierte dafür, die Landwirte müssten „dafür kämpfen, dass unser Ansehen wieder zunimmt“. Er berichtete von der guten Erfahrung, durch den Betrieb einer Biogas-Anlage ein zweites Standbein aufgebaut zu haben.
Über die betriebswirtschaftlich erdrückenden Zwänge, die Ställe mit immer neuen Investitionen auf den neuesten Stand der Technik zu bringen, der den in rascher Folge kommenden neuen Richtlinien entspreche, berichtete der Pollhäger Schweine- und Rinderhalter Uwe Dettmer. Um zu überleben, habe er einige Umstellungen vorgenommen, etwa mit der Einrichtung eines Hofladens inklusive Café und die Anschaffung von Galloway-Rindern.
Dass ihr Sohn den Hof übernimmt, hofft inständig die Eveser Landwirtin Britta Vogt. Ein Hauptproblem ihres Betriebes: „Die drohende Ausdehnung des Naturschutzgebietes Bückeburger Niederung, denn genau da liegt unser Grünland als Futter für unser Milchvieh.“ ssr