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Kinderpornos und Einbruch als Racheakt?

Hausdurchsuchung Kinderpornos und Einbruch als Racheakt?

Bei einer Hausdurchsuchung in den Räumen eines Schaumburger Unternehmers hat die Polizei kinderpornografisches Material sichergestellt.

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Quelle: Symbolfoto

Landkreis. Der Fall ist in mehrfacher Hinsicht brisant: So soll es eine Verbindung zu jenem Bundespolizisten geben, der im Verdacht steht, in Hannover Flüchtlinge misshandelt zu haben. Später war der beschuldigte Beamte zusätzlich ins Visier der Justiz geraten, weil er außerdem im Besitz von Kinderpornos gewesen sein soll.

Die von der Staatsanwaltschaft Bückeburg bestätigte Hausdurchsuchung war Folge eines langen Nachbarschaftsstreits. Der in einem Wohngebiet ansässige Catering-Unternehmer hatte seine Firmentätigkeit im Lauf der Zeit immer weiter ausgedehnt, obwohl die Betriebserlaubnis dies offenbar nicht hergab. Eine in der Nachbarschaft wohnende Familie fühlte sich dadurch gestört. Bis tief in die Nacht und auch am Wochenende soll rege Betriebsamkeit geherrscht haben.

Bauamt untersagte Erweiterung

2009 spitzte sich die Situation zu. Die Nachbarn wandten sich ans Bauamt der Gemeinde, um die Rechtmäßigkeit des Geschäftsbetriebs klären zu lassen. Die Behörde gab ihnen Recht. Sie untersagte dem Caterer, zu dessen Kunden nach SN-Informationen zeitweilig auch Schulen gehört haben, die räumliche und personelle Erweiterung auf dem Gelände. Der Gastronom reagierte – so zumindest der Vorwurf der betroffenen Nachbarn und ihres Rechtsanwaltes Reiner Wötzel – mit Psychoterror.

Höhepunkt: Nach der Rückkehr aus einem Urlaub musste die Familie nach eigener Schilderung einen mysteriösen Einbruch bei sich feststellen. Das Haus sei dabei nicht verwüstet, die Kellertür nur sachte aufgehebelt worden. Gestohlen wurde eine kuriose Kombination: Der Laptop des Hausbesitzers und Unterwäsche seiner Frau.

Beides sei zwei Wochen später mit der Post zurückgeschickt worden – der Rechner eingewickelt in die Unterwäsche. Wegen zuvor empfangener Liebes-Bekundungen per E-Mail dachten die Eheleute zu diesem Zeitpunkt noch an einen Stalker, der es auf die Frau abgesehen hat. Sie wandten sich an die Polizei.

Jetzt wird es richtig mysteriös: Laut Rechtsanwalt Wötzel haben die Beamten auf dem zurückgeschickten Computer rechtsextremes und kinderpornografisches Material gefunden – sowie private Fotos jenes Schaumburger Bundespolizisten, der zu diesem Zeitpunkt bereits wegen der mutmaßlichen Misshandlung von Flüchtlingen bundesweit in die Schlagzeilen geraten war.

Festplatten sollen von der Müllkippe stammen

Dass nicht etwa dieser, sondern der Caterer für die geschilderten Vorfälle verantwortlich sein dürfte, findet die Polizei erst später heraus. Bei einem überwachten Chat zwischen dem Unternehmer und der Frau ermittelt sie die IP-Adresse des Mannes. Im Haus des Gastronomen fördern die Ermittler bei einer Durchsuchung allerlei Unheimliches zutage. Unter anderem soll der Unternehmer mit einem Teleobjektiv Hunderte Fotos von der Frau gemacht, den Kopf später ausgeschnitten und auf Bilder mit nackten Frauenkörpern geklebt haben.

Einem Abschlussbericht der hannoverschen Polizei zufolge gab es außerdem insgesamt vier Datenträger mit kinderpornografischem Material, darunter zwei Festplatten nicht näher geklärter Herkunft und der PC des Caterers. Die vierte Festplatte gehörte dem Bundespolizisten. Es war eine von sechs, die der Mann auf einer Schaumburger Müllkippe gesammelt haben will. Bei seiner Vernehmung soll der Caterer gegenüber der Polizei zugegeben haben, das Material auf den Laptop des Nachbarn gespielt zu haben. Er habe diesem schaden wollen – aus Rache für die selbst erlittenen wirtschaftlichen Verluste, für die er die Verantwortung bei der Familie sieht.

Die Staatsanwaltschaft Bückeburg hat wegen Einbruchdiebstahls einen Antrag auf Erlass eines Strafbefehls beim Amtsgericht Stadthagen gestellt. Diese Möglichkeit der Ahndung sieht das Gesetz zum Beispiel vor, wenn ein Angeklagter die Vorwürfe gegen sich einräumt und seine Schuld somit sehr wahrscheinlich ist. Das Angebot der Staatsanwaltschaft: Sechs Monate Haft auf Bewährung. Akzeptiert der Caterer dies, bleibt ihm eine Verhandlung erspart.

Caterer habe sich "kooperativ verhalten"

Komplizierter liegt die Sache bei der Kinderpornografie. Hier ermittelt die Staatsanwaltschaft Hannover. Die will den Fall mit Verweis auf laufende Ermittlungen nicht im Detail kommentieren. Laut Oberstaatsanwalt Thomas Klinge gilt es aber zunächst zu klären, ob der Caterer die Kinderpornografie nur besessen hat, um anderen zu schaden. Seinem Anwalt zufolge will der Caterer zudem lediglich über die Kinderpornografie auf der Speicherplatte des Bundespolizisten verfügt haben. Außerdem habe er sich gegenüber den Ermittlern „kooperativ verhalten“.

Die betroffenen Nachbarn hoffen, nach aufreibenden Monaten endlich wieder zur Ruhe kommen zu können. Doch danach sieht es derzeit noch nicht aus. Auch, weil ihr Widersacher noch immer gegenüber wohnt.  jcp

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