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Aus dem Landkreis Heimkehr als Motiv
Schaumburg Landkreis Aus dem Landkreis Heimkehr als Motiv
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17:10 26.10.2018
Groß rausgekommen: Maximiliane Spieß (links) und Lisa Kreißler (rechts) mit Helma Hartmann-Grolm. Quelle: vhs
Landkreis

Eine entmutigende Erfahrung teilen die beiden Autorinnen, das blieb kein Geheimnis: Absagen aus diversen Verlagen. Nun aber verließen Lisa Kreißler und Maximiliane Spieß mit dem mit 5000 Euro dotierten Kulturpreis Literatur des Landkreises Schaumburg in der Hand strahlend die Alte Polizei in Stadthagen.

Im Namen der Jury um Büchner-Preisträgerin Felicitas Hoppe, die über 17 Werke von 14 Autoren zu entscheiden hatte, skizzierte der in Rinteln wirkende Germanist Reinhard Look mit viel Feingefühl, wie sich die beiden ursprünglich aus Schaumburg stammenden Autorinnen mit dem Motiv der Heimkehr und dem Thema Heimat auseinandersetzen. Eine neue Lulu von Strauß und Torney war zum Glück nicht gesucht worden. Die Errungenschaften der Moderne stehen nicht zur Disposition. „Heimat gibt es erst, seitdem es keine Heimat mehr gibt“, spitzt Look seine Lesart zu und nennt Nietzsches „Vereinsamt“ und Kafkas „Heimkehr“ als wegweisend. Als Messlatte wird er das vermutlich nicht verstanden haben wollen.

Heimkehr ist Wagnis, das zeigt Kreißler am Beispiel ihrer Figur Edda in dem Roman „Blitzbirke“ (2014). Eine anstehende Familienfeierlichkeit droht zum Desaster zu werden. Alte Wunden platzen auf. Sorgen beschweren das Wiedersehen im Auetal unweit der lautmalerisch kreischenden Autobahn. Bleibt die Poesie der Natur, bleibt das Geheimnisvolle, das magische Züge bekommt, und die Suche nach dem erfüllten Augenblick.

Auch Spieß setzt ihre Figuren auf unsicheren Boden, Erinnerungen eines Heimkehrers werden vage, instabil, ein Rollengefüge zerbricht im Feuerschein eines bedrohlich glühenden Ziegeleiofens. „Ein Machtspiel unter Verzweifelten beginnt“, heißt es in der Begründung der Jury über das noch unveröffentlichte sprachmächtige Werk „Je länger der Tag, je kürzer der Faden“.

Floskeln aus den Lektoraten

Die preisgekrönten Autorinnen nahmen ihre Urkunde aus den Händen der stellvertretenden Landrätin Helma Hartmann-Grolm entgegen. Kreißler nutzte die Gelegenheit, um auch ihrem Hamburger Verleger Peter Reichenbach für das in sie gesetzte Vertrauen zu danken. Spieß parodierte die üblichen Floskeln aus den Lektoraten und gab verschmitzt ihrer Hoffnung Ausdruck, mit diesem Preis nun bessere Chancen zu haben.

Die beiden Cellisten Julian Büscher und Marcus Sundermeyer spielten auf, als sei man in einem Literarischen Salon alten Stils – ein anrührendes Kontrastprogramm zur Entfremdung.

Auf Lisa Kreißler wartet als nächstes in Hannover der Nicolas-Born-Debütpreis. Von Frustration keine Rede, zumal sie für ihren zweiten an Überraschungen noch reicheren Roman „Das vergessene Fest“ mit dem Hanser Verlag längst ein renommiertes Haus gefunden hat. Das dürfte auch der Mitbewerberin Spieß Mut machen in schweren Zeiten für das gedruckte Buch von Format.

Von Volkmar Heuer-Strathmann