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Heißer Ausbildungsplatz

Verfahrensmechaniker der Glastechnik Heißer Ausbildungsplatz

Mitten in den für gewöhnlich heißen Hundstagen des Sommers beginnen viele junge Menschen ihre Ausbildung. Den wohl heißesten Ausbildungsplatz in Rinteln hat unsere Zeitung besucht: die Glashütte O-I Glasspack an der Stoevesandtstraße.

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An den vollautomatisierten Maschinen, an denen glühendrote Glasmasse mit nahezu 1200 Grad Celsius in Form gepresst wird, herrscht eine nahezu infernalische Hitze.

Quelle: lb

Rinteln/Landkreis. In der Werkshalle herrschen Temperaturen um die 60 Grad. Aus Sicherheitsgründen sind lange Kleidung und festes Schuhwerk dennoch Pflicht.
Besonders an den vollautomatisierten Maschinen, an denen glühendrote Glasmasse mit nahezu 1200 Grad Celsius in Form gepresst wird, herrschen hohe Temperaturen. Hinzu kommt ohrenbetäubender Lärm, der selbst durch den Gehörschutz noch zu vernehmen ist, untermalt vom feinen Klirren fertiger Flaschen, die zu Tausenden über Förderbänder durch die Halle wandern.

Unter diesen extremen Bedingungen müssen Verfahrensmechaniker der Glastechnik einen kühlen Kopf bewahren: „Unseren Verfahrensmechanikern fallen heutzutage größtenteils überwachende Aufgaben zu. Die un- beziehungsweise angelernten Tätigkeiten übernehmen die Maschinen“, erklärt Helmut Essmann, Ausbildungsleiter bei O-I Glasspack in Rinteln. Die Glasbläserei ist demnach nur noch Kunsthandwerk.

Trotzdem sind es speziell ausgebildete Fachkräfte, die den Betrieb in einer modernen Glashütte gewährleisten: „Alle Produktionsschritte müssen genauestens aufeinander abgestimmt sein. Schon der kleinste Fehler kann fatal sein“, erklärt Essmann. Überall, wo Glas hergestellt, weiterverarbeitet oder veredelt wird, hat der Verfahrensmechaniker seinen Platz. In Teilen ist er auch für die Qualitätssicherung zuständig.

Von großer Bedeutung

Die Ausbildung zum „Verfahrensmechaniker Glastechnik“ ist deutschlandweit an nur sechs sogenannten „Glasfachschulen“ möglich. Eine davon befindet sich in Rinteln. Die Region um die Weser ist für die moderne Glasindustrie in Deutschland von großer Bedeutung: „Mit global agierenden Firmen wie der Ardagh Group in Obernkirchen oder O-I Glasspack in Rinteln haben wir hier ein Ballungszentrum in der Glasproduktion“, erklärt Sebastian Stüdemann, Teamleiter und Lehrer für Glastechnik an der BBS Rinteln.

Die Glasmacherei hat hier auch historische Wurzeln: Familie Stoevesandt gründete um das Jahr 1845 ihre erste Glashütte in Obernkirchen. Die zweite folgte ungefähr 20 Jahre später in Rinteln, auf dem heutigen Gelände von O-I Glasspack.

„Trotz rückläufiger Bewerberzahlen in den letzten Jahren ist der Verfahrensmechaniker Glastechnik noch immer ein gefragter Ausbildungsgang“, erzählt Stüdemann. Deutschlandweit sind es jedes Jahr etwa 120 Männer und Frauen, die diese Ausbildung beginnen.

An der BBS in Rinteln werden Azubis aus Rinteln, Holzminden, Obernkirchen, Bad Münder, Nienburg und Grünenplan unterrichtet. Auch Lehrkräfte sind rar: Den Lehrberufsstudiengang Glastechnik gibt es nicht. Die Lehrkräfte müssen in speziellen Kursen nach dem Studium geschult werden.

Neue Aktente gesetzt

Der Ausbildungsgang selbst hat sich mit der Zeit und der voranschreitenden Industrialisierung stark verändert: Aus dem einst handwerklichen Glasmacher wurde zunächst der Maschinenglasmacher. Später der Industrieglasfertiger und eben heute der Verfahrensmechaniker Glastechnik. „Durch die Reform wurden Ausbildungsinhalte dem Stand der Technik angepasst und zudem neue Akzente gesetzt, etwa bei Teamarbeit und Umweltschutz“, erläutert Stüdemann.

Die Vielfalt der unterschiedlichen Produkte und Herstellungsverfahren verlangt eine flexible und hoch spezialisierte Ausbildung. „Einsatzbereich und Tätigkeiten unterscheiden sich je nach hergestelltem Endprodukt“, weiß Helmut Essmann. „Verfahrensmechanikern bieten sich gute Aufstiegs- und Weiterbildungsmöglichkeiten. Glas ist und bleibt ein spannendes Produkt, dass auch in Zukunft höchst gefragt sein wird.“  lb

Die Ausbildung

 Im ersten Jahr der insgesamt drei jährigen Ausbildung wird den Azubis neben praktischen Inhalten in der Lernwerkstatt und im Betrieb auch ein enormes Maß an Theorie an die Hand gegeben: So bilden Fächer wie Chemie, Physik und Mathematik das Rückgrat der schulischen Ausbildung.

 Im zweiten Jahr folgt dann eine Zwischenprüfung: „Bei dieser ist ein Durchfallen aber nicht möglich“, erklärt Sebastian Stüdemann, Lehrer für Glastechnik an der BBS Rinteln. „Es handelt sich hierbei vielmehr um eine Leistungsstandmessung denn um eine Bestehensprüfung wie bei anderen Ausbildungen.“

 Im dritten und letzten Ausbildungsjahr dreht sich alles hauptsächlich um die Veredelung und Verarbeitung von Glas bis hin zum fertigen Endprodukt.

 „Zu diesem Zeitpunkt können unsere Azubis im Betrieb für einige Zeit schon vollwertig zum Normalbetrieb beitragen und leisten sehr gute Arbeit“, berichtet Helmut Essmann von den Erfahrungen der letzten Jahre.  lb

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