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Herausforderung Demenz

Geborgenheit vermitteln Herausforderung Demenz

Mit steigender Lebenserwartung steigt auch das Risiko, an Demenz zu erkranken. 1,5 Millionen Menschen sind nach Angaben der Deutschen Alzheimer Gesellschaft betroffen, Tendenz steigend. Pflegeeinrichtungen und Krankenhäuser in Schaumburg stellt diese Entwicklung vor große Herausforderungen.

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Demente Personen brauchen das Gefühl von Normalität.

Quelle: dpa

Landkreis (kcg). Wie begegnet man einem Menschen im Pflegealltag, bei dem Orientierungsfähigkeit, Gedächtnis und Denkvermögen immer mehr verloren gehen? Für einen demenziell erkrankten Menschen ist der Wechsel aus der vertrauten Umgebung ins Krankenhaus extrem schwierig, erklärt Nina Bernard, Sprecherin des Klinikums Schaumburg. Das Unbekannte löse Ängste aus, medizinische Eingriffe würden von den dementen Patienten meist nicht nachvollzogen werden können. Auch die Schmerzerkennung sei für Ärzte und Pflegende problematisch, da vor allem Hochdemente die Fähigkeit verlieren, ihre Schmerzen verbal zu äußern. „Alte Patienten mit Demenz haben häufig einen größeren Bewegungsdrang, müssen begleitet werden und brauchen mehr Zuspruch“, fasst Bernard zusammen.
Das Klinikpersonal in Bückeburg, Stadthagen und Rinteln reagiere auf die besonderen Bedürfnisse Dementer, indem zum Beispiel die Angehörigen als vertraute Personen in den gesamten Behandlungsablauf integriert werden. Gewohnheiten und Vorlieben des Patienten sollen in den Pflegealltag einbezogen werden. „Grundsätzlich bemühen wir uns zudem, besonders auf die Angehörigen einzugehen, sich Zeit für ihre Fragen zu nehmen und ihnen zum Beispiel über unseren Sozialdienst Beratungsangebote zu vermitteln“, sagt Pflegedirektorin Susanne Sorban.
Biografie, Rituale, Werte und Gewohnheiten eines Menschen mit Demenz stehen auch im Fokus von Pflege und Betreuung im Kreisaltenzentrum in Stadthagen. „Demenz ist nicht gleich Demenz“, erklärt Einrichtungsleiterin Anette Ebeling. Umso wichtiger sei es, ganz individuell auf die betroffenen Bewohner und ihre Bedürfnisse einzugehen. Das gelinge zum Beispiel durch besondere Wohnformen und den wertschätzenden Umgang mit den dementen Bewohnern.
Um sich auf Bewohner mit Demenz einzustellen, seien die Pflegekräfte besonders geschult und würden vor allem nach dem sogenannten Lebensweltkonzept arbeiten. Dieses sieht vor, der dementen Person ein Höchstmaß an Normalität zu geben. So seien zum Beispiel speziell gestaltete Räume mit Möbeln und Gegenständen, die den alten Menschen aus der Kindheit vertraut sind, Teil des Konzepts. Diese sollen ein Gefühl der Geborgenheit vermitteln. Auch die familiär strukturierten, kleinen Hausgemeinschaften würden Menschen mit Demenz ermöglichen, ihr vertrautes Leben in gewohnten häuslichen Strukturen so lange wie möglich fortzuführen.
Wie sehr sich der Umgang und die Kommunikation mit dementen Menschen in den vergangenen 20 Jahren verändert haben, erklärt Ralf Ober, Leiter des Seniorenheimes in Trägerschaft des Reichsbundes freier Schwestern in Rinteln. Ober macht den Wandel anhand eines Beispieles klar: „Wenn ein hochdementer 97-Jähriger rastlos durch den Wohnbereich läuft, im Glauben, er müsse nach Hause zu den Eltern, hat man ihn früher darauf hingewiesen, dass er längst kein Kind mehr sei und dass seine Mutter schon lange nicht mehr lebt.“ Die Folge sei fatal, denn der ohnehin verunsicherte Mensch spüre wieder die Verzweiflung über den Tod der Mutter.
Dieser Konfrontation mit der Realität setze man heute das Konzept der Validation entgegen. Ursprünglich bedeutet der Begriff, die Gültigkeit einer Aussage zu bestätigen. Übertragen auf die Pflege von Menschen mit Demenz könnte man Validation mit Wertschätzung übersetzen: Wertschätzung dessen, was der Betroffene zum Ausdruck bringt, verbunden mit dem Versuch, sich in seine Gefühlslage einzufühlen und auf seine Befindlichkeit einzugehen. Das Ziel: Dem Erkrankten zu vermitteln, dass er verstanden und ernst genommen wird.
Im Fall des verwirrten 97-Jährigen heißt das, seine Unruhe zu akzeptieren, seine Gefühle anzuerkennen und den Gedanken an die Mutter und das Elternhaus aufzugreifen. „Zum Beispiel durch die Frage nach dem Wesen der Mutter und den Geschwistern“, sagt Ober. 

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