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„Hinterher weiß man, ob der Beruf wirklich passt“

Landkreis / Praktika „Hinterher weiß man, ob der Beruf wirklich passt“

Versiert und nett zeigt Edina Buljevic der betagten Kundin, wo in den Regalen die Tütchen mit dem Backpulver stehen. Die 16-jährige Stadthägerin war vier Wochen lang als Praktikantin im Netto-Markt an der Straße Am Bahnhof in Stadthagen tätig. Sie ist eine von 130 jungen Leuten der Berufsfachschule Wirtschaft an den Berufsbildenden Schulen (BBS) in Stadthagen, die in der Kreisstadt und der unmittelbaren Umgebung ein einmonatiges Praktikum absolviert haben.

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Edina Buljevic berät eine Kundin beim Einkauf im Netto-Markt. © rg

Landkreis (ssr). Die erst 2009 gegründete Berufsfachschule Wirtschaft qualifiziert junge Leute ein Jahr lang für die Berufsfelder Einzelhandel, Groß- und Außenhandel sowie Bürodienstleistungen. Für den erstgenannten Bereich ist ein Hauptschul-, für die anderen ein Realschulabschluss nötig. Die Inhalte dieser Schulform sind nach Auskunft von BBS-Teamleiter Uwe Steding identisch mit denen des ersten Ausbildungsjahres des jeweiligen „Zielberufes“.

Der erfolgreiche Besuch kann auf freiwilliger Basis als erstes Ausbildungsjahr anerkannt werden. Ob Betriebe dann zur Einstellung gleich ins zweite Jahr bereit sind, „variiert fachrichtungs- und einzelfallbezogen“, weiß Steding. Unter bestimmten Bedingungen könne am Ende der Berufsfachschule Wirtschaft zudem der Hauptschulabschluss wiederholt und damit möglichst verbessert sowie der Erweiterte Realschulabschluss nachgeholt werden.

Teil dieser berufsspezifischen Ausbildung ist das vierwöchige Praktikum. „Ein ganzer Monat ist eine sehr sinnvolle Zeitspanne“, sagt Carlo Calvo (18), der beim Raiffeisen-Landbund war. Das sei lang genug, „um hinterher wirklich zu wissen, ob der Beruf passt“. Das gilt auch anders herum: „Nach einem Monat kennen wir den Praktikanten so gut“, erklärt Ausbilder Jörg-Peter de Vijlder von Raiffeisen, „dass wir ihm fundiert den Beruf empfehlen oder davon abraten können – oder ihm sogar einen Ausbildungsplatz anbieten wollen.“

Der Niedernwöhrener Realschulabsolvent Calvo hatte sich im vergangenen Sommer zwar bei einem Büro-Betrieb beworben, „aber das hatte irgendwie nicht gepasst“. Dann entschied er sich für die Fachschule, „um ein Jahr Zeit zu haben, mich dem Berufsbild Bürodienstleistung anzunähern“.

Mit Erfolg: „Theorie-Unterricht und vor allem das Praktikum haben mich sicherer gemacht.“ Ganz klar zielt er einen Job im kaufmännischen Büro an, aber: „Es war gut, hier im Markt die damit zusammenhängende körperliche Arbeit kennenzulernen.“

„Richtig toll gefallen“ hat es der Stadthägerin Viktoria Renner (17) in der Drogerie-Abteilung des Ratio-Marktes. Nicht nur Regale einräumen hat die Hauptschülerin müssen, sondern „Einblick in viele qualifizierte Tätigkeitsfelder bekommen“. In der Fachschule hatte sie theoretisch die Kalkulation von Großbestellungen gebüffelt, „jetzt konnte ich das in der Praxis nachvollziehen“. Betreuer Klaus Paulußen, der mit Viktorias Leistungen sehr zufrieden ist, hofft, dass diese bei Ratio eine Lehrstelle erhalten wird.

Dabei bleiben will auch Edina Buljevic. Schon als kleines Kind habe sie liebend gerne „Kaufmannsladen gespielt“, verrät sie. Während des Praktikums bei Netto hat sie zudem gemerkt, „wieviel Spaß mir Kontakte mit Kunden machen“.

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