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Aus dem Landkreis Hinweise auf Wolf im Bückeberg
Schaumburg Landkreis Aus dem Landkreis Hinweise auf Wolf im Bückeberg
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18:08 09.02.2017
Die Experten sind sich einig: Mit hoher Wahrscheinlichkeit stammen die Spuren von einem Wolf. Der endgültige Beweis steht aber noch aus. Quelle: dpa
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Landkreis

Wolfsbeobachter Dr. Florian Brandes bestätigt gegenüber dieser Zeitung: „Mit hoher Wahrscheinlichkeit war dies ein Wolf.“ Ist der erste Wolf im Schaumburger Land aufgetaucht? Die Hinweise hätten sich „verdichtet“, erklärt das Kreisforstamt „Spießingshol“ und hat die Waldkindergartengruppen im Bückeberg sowie sonstige Kindergärten und Grundschulen im Bereich der Bergkette informiert.

Rehkadaver mit eindeutigen Bissspuren

In den letzten 14 Tagen habe es „diverse Hinweise“ gegeben, sagt Lothar Seidel vom Kreisforstamt, in Sachsenhagen, aber auch im Bückeberg. Nach einem Foto einer Wildkamera im Bereich Sachsenhagen/Auhagen wurden am vergangenen Freitag auch im kreiseigenen Forstrevier Brandshof in Mitten des Bückeberges eindeutige Hinweise auf den Aufenthalt eines Wolfes festgestellt. Zudem habe man einen Rehkadaver gefunden, der eindeutige Bissspuren aufgewiesen habe. Wegen der schon recht fortgeschrittenen Verwesung des Kadavers habe man keine Speichelproben nehmen können, aber Haarbüschel in einer Brombeerranke gefunden. Zusammen mit Wolfsbeobachter Dr. Florian Brandes habe man die „gesamte Spurenlage“ aufgenommen und der Eindruck habe sich bei allen verfestigt: „Mit hoher Wahrscheinlichkeit war dies ein Wolf.

Die sichergestellten Haarbüschel werden genetische DNA-Untersuchungen ermöglichen, dann könnte ein echter Beweis über die Anwesenheit des ersten Wolfes im Bückeberg vorliegen. Ob sich das Tier weiterhin im Bückeberg aufhalte, ist allerdings nicht bekannt. Möglicherweise sei es auch schon weitergezogen.

Waldkindergarten am Dienstag informiert

Dementsprechend wenig beunruhigt zeigte sich Nicole Flachsbart, Beisitzerin im Vorstand des Waldkindergartens Bückeberg, auf SN-Anfrage. „Die Kinder sind ganz normal draußen“, betonte sie am Telefon. Am Dienstag sei der Waldkindergarten informiert worden, am Mittwoch die Information an die Eltern weitergegeben. Die Erzieher hätten zusammen mit den Kindern abermals einstudiert, wie man sich gegenüber einem Wolf verhalten müsse.

Klaus Heimann, Pressesprecher des Landkreises Schaumburg, erklärt, man habe für die betroffenen Kita- und Schul-Einrichtungen die Informationen transportiert, „das schien uns richtig.“ Man werde „intensiv und sachlich“ informieren, so Heimann. Seidel sieht das ähnlich: Ein Wolf sei ja kein kleiner Hund, „man muss das ernst nehmen.“

Doch was tun, wenn man im Wald tatsächlich zufällig einen Wolf trifft? Das Tier ziehe sich in der Regel zurück, wenn er Menschen bemerke. Wölfe sind scheue Tiere. Wolfswelpen seien allerdings neugierig und agieren oft weniger vorsichtig als erwachsene Tiere.

Wichtige Verhaltensregeln

Vier Verhaltensregeln führt Seidel auf, die der Mensch befolgen könne, wenn man sich bei einer Begegnung mit einem Wolf „unwohl“ fühle:
Man solle sich bemerkbar machen, durch rufen, reden oder in die Hände klatschen. Langsam und ruhig zurückgehen. Nicht wegrennen. Und auf gar keinen Fall die Wölfe füttern, sonst könnten sie ihre Scheu verlieren.

Seit fast zwei Jahrzehnten breitet sich der Wolf in Deutschland wieder aus, zwischen Chemnitz und Cuxhaven leben derzeit 46 Rudel, rechnete die Tageszeitung „Welt“ gestern vor und verwies auf die steigende Zahl der gerissenen Schafe: 2002 waren es 33 Tiere, 2015 schon fast 600. rnk

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