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Hoch hinaus

Mit Elan in den Bundestag Hoch hinaus

Sechs Kandidaten von sechs Parteien bitten für die Bundestagswahl am 24. September um die Stimmen der Schaumburger. Zwei Amtsinhaber treffen auf vier Newcomer. Doch wer sind die Menschen, hinter deren Namen die Schaumburger ein Kreuzchen machen sollen? Wir haben sie zu Hause besucht. Teil 1: Maik Beermann.

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Maik Beermann mit seiner dreijährigen Tochter Ida. Wenn er in seiner Heimat Wendenborstel ist, fährt er seine Tochter auch schon mal mit dem Trecker zum Waldkindergarten.

Quelle: JEMI

Landkreis. Bei der Vorstellung, mit seiner Familie  mitten in einem typischen Berliner Kiez wie Kreuzberg zu wohnen, muss Maik Beermann doch etwas schmunzeln. Nein, das kann er sich eigentlich nicht vorstellen. „Ich fahre wirklich gerne am Montagmorgen nach Berlin, um dort zu arbeiten.“ Aber er freue sich auch, am Freitagabend wieder zurück nach Hause zu fahren. Und zwar nach Wendenborstel im Landkreis Nienburg, seinem Heimatort seit 35 Jahren. Dort ist er verwurzelt und dort warten seine Frau Sonja und die mittlerweile drei Töchter. „Das bekommen nicht viele Bundestagsabgeordnete hin: Drei Kinder in einer Wahlperiode zu bekommen“, sagt Beermann durchaus stolz. Neben der dreijährigen Ida kamen vor gut drei Monaten auch noch die Zwillinge Emmi und Leni dazu.

Das Leben änderte sich schlagartig

Aber nicht nur familiär ging es bei Beermann rasant zu. Auch beruflich: Als er vor vier Jahren etwas überraschend für die CDU in den Bundestag in Berlin einzog, änderte sich das bis dato beschauliche Leben schlagartig. Er sei mit viel Demut an die Aufgabe herangegangen, schließlich dürfe er an der politischen Willensbildung mitarbeiten – ein Privileg. An die Tatsache, dass er häufig die Kanzlerin oder bekannte Minister treffe, habe er sich schnell gewöhnt.

Der Welpenschutz sei ebenso schnell vorbei gewesen, erinnert er sich. Dass man Kritik einstecken müsse, sei für ihn in Ordnung. Wie allerdings von Zeit zu Zeit die Hemmungen in den sozialen Netzwerken fallen, sei gewöhnungsbedürftig. Durchsetzungsvermögen, Geduld und breite Schultern seien daher für die Arbeit unerlässlich. In Berlin ist er vor allem für die Themen rund um Familien, Senioren, Frauen und Jugend und für die digitale Agenda zuständig. Eine Art „Fachidiot“ zu sein, wie es der 35-Jährige nennt, habe er von der Kommunalpolitik nicht gekannt. Da sei es völlig normal gewesen, über alle Themen Bescheid zu wissen und für die Anliegen der Bürger zuständig zu sein. Dass er im Bundestag zu einer Minderheit gehört – er ist einer von 16 Prozent ohne akademischen Abschluss – sieht er in keiner Weise als Nachteil. Im Gegenteil. Er hält es für wichtig, dass auch Abgeordnete ohne Abitur und Studium, so wie er, die Menschen vertreten: „Der Bundestag muss die Gesellschaft widerspiegeln. Das macht er derzeit nicht.“

Auch wenn er an seiner Heimat hängt, vor allem an der 105-jährigen Hofstelle, auf der er mit seiner Familie, seinen Eltern und seinem Bruder und dessen Frau wohnt, möchte er unbedingt im Bundestag bleiben. Die vier Jahre seien viel zu schnell vorbei gewesen. Wie vor der letzten Bundestagswahl steht er wieder auf Platz 26 der Landesliste. Auf die Frage, ob er seinen Listenplatz als wenig optimal einschätzt, sagt er offen heraus: „Ich sage eher, dass er ziemlich scheiße ist.“ Wird er nicht direkt gewählt, muss er sich erneut über die Liste in den Bundestag zittern.

Positive Worte für Edathy

Da sein Wahlkreis Nienburg/Schaumburg traditionell eine sozialdemokratische Hochburg ist, ist ein Direktmandat eine Herausforderung. Lediglich zwei Mal ist das seit 1949 gelungen, weiß Beermann. Bei der Bundestagswahl 2013 hatte Sebastian Edathy von der SPD die Nase knapp vorn. Trotz aller negativer Schlagzeilen, zu denen Beermann nichts sagen möchte, hat er für seinen damaligen Konkurrenten positive Worte übrig: „Er hat das wirklich gut gemacht, hat sich auf vielen Veranstaltungen im Landkreis sehen lassen.“ Er habe sich mit den Menschen identifiziert.

Einen Plan B gibt es bei einem Scheitern nicht, sagt Beermann. „Ich konzentriere mich zu 100 Prozent auf meinen jetzigen Job.“ Um Eventualitäten könne er sich kümmern, wenn es konkret werde. Aber daran denke er nicht.

Auch wenn sich seine Frau Sonja sicher freuen würde, wenn ihr Mann wieder mehr in Wendenborstel wäre, drückt sie ihm die Daumen: „Natürlich müssen wir oft auf ihn verzichten, aber die Politik ist seine Berufung.“ Unterstützung mit den drei kleinen Kindern erhält sie sowohl von ihren als auch von Beermanns Eltern. „Ida liebt ihre Opas und verbringt gerne Zeit mit ihnen“, sagt Sonja Beermann.

Familie steht für ihn an erster Stelle

Die Familie stehe für beide stets an erster Stelle. „Ich bin dankbar, dass meine Eltern noch so fit sind“, sagt Maik Beermann. Das Drei-Generationen-Wohnen sei in der heutigen Zeit kein so gängiges Modell mehr. Er wisse es aber sehr zu schätzen. Manche Traditionen, wie das gemeinsame Mittagessen bei seinen Eltern, seien nicht wegzudenken. Natürlich gebe es auch in seiner Familie Konflikte, doch dann sei genug Platz, sich aus dem Weg zu gehen. Der ehemalige Schweinestall und die Strohlagerhalle wurden zu den heutigen Wohnungen ausgebaut.

Mit 31 in den Bundestag

Auch wenn Sonja Beermann früh wusste, dass ihr Mann ein Faible für Politik hat, hatte sie nicht geahnt, in welche Richtung ihn die Politik noch führen werde. In der Schule war er Klassensprecher, mit 15 Jahren trat er in die Junge Union ein, mit 19 Jahren war er Mitglied im Gemeinderat. In den Bundestag zog er dann mit 31 Jahren. Er ist aber nicht nur in der Politik engagiert. Vor allem die Mitgliedschaft im Schützenverein ist eine lange Tradition bei den Beermanns. Der 35-Jährige ist dort Vorsitzender. Tradition habe auch etwas mit der Identität einer Region zu tun, ist er sicher. Auch seine Zwillinge haben die Wichtigkeit des Schützenfests offenbar bereits erkannt. Sie kamen – vier Wochen zu früh – am Schützenfest-Wochenende zur Welt. Die Geburt ging zum Glück so schnell, dass Beermann am nächsten Tag wieder pünktlich zum Königsfrühstück erscheinen konnte.

Bei mindestens 25 Schützenfesten sei er in diesem Sommer gewesen. Die genaue Anzahl bekomme er nicht mehr zusammen. „Eine Sache kann man mir nicht vorwerfen, denke ich, nämlich nicht bürgernah zu sein.“ Er habe das Ohr stets am Bürgersteig und scheue keine Begegnung.

Nun ist er gespannt, wie die Wähler seine Arbeit bewerten. Erfahren wird er es am 24. September, am Tag der Bundestagswahl. Es werde auf jeden Fall eine Feier am Abend geben. Im Gasthaus Beermann in Wendenborstel. jemi

Beermann am Schlagzeug

Ich könnte nicht leben ohne... meine Frau Sonja und meine drei Töchter Ida, Emmi und Leni.
Meinen Wahlkreis finde ich... vielseitig, landschaftlich schön, versehen mit einem besonderen Schlag an Menschen, die ihre Heimat lieben.
Das beste Essen gibt es bei... meiner Mama Christa und bei meiner Schwiegermutter Carola.
In einer Rockband... säße ich am Schlagzeug und würde „Rockin’All Over the World“ von Status Quo anstimmen.
An Berlin gefällt mir gar nicht... , dass zum Teil viel zu viel und zur gleichen Zeit gebaut wird und dafür jeder Quadratzentimeter genutzt wird – mehr „grün“ wäre schön.
Wenn mein erster Chef mich heute sehen würde... , dann würden wir über alte Zeiten sprechen und ein Bier zusammen trinken.

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