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Hofläden setzen auf Ehrlichkeit

Vertrauenssache Hofläden setzen auf Ehrlichkeit

Sonntagabend und alle Geschäfte haben geschlossen, man selbst aber hat noch Lust auf Bratkartoffeln mit Spiegelei. Nur: weder Kartoffeln noch Eier im Haus. Da ist guter Rat teuer. Außer man hat einen Hofladen in der Nähe, bei dem sich schnell die nötigen Zutaten in Selbstbedienung kaufen lassen.

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Auf dem Hof Schneider in Pollhagen setzt die Familie mit ihrem Selbstbedienungs-Verkaufshäuschen auf Vertrauen. In der Kasse, die Renate Schneider in der Hand hält, befindet sich sogar Wechselgeld.

Quelle: rg

Landkreis. Und das in den meisten Fällen in dem Vertrauen, dass die Kunden ihre Waren auch bezahlen. Weil dem jedoch nicht immer so ist, hat der Hofladen Wurstmolle Deseniß in Riepen von dem Prinzip Vertrauen auf einen SB-Automaten umgestellt. Vier Jahre lang hatte die Familie Kartoffeln, Eier und Dosenwurst zusätzlich zum Hofladen über eine offene Holzbude mit Kasse verkauft. Zwar seien 99 Prozent der Kunden ehrlich gewesen, „aber wenn es einen gibt, der ständig die Bude ausräumt, muss man handeln“, sagt Heike Deseniß mit Bedauern.

Für alle ein Gewinn

Zwei Jahre lang sei der Verkauf über Selbstbedienung ganz aufgegeben worden, bevor in den SB-Automaten investiert wurde. Mit dieser Variante habe es noch keine Probleme, also etwa Vandalismus, gegeben. Es sei schließlich für beide Seiten ein Gewinn: „Der Kunde kann sich darauf verlassen am Sonntag, wenn kein Verkauf ist, bei uns noch seine Kartoffeln zu bekommen, und wir haben noch Einnahmen.“ Über eine Kameraüberwachung habe sie zu keinem Zeitpunkt nachgedacht, für Deseniß steht fest: „Dann würde ich es nicht mehr machen.“

Zeitweise versucht mit einer Kamera hat es Stefan Schneider. Auf seinem Hof in Pollhagen steht eine große Gartenhütte, über die der gesamte Verkauf läuft. Dort steht auch eine Kasse mit Wechselgeld. Angefangen hat die Familie mit Blumenfeldern zum Selbstpflücken. Davon ausgehend wurde der Betrieb Stück für Stück ausgebaut. Auch seine Kunden seien nicht immer alle ehrlich. Immermal wieder merke er, dass Ware fehle und zu wenig Geld in der Kasse liege.

Dreiste Kürbisdiebe

Deswegen habe er für eine Weile tatsächlich eine Überwachungskamera installiert, „aber ich kann darauf ja nicht erkennen, wie viel Geld jemand in die Kasse wirft“. Andere Langfinger seien da nicht so zurückhaltend. Ganz dreist seien einmal Kürbisdiebe gewesen. „Wir standen zu dritt auf dem Hof, als plötzlich ein Wagen angefahren kam, anhielt, jemand raussprang, sich einen dicken Kürbis schnappte und wieder in das Auto sprang.“ Über diesen Vorfall kann Schneider nur den Kopf schütteln: „Wenn Leute so arm sind, dass sie ihr Essen stehlen müssen…“

Dies seien jedoch nur Einzelfälle, meistens seien es ja Stammkunden, die auf den Hof kommen, um sich Äpfel, Kartoffeln, Marmelade oder Wurst zu holen. Schneider kreuzt die Finger: „Toi toi toi, dass Diebe die Ausnahme bleiben.“ Zeit und Aufwand lohnten in den meisten Fällen auch nicht den Gang zur Polizei, um eine Anzeige zu erstatten.

Der Trend hin zum Automaten sei zwar schön, aber „wir glauben nicht, dass es sich für uns rechnet“, so Schneider. Schließlich koste ein solcher Automat um die 10000 Euro. Und schließlich wolle er auch nicht alle Kunden unter Generalverdacht stellen, auch wenn das vielleicht gutgläubig sei. „Wir probieren, viel präsent zu sein und die Kunden direkt anzusprechen.“

Unehrlichkeit hält sich in Grenzen

Auf dem Biohof Deterding in Wiedensahl steht schon seit mehr als einem Jahrzehnt ein Häuschen, in dem Kartoffeln zum Verkauf gelagert werden. Eine alte fest verschraubte Milchkanne dient als Kasse, erzählt Gudrun Deterding. Auch bei ihr komme es hin und wieder zu Diebstählen, auch dass das gesamte Häuschen leer geräumt wurde, sei bereits vorgekommen. Ihren Humor hat Deterding aber nicht verloren: „Uns macht es nicht arm.“ Außerdem halte sich die Unehrlichkeit noch so in Grenzen, dass die Familie auf die Art des Verkaufes nicht verzichten möge.

Und überhaupt: Die meisten Kunden seien ehrlich. „Es lagen auch schon Zettel drin mit dem Hinweis, dass der Kunde kein Kleingeld dabei hatte und morgen wiederkommt“, sagt Deterding, bevor sie wieder zu ihren Kartoffelpuffern auf dem Herd eilt. col

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