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Hofreitschule Bückeburg: Blick hinter die Kulissen

Thema des Tages Hofreitschule Bückeburg: Blick hinter die Kulissen

Die Fürstliche Hofreitschule in Bückeburg ist einzigartig in Deutschland. Als „lebendiges Pferdemuseum“ will sie die 250 Jahre alte Reitkunst des Barock erhalten und Interessierten näher bringen. 50 000 Zuschauer jährlich staunen während der Vorführungen über das Zusammenspiel von Pferd und Reiter. Ein Blick hinter die Kulissen.

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Wenn morgens um sieben die Türen zum Stall aufgehen, spitzen 26 Hengste die Ohren. Jetzt geht die Arbeit los – nicht nur für die Vierbeiner, die im historischen Marstall des Bückeburger Schlosses zu Hause sind. Vor allem die zweibeinigen Mitarbeiter des „lebendigen Pferdemuseums“ haben bereits am frühen Morgen alle Hände voll zu tun. Denn um zehn Uhr muss alles picobello sein. Dann öffnet die Fürstliche Hofreitschule ihre Türen für die Besucher, an fast 365 Tagen im Jahr.
Seit 2004 wird dort, wo bis in die fünfziger Jahre die Reit- und Fahrpferde des Schaumburg-Lippischen Fürstenhauses untergebracht waren, wieder barocke Reitkunst auf alten Barockpferderassen zelebriert. Historisches Vorbild für das Engagement des Teams um Wolfgang, Christin und Diana Krischke sind Zucht und Reitkunst des 18. Jahrhunderts in der Residenzstadt. Damals unterrichteten in Bückeburg zahlreiche Reitmeister der berühmten Spanischen Hofreitschule in Wien, und die am Fürstenhof gezüchteten „Bückeburger“ waren in ganz Europa bekannt und geschätzt. Heute lassen sich jedes Jahr 50 000 pferdebegeisterte Besucher in rund 250 Vorführungen in die Zeit des Barock entführen. Marstall, Sattelkammer und Reithaus sind „lebendiges Pferdemuseum“, in dem nicht nur die vom Aussterben bedrohten Barockpferderassen im Mittelpunkt stehen, sondern die partnerschaftliche und auf gegenseitigem Vertrauen basierende Zusammenarbeit zwischen Mensch und Tier.
Heu in die Boxen streuen, Abmisten, Kraftfutter füttern und die ersten Hengste auf die Weiden bringen: Bevor die Hofreitschule für die Öffentlichkeit geöffnet wird, arbeitet das Mitarbeiter-Team bereits auf Hochtouren. Die Pferde werden geputzt und für die Besucher hübsch gemacht. Dann ist der Stall dran. Es wird gefegt, Staub gewischt, Spinnenweben beseitigt. Und manchmal geht eine Bereiterin oder eine Elevin – so heißen traditionell die Reitschüler der Hofreitschulen – mit dem Staubsauger durch die Ecken, vor allem im Museum und in der Sattelkammer.
Insgesamt zehn Pferdeexperten kümmern sich um ihre vierbeinigen Schützlinge: 26 Hengste von neun Rassen, darunter Knabstrupper, Lipizzaner, Andalusier, Berber und Bückeburger. Keiner der Mitarbeiter konzentriert sich auf ein bestimmtes Aufgabengebiet, jedes Teammitglied übernimmt mehrere Arbeiten. „Die ,eierlegende Wollmilchsau‘ ist in einem kleinen Betrieb wie unserem unverzichtbar“, schildert Diana Krischke. Die Tochter der Hofreitschulgründer Wolfgang und Christin Krischke ist Bereiterin und kümmert sich zusätzlich um die Öffentlichkeitsarbeit und den Webshop. Familie Krischke ist stolz, sieben jungen Menschen die Chance zu geben, die Hofreitschule mitzugestalten. Ob Hausmeister Xaver, die Ansprechpartner am Telefon und im Shop, Janna, Maike und Anne, sowie die ausgebildeten Pferdewirtinnen Rebecca und Dorothea und die Elevin Patrizia – sie alle eint die passionierte Liebe zu den Pferden.
Diese schlägt sich vor allem in der Arbeit mit den Tieren nieder. 16 speziell ausgewählte und ausgebildete Hengste und ihre Reiter zeigen in den öffentlichen Vorführungen die 250 Jahre alte Reitkunst des Barock. Ob sie körperliches Potential haben für den Job in der Hofreitschule, ist nach Auskunft von Diana Krischke bereits sehr früh zu erkennen. „Aber die Pferde müssen auch Spaß an ihrem zukünftigen Beruf haben, sie müssen Zuschauer lieben“, sagt die Expertin und erklärt: „Wir suchen die Klassenclowns aus der Herde, die, die für ein bißchen Aufmerksamkeit alles tun – das sind auch die, die sich gern präsentieren.“
Mit vier Jahren geht es für den Junghengst in die Remontenschule. Während der Arbeit am Boden lernen sich Pferd und Reiter kennen und fassen Vertrauen zueinander. Es geht darum, sich aufeinander einzulassen, sich zu respektieren als Fundament für ein sanftes, unkompliziertes Anreiten. Hat der vierbeinige Schüler die ersten Male einen Reiter getragen, geht er wieder für einige Wochen zurück in die Herde. Dann werden in sogenannten Blockwochen immer wieder Fortschritte beim „Lernen lernen“ gemacht, mit vielen Pausen zwischendurch, ganz nach dem Vorbild der alten Meister, die im Barock ihre Pferde nicht vor Ablauf ihres siebten Lebensjahres in die volle Arbeit nahmen. „In dieser Zeit stellt sich auch heraus, welchen Bereiter das Pferd am liebsten mag, denn eine gute, zuverlässige Verbindung zwischen Mensch und Pferd entsteht nur durch absolutes Vertrauen, Sympathie und das Verzeihen von Fehlern auf beiden Seiten“, betont Diana Krischke.
So gibt es in der Hofreitschule nach Auskunft Krischkes auch keine strengen Regeln, wann welches Pferd bestimmte Übungen gelernt haben soll.
Die Ausbildung des Pferdes hört nie auf, meint die erfahrene Bereiterin. „Auch die älteren Hengste lernen mit über 20 Jahren noch ständig weiter und nehmen, solange sie Spaß an ihrem Beruf haben, auch an den Vorführungen teil.“ Sollte ein Hengst irgendwann die Lust verlieren und nicht mehr gern jeden Tag mit Imponiergehabe verbringen, wird er nicht dazu gezwungen, täglich Höchstleistung zu zeigen. „Da darf man nicht egoistisch denken“, führt Hofreitschul-Direktorin Christin Krischke aus, denn „das Wohlergehen der vierbeinigen Balletttänzer geht immer vor. Da Pferde keinen Schmerzlaut kennen, müssen wir immer fragen, wie es ihnen geht und dürfen nicht erwarten, dass die gleiche Leistung jeden Tag abgefordert werden kann, wie von einer Maschine.“ Es freue sie vielmehr, dann einfach nur ein bißchen mit dem Tier zusammen zu sein, vielleicht spazieren zu gehen oder ein Spielchen zu machen. „Ein Pferd möchte nicht hergenommen und in schlechten Zeiten einfach weggestellt werden.“
Und so würden sich alle Schulhengste weit mehr auf die täglichen 20 Minuten Arbeit mit ihrem Menschen freuen als zum Beispiel auf die Weide, meint Christin Krischke. „Manche sind wahre Stubenhocker, stehen nach zehn Minuten wieder gelangweilt am Zaun und möchten reingeholt werden.“ Im Stall ist schließlich immer etwas los.
Die Fürstliche Hofreitschule in Bückeburg ist von 10 bis 17 Uhr, am Wochenende bis 17.30 Uhr geöffnet. In den Ferien sind die Trainings öffentlich. Infos unter www.hofreitschule.de

kcg, r

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