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Hohnhorster Pastor bezeichnet Homosexualität als Sünde

Superintendent distanziert sich Hohnhorster Pastor bezeichnet Homosexualität als Sünde

Wirbel ausgelöst haben Äußerungen des Hohnhorster Pastors Gero Cochlovius zum Thema Homosexualität. In einer Fernsehsendung des NDR erklärte der evangelische Geistliche, „praktizierte, ausgelebte Homosexualität“ entspreche nicht dem Willen Gottes, es sei richtig, hier von Sünde zu sprechen.

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Pastor Gero Cochlovius genießt das Vertrauen seines Kirchenvorstandes. Andere Kirchenvertreter distanzieren sich teils scharf von seinen Aussagen zu Homosexualität. 

Quelle: rg

Landkreis. Vor Jahren hatte Cochlovius bereits gepredigt, dass man Homosexuellen „Hilfe zur Heilung“ anbieten solle.

Wie aus kirchlichen Kreisen zu erfahren war, hat es deswegen bereits Kirchenaustritte gegeben. Informationen über einen von diesen kursieren in sozialen Netzwerken. Der Dienstvorgesetzte und Kollegen distanzieren sich in der Sache von Cochlovius.

Gegenüber dieser Zeitung betonte Cochlovius auf Anfrage, auch ein offizieller Text der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) stelle fest, dass nach den biblischen Aussagen zur Homosexualität „die homosexuelle Praxis dem Willen Gottes widerspricht“. Viel wichtiger sei aber, so Cochlovius, „dass für die Bibel jeder Mensch, egal ob hetero- oder homosexuell, zwar von Natur aus ,Sünder‘ ist, aber durch Jesus Christus Erlösung findet“.

Abgerückt ist Cochlovius nach eigenem Bekunden von der Vorstellung, Homosexualität sei heilbar: „Homosexualität ist in meinen Augen keine Krankheit.“ Im Übrigen seien ihm Menschen bekannt, „die ehemals homosexuell waren und inzwischen glücklich heterosexuell verheiratet sind“.

Der Kirchengemeindevorstand habe ihm in einer Sitzung am 14. April „das volle Vertrauen ausgesprochen“, berichtete der Pastor. In der Gemeinde werde das Thema „sehr unterschiedlich gesehen und auch kontrovers diskutiert“. Der Geistliche räumte ein, „einiges an heftiger, teils auch persönlich verletzender Kritik bekommen“ zu haben, er erfahre aber „erfreulicherweise auch viel Ermutigung“.

Der hannoversche Landesbischof Ralf Meister als oberster Dienstherr des Hohnhorster Pastors ließ durch seinen Pressesprecher mitteilen, er äußere sich zu dem Vorgang nicht. Vielmehr verwies Meister auf den direkten Dienstvorgesetzten, den Rintelner Superintendenten Andreas Kühne-Glaser.

Kühne-Glaser distanzierte sich in der Sache kategorisch von Cochlovius: „Homosexualität ist keine Sünde, das ist ganz klar.“ Und: „Homosexuelle dürfen in der Gemeinde nicht diskriminiert werden.“ Cochlovius vertrete „eine Minderheitenmeinung in der EKD“. Wie die Landeskirche eingestellt ist, sei daran abzulesen, dass gleichgeschlechtliche Lebenspartnerschaften gesegnet werden.

Der Superintendent räumte ein, bereits von zwei Kirchenaustritten als Folge der Äußerungen zu wissen. Weiterer Schaden für die Kirche könne dann entstehen, „wenn die Leute aus einer solchen Position ableiten: So ist die Kirche“.

Die evangelische Kirche zeichne sich hingegen dadurch aus, so Kühne-Glaser, dass in ihr über unterschiedliche Meinungen diskutiert werde. „Niemand, der ganz anders denkt, wie etwa beim Thema Homosexualität, wird deswegen ausgeschlossen.“ Vielmehr werde „inhaltlich miteinander gerungen“. Das gelte auch für die Hohnhorster Gemeinde, in der es zum genannten Thema unterschiedliche Auffassungen gebe. „Es ist die Aufgabe von Pastor Cochlovius, die Gruppen in Dialog zu halten, für Frieden zu sorgen“. Kühne-Glaser betonte grundsätzlich: Cochlovius sei „ein hervorragender Pastor, der eine lebendige Gemeinde hat“.

Auch Kollegen gehen inhaltlich auf Abstand zu Cochlovius. „Bei Homosexualität kann von Sünde keine Rede sein“, konstatierte der Rodenberger Pastor Ralf Janßen. Allerdings müsse die evangelische Kirche mit einer solchen Position umgehen können.

„Entsetzt“ und „sehr erbost“ zeigt sich Pastor Achim Schultz-Waßmuth von der benachbarten St.-Godehardi-Kirchengemeinde in Bad Nenndorf. Eine fundamentalistische Haltung wie die Cochlovius’ wirke sich auch auf das Ansehen offener Gemeinden aus. Er selbst lese die Bibel historisch. Sie gebe ihm Inspiration in spirituellen Dingen. Über das „alte Weltbild“, das darin vermittelt werde, sei er sich aber durchaus bewusst. Schultz-Waßmuth: „Ich glaube weder, dass Hasen Wiederkäuer sind, noch dass die Welt in sechs Tagen à 24 Stunden entstanden ist.“

Der Schaumburg-Lippische Landesbischof Karl-Hinrich Manzke wollte zu dem Vorgang keine Äußerung abgeben. Er wies darauf hin, dass es sich um einen aktuellen Vorgang einer anderen Landeskirche handele.

Dem Vernehmen nach sind Teile der Hohnhorster Kirchengemeinde nicht erst seit Cochlovius’ Äußerungen für eine erzkonservative Auslegung des christlichen Glaubens bekannt. So soll es vor einigen Jahren aus ihr heraus scharfe Anfeindungen gegen einen homosexuellen Kirchenvorsteher in Bad Nenndorf gegeben haben. ssr, jcp

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Exklusiv-Gespräch mit den SN

Mit so viel Rummel hat die 84-jährige Marie (Nachname der Redaktion bekannt) nicht gerechnet. Im Fernsehen hörte sie die Aussagen des Hohnhorster Pastors Gero Cochlovius, dem zufolge Homosexuelle ihre Neigung nicht ausleben sollten, weil das Gottes Willen widerspreche. Die Großmutter zweier schwuler Enkel schrieb daraufhin an die Kirche, verkündete ihren Austritt. Die Enkel stellten den Brief bei Facebook ein. Die Resonanz, so berichtet Marie im Exklusiv-Gespräch mit den SN, sei „überwältigend“ gewesen.

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