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„Ich schäme mich für mein Land“

Reaktionen auf Trump-Sieg „Ich schäme mich für mein Land“

Gebannt hat Deutschland am Mittwochmorgen auf die Ergebnisse der US-Wahlen geschaut. Auch viele Schaumburger haben ein Wechselbad der Gefühle erlebt, während sich der Sieg des Republikaners Donald Trump abzeichnete. Vor allem US-Amerikaner, die im Landkreis leben, waren schockiert über den Ausgang.

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Die Reaktionen auf den Wahlsieg von Trump: Die SN haben Politiker und Schaumburger mit amerikanischen Wurzeln befragt.

Quelle: dpa

Landkreis. „Ich habe mir in meinen wildesten Träumen nicht vorstellen können, dass unser Land so naiv sein könnte“, sagt der gebürtige US-Amerikaner Robert Schramm aus Hespe , der Trump als Tyrannen bezeichnet. „Ich schäme mich für mein Land.“ Er sei überrascht gewesen von Bekannten, die „Frauenfeindlichkeit, Rassismus, Fremdenfeindlichkeit und einen Mangel an guten Sitten unterstützen“, so der US-Amerikaner. Für Schramm steht fest, dass Bernie Sanders der bessere Gegner für Trump gewesen wäre. Seine einzige Hoffnung ist, „dass Trump sich als nicht so schlimm herausstellt, wie ich aktuell überzeugt bin, dass er sein wird.“ Denn sonst seien Schwule, Muslime, Atheisten, Arme, Schwarze, Lateinamerikaner und Behinderte alle in Gefahr.

"Es ist ein Weckruf"

Der heimische Europa-Abgeordnete Burkhard Balz erlebte Mittwoch als er von dem Sieg Trumps in den USA erfuhr, ein Déjà-vu: „Ich habe mich ähnlich gefühlt wie am 24. Juni, als ich von dem Brexit-Ergebnis hörte.“ Es sei konsterniert und habe sich gefragt, was das für die Politik allgemein bedeute. „Es ist ein Weckruf und ein Zeichen, dass wir die Sorgen und Bedürfnisse der Menschen viel ernsthafter angehen und konkrete Antworten liefern müssen.“

Man dürfe nicht den „Radikalen das Feld überlassen“. Er hoffe, dass Donald Trump schnell in der Realität ankomme – er müsse sich an die Verträge und Abkommen halten. Spannend werde sein, wie das Kabinett am Ende aussehe und welche Politiker die Schlüsselpositionen besetzen. Den wirtschaftlichen Aspekt betreffend meint Balz: „Da sollten wir nicht zu pessimistisch sein. Schließlich ist Trump ein erfahrener Geschäftsmann.“ Auf deutsche Importe würden die USA auch nicht mit ihm als Präsidenten verzichten.

Auch Stadthagens Bürgermeister Oliver Theiß hatte mit Blick auf den Brexit keine Prognose mehr für die US-Wahl abgeben wollen. „Offenbar war die Mehrheit, die einen Wechsel wollte, doch größer, als sich bei den Umfragen abgezeichnet hatte.“ Für Europäer sei dies schwer nachvollziehbar. „Es muss sich aber erst zeigen, wie viel Wahlkampfgetöse es war und wie Trumps Politik letztlich ausfallen wird.“ 

Johnson glaubt nicht an Mauer zu Mexiko

Entsetzt sei er über den Ausgang der US-Wahl, sagt Kirk V. Johnson . Der Bückeburger Rechtsanwalt findet es „beschämend“, dass ein Mann wie Donald Trump gewählt wurde. Dass im Wahlkampf mit harten Bandagen gekämpft werde, sei klar. „Aber dass jemand, der sich so verunglimpfend über Mexikaner, Frauen und Farbige geäußert hat, gewählt wird, ist erschreckend.“ Allerdings glaubt Johnson, der seit 1960 in Deutschland lebt, nicht daran, dass tatsächlich eine Mauer zu Mexiko gezogen wird, wie Trump es im Wahlkampf angekündigt hat. Auch Muslime müssten sich keine Gedanken machen, dass sie nicht mehr einreisen dürften. „Dazu müsste die Verfassung geändert werden, und die ist den Amerikanern heilig.“

Joachim Schorling, Vorsitzender der Volksbank Schaumburg , möchte sich nicht an der derzeitigen Weltuntergangsstimmung beteiligen: „Ich sehe das erst einmal entspannt.“ Nichts werde so heiß gegessen, wie es gekocht werde. Auch wenn die Börsen gestern gleich negativ auf die Neuigkeit reagiert hätten, das habe auf lange Sicht nicht viel zu sagen. „Das war vor ein paar Monaten beim Brexit genauso. Auf politische Nachrichten reagiere die Börse meist nur temporär.

Ähnlich schätzt der Vorstandsvorsitzende der Sparkasse Schaumburg die Situation ein. Die Entscheidung werde sich sicherlich auf die Kurse auswirken, „aber wie lange das so bleibt, kann ich nicht abschätzen“, sagt Stefan Nottmeier. Dies hänge davon ab, ob Trump seine Ankündigungen auch wahr mache. Sprich: „Ob er die Zölle erhöht und den Handel erschwert.“

Austausch wird weiter stattfinden

Das Ernestinum Gymnasium in Rinteln bietet traditionell den Schüleraustausch nach Amerika an. Das werde sich aufgrund der Wahlen natürlich auch nicht verändern, sagt Lehrer Ralf Käcks . Er ist davon überzeugt, dass die Schüler auch in Zukunft an dem Austauschprogramm teilnehmen möchten, um „sich selbst ein Bild von der Lebenswelt dort machen“. Käcks selbst habe mit den Kollegen in Chicago über die Wahl gesprochen und erfahren, dass viele zur Wahl gegangen seien, um gegen einen Kandidaten zu stimmen und nicht dafür.

Jürgen Watermann, der Vorsitzende der Schaumburger Deutsch-Amerikanischen Gesellschaft , war kurz vor der Wahl noch in den USA – bereits zum 25. Mal. „Auch nach so einer langen Zeit verstehe ich die Amerikaner immer noch nicht“, sagt er. Watermann habe mitbekommen, dass viele Amerikaner nicht wählen wollten. Er habe die Spaltung des Landes beim Aufenthalt spüren können. Auf seinen Verein habe der neue Präsident keine Auswirkungen: „Wir haben uns komplett von der Politik gelöst.“

Vom Trump-Sieg „sehr überrascht“ zeigte sich hingegen Michael Joop, Vorstandschef der Volksbank Hameln-Stadthagen . Ungeschminkt fügt er hinzu: „Es ist armselig, dass das amerikanische Volk auf einen solchen Dampfplauderer hereinfällt.“ Mit Blick auf die Wirtschaftsbeziehungen empfiehlt Joop freilich Gelassenheit, auch in der Hoffnung darauf, dass Trump gute Berater haben wird. „Ich glaube nicht, dass sein Sieg großen Einfluss auf die Wirtschaft haben wird, ich sehe da nicht schwarz.“

Catherine Beale aus Haste hält Trump indes für „gefährlich“, aber auch Hillary Clinton hätte sie ungern im Weißen Haus gesehen. „Ich befürchte große Probleme, die auf mein Land zukommen“, sagt die US-Staatsbürgerin, die seit 20 Jahren in Deutschland lebt. Der Wahlkampf habe auch ihre Familie gespalten, die Hälfte habe für Clinton, die andere Hälfte für Trump gestimmt. Beale selbst hat in diesem Jahr nicht gewählt.

Schmidt zeigt sich schockiert

Nenndorfs Samtgemeindebürgermeister Mike Schmidt war „schockiert“, als er von dem Wahlergebnis erfuhr. „Bei dem, was wir momentan auch bei uns erleben, sollten wir uns an der Basis mal die Frage stellen, ob Politik die Wähler überhaupt noch erreicht oder ob die Menschen nur noch aus Protest wählen“, gibt Schmidt zu bedenken.

Auch Rodenbergs Verwaltungschef Georg Hudalla reagiert nachdenklich: „Was muss in einer Gesellschaft passiert sein, dass jemand mit solchen Verhaltensweisen zum Präsident eines Landes gewählt werden kann?“ Er bleibe aber Optimist und gehe davon aus, dass sich das amerikanisch-deutsche Verhältnis auch unter Trump „einruckeln“ wird. col, jemi, ssr

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