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Illegales Familienmitglied

Flüchtlinge in Schaumburg Illegales Familienmitglied

Er ist gekommen, um in Freiheit leben zu können. Doch nun ist er gefangen in der Ungewissheit. Mit seinen Sorgen wird der 22-jährige Iraker aber nicht alleine gelassen. Eine Schaumburger Familie hat sich entschlossen, den jungen Mann bei sich aufzunehmen – obwohl er nicht registriert ist und damit illegal in Deutschland lebt.

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Quelle: Symbolfoto

Landkreis. Keine leichte Aufgabe, aber eine Entscheidung, die das Ehepaar nicht bereut. Die unklare Situation, in der sie sich nun befinden, bereite ihnen zwar „Kopfschmerzen“, der 59-Jährige betont jedoch: „Die Probleme sollten keinen davon abhalten.“ Ein bisschen mehr Unterstützung würde sich das Ehepaar dennoch wünschen.

Seit einer Woche leben sie nun schon unter einem Dach. Und es klappt hervorragend. Wenn die Sorgen nicht wären. Der Flüchtling hat keine Krankenversicherung, darf nicht arbeiten, hat keine Aufenthaltserlaubnis. Sie haben sich an den Landkreis, Landrat Jörg Farr, die Ausländerbehörde, das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge, das Sozialamt und auch an den Bundestagsabgeordneten Martin Patzelt (CDU) aus Brandenburg gewandt, der ebenfalls zwei Asylbewerber aus Eritrea bei sich aufgenommen hat.

„Wir möchten nichts haben“, betont die 57-Jährige. Aber Sicherheit – das wäre ihnen wichtig. Eine Möglichkeit sehen sie in einer Zwischenlösung: Behörden könnten über die Aufnahme eines unregistrierten Flüchtlings informiert werden und den Familien, die sich zu so einem Schritt bereit erklären, zumindest einen Versicherungsschutz für ihre Gäste gewähren. Sowohl der Landkreis als auch Patzelt haben sich zurückgemeldet und Gesprächsbereitschaft signalisiert. Die Problemlösung ist trotzdem nicht in Sicht.

„Ich möchte wie jeder andere Mensch zur Uni und später zur Arbeit gehen und Teil dieser Kultur werden“, erklärt der 22-Jährige, der es nicht erwarten kann, sein neues Leben in die Hand zu nehmen. Warum das so lange dauert, fragt er, und tut sich schwer zu verstehen, warum er nicht sofort zumindestens ein Praktikum machen kann.

Um die schwierige Situation hätten sie gewusst, als sie den jungen Iraker aufnahmen, stellt der Schaumburger klar. Alles ging ziemlich schnell: Kennengelernt haben sie den 22-Jährigen Anfang Oktober in einer Flüchtlingsunterkunft. Sie besuchten ihn regelmäßig, schenkten ihm ein Fahrrad und unternahmen gemeinsame Ausflüge.

Nachdem er die Unterkunft wechseln musste und erzählte, wie schrecklich er sich dort fühlte, fasste sich das Ehepaar ein Herz und ließ den Iraker bei sich einziehen. „Wir hatten ein Zimmer frei und auch ein kleines Badezimmer, das er nun bekommen hat“, erklärt die Schaumburgerin. Bei der Unterkunft hinterließen sie ihren Namen und ihre Adresse.

Nun ist der Alltag eingekehrt, in dem plötzlich zwei Kulturen aufeinander treffen. Beide Seiten profitieren davon. „Für uns ist es eine Bereicherung“, sagt der Schaumburger. Mit seinen „Gasteltern“ spricht der junge Mann Englisch und lernt Deutsch. Außerdem kann er auch Arabisch und Türkisch, hat sogar angeboten, als Dolmetscher in den Flüchtlingsunterkünften auszuhelfen.

Weil er das deutsche Essen nicht mag, kocht er häufig. So kommt das Ehepaar in den Genuss irakischer Spezialitäten. Gemeinsame Spieleabende und Ausflüge sorgen dafür, dass die Gedanken nicht immer um das Problem der Illegalität kreisen. Rege Diskussionen am Abendbrottisch dienen dem Austausch. Ein scheinbar alltägliches Familienleben, wenn die Sorgen nicht wären, die Sorgen die der 22-Jährige mit Hunderttausenden Flüchtlingen teilt. tbh

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