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Immer ein Faible fürs Haushalten

Klaus-Henning Lemme Immer ein Faible fürs Haushalten

Schon seit 1975 in der Schaumburger Kreisverwaltung für Bildung zuständig, gelang Klaus-Henning Lemme 1989 ein unvergessener schulpolitischer Coup.

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Als Vorsitzender der Schaumburger Landschaft stellte Klaus-Henning Lemme in diesem Frühjahr in der Niedersächischen Landesvertretung in Berlin das Design-Projekt „Nach Neuem Trachten“ vor.

Quelle: Yorck Maecke

Obernwöhren. Weil die damalige CDU/FDP-Landesregierung die Frist für eine Entscheidung versäumte, galt der von Lemme gemanagte Antrag des SPD-geführten Landkreises Schaumburg auf Einführung der kreisweit ersten Integrierten Gesamtschule (IGS) nach Gesetzeslage automatisch als genehmigt.

Der versierte Verwaltungsjurist und überzeugte IGS-Anhänger hatte das genau gewusst, störte die bekennenden Gegner der Schulform in der Landesregierung bei deren Taktik, auf Zeit zu spielen und den Antrag vermeintlich totlaufen zu lassen, bewusst nicht. „Am Ende hatten wir gegen den erklärten politischen Willen der Landesregierung unsere IGS“, erinnert sich Lemme mit verschmitztem Lächeln.

Der vor 40 Jahren aus Hannover nach Schaumburg gekommene Lemme avancierte 1990 zum Oberkreisdirektor (OKD). „Aus tiefster Überzeugung“, bekennt er, setzte er sofort einen frauenpolitischen Akzent. Er sorgte dafür, dass mit Eva Burdorf eine Frau auf dem Posten des OKD-Vize landete, ein absolutes Novum in Niedersachsen. Als bis dahin einziger Landkreis führte Schaumburg zudem auf Betreiben Lemmes auf freiwilliger Basis eine Kreisfrauenbeauftragte ein.

Ein „nervenaufreibendes, aber zielführendes Unterfangen“ sei die Fusion von vier regionalen Geldinstituten zur Sparkasse Schaumburg gewesen, nennt Lemme einen weiteren Höhepunkt seiner bis 1998 dauernden OKD-Zeit.

In jenem Jahr erreichte den Sozialdemokraten in Rodenberg auf dem Rücksitz des Dienstwagens des damaligen Ministerpräsidenten Gerhard Schröder dessen Ruf nach Hannover – als Staatssekretär erst im Kultus- und dann im Finanzministerium. Aufmerksam geworden war Schröder auf den Schaumburger, weil dieser Ende der neunziger Jahre niedersachsenweit den einzigen Landkreis repräsentierte, der noch schwarze Zahlen schrieb. „Ich hatte immer ein Faible fürs Haushalten“, bekennt Lemme. „So habe ich von Anfang an einen Sparkurs gesteuert.“ Weil er dabei beiden großen Parteien im Kreistag gleichermaßen Opfer abverlangte, gelang dies mit breiter Mehrheit.

In Hannover landete der Obernwöhrener Lemme zunächst im Kultusministerium, weil dessen Hausherrin Renate Jürgens-Pieper ihn unbedingt haben wollte. Erst unter Ministerpräsident Sigmar Gabriel konnte er ins Finanzministerium wechseln, was ihm von Schröder seinerzeit zugesagt worden war. Sowohl zu Schröder als auch zu dessen damaligen engstem Vertrauten Frank Walter Steinmeier pflegt Lemme nach eigenem Bekunden bis heute freundschaftliche Kontakte.

Die Hauptaufgabe des Finanz-Staatssekretärs war es, einen nachhaltigen Sparkurs mit durchzusetzen. „Alle Ressorts sollten zehn Prozent einsparen, das war eine pure Ärgerveranstaltung“, erinnert er sich: „Es gab schwierige, teils zähe Verhandlungen.“ Seine eingehenden Schaumburger Erfahrungen als sparsamer kommunaler Haushälter halfen dabei.

Die erdrutschartige Niederlage der SPD bei der Landtagswahl im Jahr 2003 sorgte für das jähe Ende der Karriere Lemmes auf Landesebene. „Ich war binnen kürzester Frist aller Funktionen entbunden“, erinnert sich der Sozialdemokrat und räumt ein: „Das war auch mit deprimierenden Erlebnissen verbunden.“

„Man nagt zwar mit einer Staatssekretär-Pension nicht am Hungertuch“, sagt Lemme, aber auf keinen Fall wollte er im Alter von 60 Jahren aus dem Berufsleben ausscheiden. So nahm er freudig das Angebot an, in eine Bückeburger Anwaltskanzlei einzusteigen. „Die suchten einen Spezialisten für Öffentliches Recht, und da brachte ich neben der theoretischen Ausbildung auch meine ganzen Verwaltungserfahrungen auf Kreis- und Landesebene mit.“ Eine neue Erfahrung war, „dass ich mir nun immer alles von hinten bis vorne selbst erarbeiten muss, wo mir bisher immer zugearbeitet wurde“. Nach wie vor ist der heute 72-Jährige in der Anwaltskanzlei tätig. „Das tue ich, weil es mir nach wie vor großen Spaß macht, es gibt spannende Fälle, die mich reizen.“

Auch ehrenamtlich ist der agile Senior unterwegs – seit zehn Jahren als Vorsitzender der Schaumburger Landschaft. Seit der Schulzeit stark an der Kultur interessiert, reize ihn bei dem Verein die breite Palette des kulturellen Engagements. „Ein phänomenaler Höhepunkt“ sei jüngst der Auftritt mit dem Design-Projekt „Nach Neuem Trachten“ bei der Mailänder Expo gewesen.

Trotz allem Spaß an der Sache, der Zeitpunkt des Aussteigens aus der haupt- wie aus der ehrenamtlichen Tätigkeit rückt nach Bekunden Lemmes näher, ohne dass Termine bereits feststünden. „Langweilen werde ich mich dann nicht“, ist er sicher. Für seine Leidenschaften, die Gartenpflege, das Wandern und Reisen sowie das Fotografieren werde dann mehr Zeit übrig sein. ssr

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